Montag, 22. September 2014

Strategische oder taktische Asset Allocation?

Asset Allocation bedeutet nichts anderes als die Verteilung von Anlageklassen im eigenen Depot oder auch Portfoliostrukturierung genannt. Dieser Vorgang der Diversifizierung dient dazu das Risiko für Geldanleger zu minimieren, aber gleichzeitig die Rendite bei gegebenem Risiko zu steigern. Seine Ersparnisse auf verschiedene Anlageklassen zu verteilen kann man eher auf passive Art und Weise oder aber mit einem gewissen Markttiming betreiben. Dieser Artikel soll nicht in die Tiefen der Portfoliotheorie gehen, sondern die Möglichkeiten der eigenen Vermögensverwaltung hervorheben.

Unter Vermögensverwaltung versteht man das Investieren in unterschiedliche Anlageklassen oder zumindest innerhalb einer Anlageklasse verschiedene Möglichkeiten zu nutzen. Die für Privatanleger einfachste Form ist eine prozentual fixe Verteilung in Vermögensklassen, nämlich die strategische Asset Allocation.

Strategische Asset Allocation
Bei der strategischen (oder passiven) Asset Allocation werden die prozentualen Gewichtungen der Anlageklassen je nach Risikoneigung und sonstigen persönlichen Wünschen festgelegt und über Jahre hinweg konsequent beibehalten. Das bekannteste Beispiel ist die Kombination 50 Prozent Anleihen und 50 Prozent Aktien. Eine weitere Kombination mehrerer Anlageklassen mit Erläuterungen hatten wir uns bereits früher als Beispiel einer Asset Allocation angeschaut.

Gelegentlich gelangt die Frage zu mir, welche Verteilung optimal ist. Darauf gibt es jedoch keine allgemein gültige Antwort. Es hängt vom eigenen Zeithorizont, von der persönlichen Risikoneigung, aber auch vom eigenen Interesse sich mit Vermögenswerten zu beschäftigen ab. Wer nachts schlecht schläft, wenn der Aktienmarkt 10 bis 20 Prozent korrigiert, sollte einen niedrigeren Aktienanteil im Depot haben als jemand den die Kursschwankungen relativ kalt lassen.

Da die Börse mehr oder weniger dynamisch und volatil ist, verschiebt sich die ursprünglich festgelegte Gewichtung untereinander. Dies bedeutet, während einer Aktienhausse überschreitet man automatisch die gewünschte prozentuale Festlegung des Aktienanteils und verkauft demnach einige Anteile bis die Anlageklasse wieder die ursprüngliche Größe angenommen hat. Im anderen Szenario eines Bärenmarktes werden entsprechend Aktien hinzugekauft, da diese Anlageklasse durch die Kursverluste an Gewicht abgenommen hat.

Die gängige Meinung ist, ein Umschichten in einem Zeitraum von drei bis zwölf Monaten vorzunehmen. Zu frühes Agieren kann bestehende Trends vorzeitig abwürgen, ein zu langes Warten von deutlich über ein Jahr, bringt gegenüber der „buy and hold“ – Strategie keinen signifikanten Vorteil.

Statt einer zeitlichen Betrachtung lassen sich auch prozentuale Grenzwerte festlegen, nach denen eine Umschichtung vorgenommen wird. Um auf das einfache Beispiel der 50:50 Verteilung von Aktien und Anleihen zurückzukommen. Hier könnte man zum Beispiel festlegen, ab einer 60:40-Verteilung wieder zur ursprünglichen Gleichgewichtung der beiden Anlageklassen zurückzukehren. Meiner Meinung nach ist diese Methode sogar etwas vorteilhafter als die "starre" zeitliche Vorgehensweise.

Wer regelmäßig "frisches Geld" - zum Beispiel durch Arbeitseinkünfte - in sein Portfolio einbringen kann, sollte sich auf die Variante beschränken, in schwächere Anlageklassen zu investieren und nicht aus stark gelaufene Anlageklassen zu verkaufen. Denn zum einen möchten wir ja Vermögen aufbauen und zum anderen fallen bei Verkäufen natürlich regelmäßig Gebühren an.
Mehr zum "Rebalancing" auch im Artikel: "Buy and hold" oder Rebalancing?

Wichtig bleibt aber, sich konsequent an eine einmal festgelegte Asset Allocation zu halten. Denn nur so diszipliniert man sich auch in Boomphasen eines Sektors und agiert gleichzeitig konsequent antizyklisch (kaufen bei vergleichsweise günstigen Kursen). Da sich die Erträge der unterschiedlichen Asset-Klassen meist nicht parallel zueinander bewegen, ist es möglich, eine positive Performance des veranlagten Kapitals zu erreichen, obwohl es bei einzelnen Teilen der Geldanlage zu einer negativen Entwicklung kommt.

