Montag, 10. August 2015

Fünf Gründe, warum eine erste Leitzinserhöhung in den USA die Aktienhausse nicht beendet

Seit fast einem Jahr wurde über eine mögliche Anhebung der Leitzinsen in den USA diskutiert. Jetzt scheint dieser lange erwartete Moment näher zu rücken. Während es Anfang 2015 noch hieß, man sei mit einer ersten Zinsanhebung geduldig, spricht die Federal Reserve inklusive Janet Yellen mittlerweile deutlich von einer ersten Zinserhöhung noch im Jahr 2015. Voraussetzung sei jedoch weiterhin eine positive Entwicklung der US-Wirtschaft.
Ein Zinserhöhungszyklus wird von Anlegern gefürchtet, weil er Ursache für das Ende einer Aktienhausse sei, so die oft geäußerte Meinung. In diesem Artikel nenne ich Ihnen fünf Gründe, warum die Aktienhausse wegen der bevorstehenden Zinserhöhung jedoch noch nicht beendet ist.

Die US-Notenbank inklusive ihrer Chefin Janet Yellen ließ in den letzten Wochen kaum eine Möglichkeit aus, eine erste Zinsanhebung verbal vorzubereiten. Zuletzt war dies nun schon derart oft von verschiedenen Seiten der US-Notenbank zu hören, dass sie mittlerweile gute Gründe bräuchte auf einen ersten Zinsschritt im Jahr 2015 zu verzichten.

Aktuell liegt der Leitzins der US-Notenbank seit Dezember 2008 bei 0 bis 0,25 Prozent. Ein erster Schritt nach fast sieben Jahren wäre also eine Leitzinserhöhung auf 0,5 Prozent. Viele Marktteilnehmer - von denen etliche noch keine Leitzinsanstiegsphase aktiv mitgemacht haben - fürchten sich davor, dass die Federal Reserve nun zu einem deutlichen Zinsanhebungszyklus übergehen könnte.
Wir schauen uns nun fünf Gründe an, warum eine erste Leitzinsanhebung nicht zu einem Trendwechsel an den großen Aktien-Indizes führen wird und kein Bärenmarkt eingeleitet wird.

1.) Nach ersten Zins-Schritt wird die FED zunächst einmal abwarten
In früheren Fällen folgten nach einer ersten Zinserhöhung gleich mehrere weitere Zinsschritte hinterher und das könnte in der Tat die Aktienhausse belasten oder sogar beenden. Denn nach rund 7 Jahren Nullzinspolitik hat sich die Wirtschaft an den extrem niedrigen Leitzins gewöhnt. Eine rasche Leitzinserhöhung auf beispielsweise 2 bis 3 Prozent würde die Wirtschaft mit ziemlicher Sicherheit abwürgen.
Davon muss man allerdings nicht ausgehen, denn von der Notenbankchefin Yellen hieß es nach der letzten Notenbanksitzung (FAZ):
"Die Bedeutung der Zinserhöhung sollte aber nicht überbewertet werden, erklärte die Fed-Chefin. Denn die Zinsen würden nach einer ersten Erhöhung für geraume Zeit auf sehr niedrigem Niveau bleiben."

Für mich hört sich das danach an, dass der verbal bereits deutlich angekündigte erste Zinsschritt vollzogen wird - sofern keine dramatischen Änderungen eintreten. Anschließend wird erst einmal die Reaktion des Marktes abgewartet und nach einer gewissen Abwartehaltung im Jahr 2016 mögliche weitere kleine Schritte folgen.

Dieser erste Zinsschritt wurde von der Federal Reserve lange vorbereitet und nun verbal schon ungewöhnlich deutlich geäußert. Bei der tatsächlichen Anhebung sollten abgesehen von kurzen Schwankungen keine größeren Markt-Reaktionen mehr erfolgen.

Entwicklung des Dow Jones Industrial
Average bei Leitzinserhöhungen in den
USA seit 1990
2.) Zinsanstiege sorgen zunächst nicht für fallende Aktienkurse
Die Historie zeigt, dass Leitzinserhöhungen den Aktienmarkt durchaus bremsen können, aber bei den ersten Zinsanhebungen erfolgte in den letzten 25 Jahren kein signifikanter Kursrückgang am Aktienmarkt. Oft gab es eine Abflachung des Aufwärtstrends oder eine zeitweilige Seitwärtsbewegung, aber insgesamt verlief der Aktienkurs noch positiv.

3.) Ein zu starker US-Dollar kann nicht im Sinne der Fed sein
Die Notenbanken der Eurozone EZB und die Japanische Notenbank (BoJ) kaufen noch fleißig weiter eigene Staatsanleihen auf. Beim Euro als auch beim Yen ist man im Moment weit entfernt von Leitzinsanhebungen. Bereits 2015 in Erwartung einer Zinsanhebung der US-Notenbank litten etliche US-Unternehmen unter dem starken US-Dollar. Anders als - eigentlich - in der Eurozone soll sich die US-Notenbank nicht nur um eine moderate Preissteigerungsrate kümmern, sondern auch für Vollbeschäftigung am Arbeitsmarkt sorgen. Ein zu starker US-Dollar könnte dazu führen, dass Unternehmen weniger Neueinstellungen vornehmen oder sogar die Personaldecke etwas reduzieren, um ihre gesteckten Gewinnziele dennoch einzuhalten.

