Sonntag, 20. Oktober 2013

Bericht über den Börsentag Berlin 2013 und Ausblick auf die Finanzmärkte - Teil 2

Am Freitagabend und Samstag fand in Berlin am Alexanderplatz die Anlegermesse Börsentag Berlin. Im ersten Teil dieser Artikelserie hatte ich die Ansichten der drei Präsentatoren Markus Koch, Stephan Feuerstein und Jochen Stanzl zusammengefasst. Im nun folgenden zweiten Teil schauen wir uns die Meinung weiterer Referenten an.

Sophia Wurm (Technische Analystin bei der Commerzbank)
Sophia Wurm erläuterte
den Index des V-DAX
  • Euro / US-Dollar: Nach der Unsicherheit unmittelbar nach der Finanzkrise ist mittlerweile wieder das Vertrauen in den Euro zurückgekehrt. Er bewegt sich zum Greenback seit einiger Zeit in einer relativ engen Range (etwa zwischen 1,27 und 1,38 US-Dollar) seitwärts.
  • Bei der Gold ist der langfristige Aufwärtstrend beendet und dieser wird erfahrungsgemäß auch so schnell nicht wieder aufgenommen. Gold sollte man vor allem dann haben, wenn die Inflation über 6% liegt.
  • Öl ist auf einem Niveau, welches den Aktienmarkt nicht sonderlich belastet.
  • Bei Bundesanleihen ist die Zinswende zwar vollzogen, allerdings ohne große Dynamik
  • Bei Aktien gibt es derzeit keine besonders großen Störfaktoren, daher wird sich der Aufwärtstrend tendenziell fortsetzen. Gut möglich, dass sich Europa besser als die USA entwickeln werden
  • Der Euro Stoxx 50 ist kurz davor seinen langfristigen Abwärtstrend nach oben zu durchbrechen. Das liegt vor allem an den französischen und südeuropäischen Indizes, die oft schon ihren längerfristigen Abwärtstrend verlassen haben.
  • Der DAX ist ähnlich wie die amerikanischen Indizes in den letzten Jahren bereits gut gelaufen und die Aufwärtsdynamik könnte daher nachlassen. Dennoch sind im DAX bis Zum Jahreswechsel Werte um 9.000 wahrscheinlich und 2014 sollte er Richtung 10.000 Punkte laufen. Wer im MDAX investiert ist, sollte weiter drin bleiben, aber für neue Einstiege ist es schon etwas spät.


Alfred Maydorn (Der Aktionär) - Lust auf Kursgewinne? - Die besten Aktien von morgen
  • verfolgt die Trendfolgestrategie, d.h. Gewinne laufen lassen, Verluste begrenzen, die meisten Anleger würden diese Merkregel nicht befolgen
  • Ist Freund von Wachstumsmärkten und Megatrends, wie u.a.:
    • mobile Kommunikation
    • Social Network
    • Solarenergie
    • explizit genannte Unternehmen: YY, NQ Mobile, JinkoSolar
  • Solartechnologie ist in Deutschland am Ende des Wachstums angekommen, anders sieht es z.B. in China und den USA aus, dort enormes Wachstumspotential

Auf der Veranstaltung war ich mit Markus Wunram, der den Blog Finanzielle Freiheit mit Dividenden betreibt. Natürlich haben wir uns intensiv über Ideen und Möglichkeiten zum Erreichen der finanzielle Freiheit ausgetauscht. Wir sind beide weiterhin der festen Überzeugung, dass ein gewichtiges Standbein dazu - trotz aller Kursschwankungen - renditestarke Dividenden-Aktien sind, die für einen permanenten passiven Einkommensstrom sorgen.