Ein wichtiger Beitrag zur Risikominimierung spielt auch das Money Management. Dieses besagt, dass in einzelne Positionen nicht zu große Geldmengen angelegt werden, damit selbst bei einem möglichen Totalverlust eines Vermögenswertes nicht die gesamte Anlageklasse und schon gar nicht das Gesamtportfolio zu stark darunter leiden würde.

Zudem ist es vorteilhaft immer auch gewisse Liquiditätsreserven zu halten, um bei günstigen Gelegenheiten neue Vermögenswerte hinzukaufen zu können.


Taktische Asset Allocation
Als Alternative wird bei der taktischen Asset Allocation bereits im Vorfeld versucht mit Umschichtungen innerhalb der Anlageklassen eine Mehrrendite zu erzielen. Dazu ist es aber notwendig die künftige Wertentwicklung der diversen Assetklassen möglichst genau zu prognostizieren, um deutliche Wertverluste zu vermeiden und beim Aufschwung immer dabei zu sein.
Das kann zum Beispiel aufgrund einer Schieflage in den Bewertungen sein, ohne dass die Kursentwicklung bereits ein Handeln bei der strategischen Asset Allocation initiiert hat. Bei eher seitwärts tendierenden Märkten könnte eine merkliche Veränderung des Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) über den breiten Aktienmarkt solch ein Anlass sein.
Mit einem richtigen Gespür für die Marktentwicklung kann man die entsprechende Anlageklasse übergewichten und dadurch - zumindest theoretisch - eine deutliche Mehrrendite erzielen. Dieses Verfahren versuchen bekanntermaßen auch viele Fondsmanager anzuwenden.

Die Erfahrung hat jedoch gezeigt, dass die Prognosefähigkeit des Asset Managers oftmals nicht in ausreichendem Maße vorhanden ist. Nur einer deutlichen (und zudem wechselnden) Minderheit gelingt es, gegenüber einem Vergleichsindex (Benchmark) über mehrere Jahre hinweg, dieses Vorhaben erfolgreich umzusetzen. Diesen Umstand haben wir uns bereits im Artikel "Aktive oder passive Geldanlage" vor Augen geführt.

Fazit
Grundsätzlich würde ich die strategische Asset Allocation bevorzugen. Hier stellt man - gleich wie heftig die Kapitalmärkte reagieren - die ursprünglich gewünschte prozentuale Verteilung der Anlageklassen wieder her. Das Vorgehen nach prozentualen Veränderungen aktiv zu werden, bevorzuge ich leicht gegenüber der zeitlichen Überprüfung. Bei regelmäßigen frischen Einkünften sollten bevorzugt neue Vermögensanteile gekauft werden.
Die taktische Asset Allocation sollte meiner Meinung nach nur als nachrangige Instanz verwendet werden. Weiter oben wurde bereits als Beispiel genannt, wenn auf einmal die Bewertungen von Aktien in der Breite ansteigen, aber wegen einer Seitwärtsbewegung der Aktienmärkte die strategische Asset Allocation keine Handlungssignale gibt.

Investieren Sie in verschiedene Anlageklassen? Betreiben Sie regelmäßiges Rebalancing?

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Eine Frage, wie würdest du gewisse "Untergrenzen" definieren, ab wann eine Transaktion nicht mehr "sinnvoll" ist ? Ein Anfänger/Kleinanleger, dessen Depot erst aus ein paar tausend Euro besteht sollte sich ja günstigerweise nicht in zuviel kleinklein verzetteln und "nur" wegen hundert Euro hin und her schieben. Genauso Leute, die ihre Allokation unnötig überverkomplizieren (denn wie wir alle wissen, je mehr je besser ist) weil sie ja unbedingt genau 17,85243 Prozent vietnamesische semiconductor small caps oder was auch immer brauchen.

    Die Frage nach strategisch oder taktisch erklärt sich eigentlich von selbst, wenn es mir um Ausschüttungen geht sollte ich ja im Prinzip die ganze Zeit irgendwie investiert sein. Klar ist es natürlich kein schöner Anblick, eine Position mal dick im Minus zu sehen, aber solang die Erträge in Höhe ausgezahlt werden wird ja nicht verkauft, also kein Verlust realisiert. Und klar denkt man immer, wenn man sich bestimmte Charts ansieht, hachja wärste da eingestiegen und hättste dort verkauft, aber das lässt sich so immer leicht sagen. Die Tatsache, das selbst hochstudierte und bestbezahlte Fondsmanager nicht besser hinkriegen als der Zufall, sollte einem dabei zu denken geben.