Daher wird sich die Federal Reserve jeden weiteren Zinsschritt genau überlegen und es wird wohl keinen in der Vergangenheit üblichen Automatismus von mehreren Zinsanhebungen hintereinander geben.

4.) Preise für Rohstoffe sind deutlich zu niedrig für höhere Zinsen
Besonders die Zinsanhebungen 2007 und anfangs noch 2008 von der FED und Europäischen Zentralbank EZB waren durch hohe Rohstoffpreise motiviert. Von hohen Rohstoffpreisen kann in 2015 weit und breit keine Rede sein. Nach einer vorübergehenden Erholung kamen diese im Gegenteil zuletzt wieder deutlich unter Druck. So lag der Goldpreis zuletzt sogar unter 1.100 US-Dollar und der Ölpreis (Brent) unter 50 US-Dollar.

Markteinschätzung zur Verzinsung
10-jähriger US-Staatsanleihen
Quelle: comdirect.de
5.) In US-Staatsanleihen kein größerer Zinsanstieg eingepreist
Staatsanleihen der USA mit 10-jähriger Laufzeit nutzen Marktteilnehmer gerne um die Zinserwartung im Markt abzuschätzen. Bei der Ankündigung der US-Notenbank den Aufkauf von eigenen Staatsanleihen zu reduzieren, stieg der Zinssatz für Bonds mit 10 Jahren Laufzeit im Frühsommer 2013 von unter 2 Prozent auf fast 3 Prozent. Anschließend erfolgte jedoch wieder eine Rückgang auf aktuell 2,2 Prozent. Das entspricht in etwa der Markterwartung für das Niveau des US-Leitzinses in den kommenden Jahren. Oder mit anderen Worten: Es werden vom Markt auf Sicht von Jahren keine deutlichen Leitzinserhöhungen erwartet.
Das bedeutet, die kommenden Leitzinsanhebungen werden wohl in Anzahl und Ausmaß zu gering sein, um den Aktienmarkt nachhaltig zu belasten.


Wie ist Ihre Meinung zu den möglichen steigenden Leitzinsen in den USA? Wird dadurch der Aktienmarkt stärker leiden als derzeit zu erwarten ist?

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Hallo Lars, die "Angst" vor einer Anhebung des Leitzinsen in den USA geistert ja schon mindestens ein halbes Jahr durch die Medien. Sicher ist, eine Leitzinserhöhung durch die FED wird kommen, allerdings kann diese gar nicht hoch ausfallen. Wie Du in Deinem Artikel bereits geschrieben hast, kann es nicht im Interesse der USA sein, den Dollar noch mehr zu stärken. Höhere Leitzinsen würden den Bundeshaushalt der USA sowie den Haushalt vieler Schwellenländer enorm belasten, da es Schulden verteuern würde.

    Eventuell würde eine Leitzinserhöhung dazu führen, dass Anleger ihre Investments mehr nach Europa und Asien verlagern. Rohstoffaktien dürften bei einer Stärkung des Dollars nochmals ein wenig nachgeben.

    Wie hoch ist eigentlich die Inflationsrate in den USA? Liegt diese aktuell über 1 %? Diese spielt ja auch eine große Rolle.



    Für mich interessanter und wichtiger ist die weitere wirtschaftliche Entwicklung in China.

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  2. Stimme zu, dass die Zinsanhebungen wenn überhaupt wohl eher homöopathischer Natur sein werden.

    Kurzfristig hätte für uns europ Anleger ein (noch stärker werdender) Dollar ja auch eine Aufwertung unserer US-Aktien zu folge, was u.U. auftretende Wacklereien des Marktes evtl abfedern bzw ausgleichen kann. Siehe die letzten Monate wo die amerikanischen Märkte eigentlich relativ flach waren, aber aus unsrer (Euro)"Sicht" trotzdem noch zweistellig zugelegt haben (weil eben der Euro im vgl zweistellig abgebaut hat).

    Ich hatte schon vor einiger Zeit gesagt dass ich den Euro eher auf pari mit dem Dollar sehe, da hattest du noch gezweifelt, so jetzt will ich's einfach aus Prinzip wissen :-P

    Achja, was wir auch noch in dem anderen Artikel besprochen hatten, zumindest für die EM's sehe ich mit den Zinsen Turbulenzen aufkommen. Da leiden ja eh schon viele unter den niedrigen Rohstoffpreisen und das wird den Kapitalabzug noch verstärken. Da werden sich sicher in einiger Zeit auch wieder günstige Kaufgelegenheiten auftun.

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  3. @Thosten: Der Shanghai Composite hatte ja vor allem für Aufregung gesorgt, der international prominentere Hang Seng sieht vergleichsweise unauffällig aus. Vielleicht gibt es noch einen letzten Abrutsch, aber dann sollte sich die Lage in China wieder beruhigen.

    @Chris: Eine erste Zinserhöhung ist im Markt ja schon bekannt und dürfte keine größeren Auswirkungen auf Euro/US-Dollar mehr haben. Eher sehe ich noch das Potential, dass die Fed nach ein oder zwei Erhöhungen ankündigt mit weiteren Erhöhungen abzuwarten und das deswegen der Euro sogar zulegt. Das Überraschungspotenzial liegt m.E. beim Euro. Daher warten wir mal ab, ob es die Parität wirklich gibt. ;-)

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  4. Was ist die Alternative zu Aktien bei steigenden Zinsen?
    Anleihen ganz sicher nicht!

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