Vermögensverwaltung Dr. Markus C. Zschaber - Björn Kising
Status 2013: Krise, Konjunktur, Inflation
  • Erläuterte ziemlich ausführlich die aktuellen Probleme der Eurozone, wie Lösungsansätze aussehen könnten und welche Auswirkungen diese auf die Menschen haben dürften. Insgesamt wird ein ziemlich düsteres Bild erwartet und er sprach von einer kommenden "Tragödie". Die vermuteten Szenarien reichen von einer aggressiven Enteignung (eher unwahrscheinlich) bis hin zu einer schleichenden Enteignung von Vermögen in Deutschland (als die noch beste Variante)
  • Liquidität wird nicht mehr als Bankeneinlagen, sondern nur noch in Bundeswertpapiere höchster Bonität mit einer Laufzeit von max. 1 Jahr geparkt. Zu hoch sei die Gefahr, dass im Krisenfall Bankeneinlagen nicht mehr verfügbar seien oder eine (Teil-) Enteignung droht.
  • Deutschland wird eine Inflation von 4 bis 5% bis zum Jahr 2020 bekommen (müssen)
  • Als Schutz vor einer Inflationsenteignung bleibt nur sein Vermögen zu einem großen Teil in Real- und Produktivkapital zu investieren. Aktien, vor allem auch deutsche Aktien, werden sich in den nächsten Jahren insgesamt gut entwickeln 
  • Aufgrund obiger Annahmen wurden drei Beispiele für eine Asset Allocation gezeigt, wobei der Aktienanteil maximal bei 30%, 50% oder 70% liegen kann. Als Beispiel wurde eine Aktienquote von maximal 50% gezeigt. Die Aktienquote ist in diesem Fall mit 45% fast vollständig ausgeschöpft, wobei viele Industriewerte dabei sind. Im Vergleich zu letztem Jahr ist die Aktienquote von damals 33% nun deutlich erhöht worden.
  • Das Beispielportfolio wird noch durch Unternehmensanleihen sowie Staatsanleihen aus Deutschland, Kanada und Norwegen sowie 9,5% (rund die Hälfte im Vergleich zum letzten Jahr) Edelmetalle komplettiert. 
  • Grundsätzlich sei es bei der Vermögensverwaltung nicht so entscheidend in Aufwärtstrends überproportional besser als der Durchschnitt abzuschneiden (dort generiere man eher eine Underperformance), sondern in Abwärts- bzw. Crashphasen das Kapital zu schützen
  • Für den DAX wird bis zum Jahreswechsel keine besonders ausgeprägte Korrektur erwartet.

Aus den Vorträgen und Meinungen war sonst noch herauszuhören, dass man sowohl bei Kapitalerträgen aus Wertpapieren, aber auch bei Immobilienbesitz in den nächsten Jahren von einer höheren Besteuerung (z.B. Abgeltungssteuer, Grunderwerbssteuer) ausgehen muss. Neben bestehenden Steuern wurde und wird in der Politik bereits über weitere innovative Abgaben diskutiert. Auch das Thema Reichen- oder Vermögenssteuer tauchte gelegentlich auf. Mit beispielsweise 250.000 Euro Vermögen sei man im fortgeschrittenen Alter noch längst kein reicher Mensch.

Fazit:
Die Stimmung für den Aktienmarkt war durch die Bank gut. Von Korrekturen normalen Ausmaßes abgesehen habe ich von niemanden der Vortragenden etwas von einem größeren Crash oder längeren Bärenmarkt gehört. DAX 10.000 und mehr wurde häufiger genannt. Hauptgrund seien die weiterhin niedrigen Leitzinsen, speziell für die Eurozone erwarte man oft sogar noch etliche Jahre dieses Zinsniveau. Persönlich bin ich angesichts der eindeutigen Stimmung skeptisch geworden. Wenn ich nicht aus im Netz auch andersartige Meinungen kennen würde (die erst einmal keinen weiteren Kursanstieg oder gar eine deutliche Korrektur erwarten), könnte man dieses Stimmungsbild schon beinahe als Kontra-Indikator werten.

Bezeichnend war der schwache Besuch bei dem Vortrag über Gold. Abgesehen von den grundsätzlichen Goldbefürwortern erwartete kaum jemand, dass Gold und Silber so schnell ihre Aufwärtstrends wieder aufnehmen würden. Eher wurde eine Seitwärtsbewegung prognostiziert.

Von Inflation im Bereich bis zu 5% speziell in Deutschland war gelegentlich zu hören, aber eine galoppierenden Inflation von deutlich über 10% im Euroraum oder Deutschland wurde überhaupt nicht gesehen. Die finanzielle Repression in Deutschland wird ziemlich übereinstimmend noch mehrere Jahre (mindestens bis 2020 wurde teilweise genannt) andauern und ist von der Politik auch explizit gewollt. Das betrifft vor allem diejenigen, die Ihr Geld in vermeintlich "sicheren" Anlagen wie Tagesgeldkonten, Bundesanleihen oder Kapital-Lebensversicherungen liegen haben.

Verkauft Lebensversicherungen, kauft stattdessen mit der verfügbaren Liquidität Aktien und bedenkt beim Immobilienerwerb an zukünftig höhere Abgabenbelastung, so kann das Motto vielleicht kurz zusammengefasst werden.
comdirect

Zum Weiterlesen:

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