Donnerstag, 8. November 2012

Verlässt der EuroStoxx50 das Tal der Tränen?

Ich finde es immer spannend, wenn Indizes richtig niedergeprügelt wurden, aber trotzdem gewisse Grenzen nicht nachhaltig unterschreiten. Diese Beobachtung trifft gerade auf den Leitindex der Eurozone, nämlich den EuroStoxx50 zu. Die wirtschaftlichen Probleme der Eurozone sind den meisten hinlänglich bekannt, aber wenn die zunächst dramatisch erscheinenden Sorgen nicht mehr schlimmer werden, dann reagiert der Markt irgendwann auf diese Situation.

Schauen wir uns den Chart des EuroStoxx50 auf zwei verschiedenen Zeitebenen an. Zunächst der längerfristige Monats-Chart. Dort ist schön zu erkennen, dass sich der Aktien-Index der Eurozone seit dem Jahreswechsel 2007/2008 in einem Abwärtstrend befindet. Allerdings verläuft knapp unterhalb von 2000 Punkten eine Begrenzung, die zwar zweimal erreicht, aber nicht nachhaltig unterschritten wurde.
Monats-Chart des EuroStoxx50 - Quelle: www.comdirect.de
Nun wird es aber interessant, denn der Index befindet sich im Bereich der obereren Begrenzung der aktuell noch gültigen Abwärtsbewegung. Sollte der EuroStoxx50 nun nicht mehr weiter nach oben vorankommen und sich im Gegenteil von dieser Begrenzung wieder abwärts bewegen, dann ist der langfristige Bärenmarkt intakt. Anders ist dies der Fall, wenn diese Begrenzung nachhaltig nach oben verlassen werden würde. Damit würde ein seit fünf Jahren andauernder Bärenmarkt in der Eurozone beendet werden.

Betrachten wir uns nun noch den Aktien-Index in der Zeitebene des Wochen-Charts. Eine wichtige Information ist die Lage des Indizes zum gleitenden Durchschnitt der 100 Wochen-Linie (rot). Ein bestätigtes Über- oder Unterschreiten ist mit deutlich erhöhter Wahrscheinlichkeit mit einem Trendwechsel gleichzusetzen. Zuletzt war dies im Sommer 2011 der Fall.

Wochen-Chart des EuroStoxx50 - Quelle: www.comdirect.de
Aktuell "kämpft" der EuroStoxx50 mit der 100 Wochen-Linie und schlängelt sich seit einigen Wochen an dieser entlang. Auch hier kommt es jetzt darauf an diese nachhaltig zu überwinden.

Fazit
Der EuroStoxx50 steht an einer wichtigen Entscheidungsmarke. Immerhin entwickelte sich der Aktien-Index der Eurozone seit einigen Wochen besser als die US-Indizes. Bei weiter insgesamt freundlichem Börsenumfeld ist mit dem Bruch markanter Abwärtstrends zu rechnen.

Zum Schluss noch ein paar Worte zur Charttechnik. Ich bekomme immer wieder, wenn ich sie an irgendeiner Stelle anbringe, das Feedback, dass so etwas unbrauchbar sei. Nur soviel dazu, es gibt in der Tat nicht wenige Marktteilnehmer, die derartige interessante Marken im Blick haben und sich ggf. entsprechend positionieren oder gar im Vorfeld (gehebelt) auf eine Richtung spekulieren. Daher würde ich die Charttechnik nicht voreilig überhaupt nicht beachten. Generell gilt, ein zu rigoroses Ausschließen von Instrumenten der Marktteilnahme beim Investieren ist meiner Meinung nach langfristig nicht zielführend. Man kann durchaus die fundamentale Betrachtungsweise von Unternehmen bzw. ganzer Märkte mit der Markt- und Charttechnik kombinieren.

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