    Naja, keine Ahnung ob es "taktisch" ist, aber ich hatte gerade auch mal etwas Gold aufgestockt da unter 1T€/oz. Der nächste Aktiencrash kann also von mir aus jetzt gern kommen ^^

    LG chris

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    1. Hallo Chris , Hallo Lars , Also Chris , alles richtig bei Dir .
      Die eigentlich Klassiche Asset Allokation 30/30/30/10 ist m.M.n die einzig richtige . D.h. 30 Prozent Aktien , 30 Prozent Versicherungen , 30 Prozent Immos , 10 Prozent Liquide Anlage ( z.B. auch Gold und Silber ) . Bei der Betrachtung , sollte jedoch z.B. bei den Versicherungen auch die tatsächlich bestehenden Versicherungen berücksichtigt werden . So z.B. eine Altersversicherung der Gesetzlichen Versicherung , incl. der Arbeitgeberanteile . In den meisten Fällen , ist dieses dann bereits schon außreichend abgesichert , und weitere Versicherungen ( Außer Risikoabsicherung ) werden ( außer Steuerlich begünstigt ) erstmal nicht benötigt . Bei Immos , gehört auch eigen oder fremdgenutzte oder REITs mit dazu . Bei Aktienanlage geht es nicht um die Aktienanlage , sondern um die Anlage in Unternehmen , d.h. , wenn Du selber ein Unternehmen hast , kann der Anteil an Aktien ein geringerer sein , u.s.w. . Bei 10 Prozent Liquidität , ist auch zu prüfen , ob es denn wirklich Liquide ist , also sehr schnell verfügbar , und wie schnell ist schnell .
      Das wären zumindest bei mir die Überlegungen wie ich meine ( und ggf. den sich mir umschliessenden Personenkreis ) Asset Allokation betrachten würde .
      Dieses , wird auch übrigens so von den von Dir bestbezahlten Fondmangern , genauso in Mischfonds abgebildet ( oder zumindest versucht ) . Das deine Anlage zum Vermögensaufbau eine schwankende sein kann und auch ggf. sein muss , ist schon richtig , und wenn Du immer so weiter Investierst ( Wichtig dabei ist auch immer deine finanzielle Bildung weiter auszbauen ) , kann dein Vorgehen durch das Smoothing / Glättung über den langen Zeitverlauf , ein sehr gutes erfolgreiches Anlegen sein . Dir Chris, wünsche ich jedenfalls alles gute dabei . Du kannst ja auch noch mal unter Longrundata.com , deine Unternehmensbeteiligungen ( leider bei ETFs nicht ganz so einfach , da Du da die Einzeltitel in der Gewichtung schon kennen müsstest )
      in der Vergangenheit bei Wiederanlage der Bar-Ausschüttungen überprüfen . Aber Du wirst das schon machen .

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  2. Meiner Meinung nach macht es erst ab 75.000, besser 100.000 Euro Depotvolumen Sinn Umschichtungen vorzunehmen. Bis dahin investiert man seine Ersparnisse einfach in Wertpapiere oder Anlageklasse, die vergleichsweise günstig erscheinen.

    Grundsätzlich braucht man es nicht zu kompliziert machen, das schrieb ich auch im ersten Absatz. Aber wenn man merkt, dass sich deutliche Verschiebungen ergeben haben, sollte man ruhig aktiv werden und die Schieflage wieder "geraderücken".

    Gold ist gerade in der Tat verlockend zu kaufen. Die Entwicklung des Goldpreises deutet aber nicht gerade auf größere Inflationsängste selbst in den USA hin. Wer weiß, ob der Leitzinsanstieg nächste Jahr überhaupt kommt oder falls ja, ob er wirklich über einen symbolischen Akt hinauskommt.

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    1. sehr geehrte leser,herr lars..was mich schon seit längeren bewegt da ich regelmässig diese blogs lese und vorallem grossteils das aristokratendepot in real gekauft habe ich mich oft frage wäre es für leser sinnvoll und da bin ich sicher nicht der einzige der sich diese werte in echt ins depot legt.ob es sinn machen würde anhand von leserumfragen das depot sozusagen "warten"das eventuell die mehrheit abstimmt weitere stück einer bereits bestehenden position nach zu kaufen.beispiel BASF,Glaxo,usw.so wie abgestimmt wird welcher neue wert ins depot rein kommt..das man zb eine regelmässige abstimmung macht stücke zukaufen.würde das sinn machen?mfg gerhard

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    2. Das ist eine sehr gute Idee! Wir müssten nur schauen wie wir dass am besten umsetzen.
      Für alle, wir sprechen vom Dividenden-Aristokraten Depot.

      Derzeit ist der Plan in den kommenden fünf Wahlen noch fünf neue Aristokraten mit ins Depot zu kaufen. Was anschließend passiert, darüber muss ich mir noch Gedanken machen. Aber die Idee finde ich gut zu fragen, ob und welchen Titel man nachkauft.

      Solange das Depot vorläufig noch nicht mit 25 Titeln bestückt ist, würde ich die Wahlen nicht so gerne mischen. Denn aktuell ist die Liste schon recht lang und etwas unübersichtlich. Wenn zusätzlich noch die 20 im Depot befindlichen Aktien hinzukommen, finde ich die Liste eindeutig zu lang und nicht so interessant.

      Wie gesagt, ich nehme die Idee auf und lasse sie mir für die Zeit ab Frühjahr 2015 durch den Kopf gehen.

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