Dienstag, 16. Juli 2013

Emerging Markets - Quo vadis?

Wer schon länger Leser dieses Blogs ist, weiß dass ich gerne dorthin schaue, was bei anderen nicht unbedingt im Mittelpunkt des Interesses steht. Wenn zu viele Nachrichten und Meinungen ein ähnliches Meinungsbild ausdrücken, bin ich dagegen skeptisch. Prominentes Beispiel hier auf diesem Blog war Gold.
Derzeit fallen mir die vielen optimistischen Ausblicke für den US-amerikanischen Aktienmarkt auf, während Aktien aus den Schwellenländern kaum jemand auf der Rechnung hat.

So stolperte ich am 09. Juli 2013 über eine Meldung von dpa-AFX auf. Dort hieß es:

"Börse Frankfurt-News: Bloß keine Schwellenländer (ETFs)"

"Unter dem Strich wurden Aktien-Tracker gekauft - allerdings längst nicht alle. Ein Trend ist deutlich: Von Schwellenländer-ETFs haben die meisten Investoren angesichts der negativen Schlagzeilen aus China oder Brasilien die Nase voll. 'Hier ging nach wie vor alles raus, Käufe gab es so gut wie keine', erklärt Sengfelder und verweist auf den db x-trackers MSCI Emerging Markets (WKN DBX1EM ) und das Pendant von iShares (WKN A0HGZT ). Auch von spezielleren Produkten wie dem Lyxor MSCI Emerging Markets Latin America (WKN LYX0B0 ) hätten sich Investoren verabschiedet."

Weiter hieß es:
"Sengfelder zufolge waren US-Tracker wie der iShares S&P 500 (WKN 264388 ) oder auch der SPDR S&P US Dividend Aristocrats (WKN A1JKS0 ) sehr gefragt."

Also, USA bei Anlegern gefragt, Emerging Markets dagegen nicht. Schauen wir uns einfach einmal die Entwicklung der Aktienindizes des MSCI Emerging Markets (schwarz), des Aktienindex der Eurozone Euro Stoxx 50 (grün) und des breiten US-Index S&P 500 (blau) an.

Die Aktien-Indizes S&P 500 (blau), Euro Stoxx 50 (grün) und der
MSCI Emerging Markets (schwarz) von Juli 2012 bis Juli 2013
Quelle: comdirect.de
Während europäische und US-amerikanische Aktien binnen einen Jahres um 20 bis 25% teurer geworden sind, ist der Leitindex der Schwellenländer-Aktien 5% preisgünstiger geworden. Wie wir jedoch oben gesehen haben, kaufen mit Kenntnis dieser Entwicklung die Anleger lieber die im Vergleich vor einem Jahr teureren Aktien und nicht die sich sogar verbilligt haben.
Erstaunlicherweise findet man dieses Verhalten bei den Autofahrern an der Tankstelle oder bei der Auswahl des Stromanbieters nicht. :-)

Sicherlich werden die aktuellen Vorgänge in der Türkei und Ägypten nicht gerade dazu beitragen, dass Investoren besonders viel Vertrauen für größere Investments in diese Länder haben. Politische und damit auch wirtschaftliche Unsicherheiten mögen Geldanleger natürlich nicht. Auch aus China und Brasilien hörte man zuletzt gemischte Nachrichten.
Im Gegensatz zu den USA und Europa hatten einige Länder auch mit Inflation zu kämpfen. Die daraus resultierenden höheren Leitzinsen der zuständigen Notenbanken zur Inflationsbekämpfung dämpfen ab einem bestimmten Niveau auch den Aktienmarkt.

Markttiming funktioniert nur in seltenen Fällen, daher bevorzuge ich generell ein Investieren in Tranchen, also nicht alles auf einmal. Und grundsätzlich bin ich für den Aktienmarkt vor allem aufgrund der weiter niedrigen Leitzinsen positiv eingestellt. Jedoch scheinen mir derzeit Aktien aus den Schwellenländern günstiger zu sein als zum Beispiel aus den USA. Möglicherweise erweisen sich derzeitige Investments in einen Aktien-Index der Emerging Markets in wenigen Jahren rückwirkend als gute Kaufgelegenheit.


Wie sieht es bei Ihnen derzeit aus? Was sind Ihre hauptsächlichen Investitionsschwerpunkte? Oder halten Sie derzeit Ihr Pulver trocken, um später Wertpapiere kaufen zu können?

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. eins hab ich am Aktienmarkt gelernt, nie ins fallende Messer zu greife.

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  2. @Jan

    Und wann weiß man, wann das fallende Messer aufhört? :)
    Das erkennt man ja erst Monate/Jahre später, ob da dann ein Boden war oder nicht.

    LG
    Thomas

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  3. ja das kann jeder für sich selbst entscheiden. Ich entscheide so:

    Wenn der Chart sich in einem Abwärtskanal befindet würde ich mich nicht für das Produkt entscheiden. Verlässt der Chart sein Abwärtskanal würde ich in Tranchen kaufen...

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  4. gut meine Erfahrungen waren immer mit Einzelaktien, da ich jetzt mein Depot auf Dividende-ETFs umschichten, werde ich neue Erfahrungen sammeln müssen. Trotzdem schadet es nicht eigene Erfahrungen mit einfliesen zu lassen.

    http://finanziell-umdenken.blogspot.de/2012/05/wie-sollte-man-sich-bei-starken.html

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  5. Ich habe 5 ETF´s im Depot.
    Ich kaufe immer den ETF nach, der den geringsten Kurswert hat.

    Das ist seit mehreren Monaten der MSCI Emerging Markets ETF, bei dem die momentane Kursentwicklung wirklich keine Freude ist.

    "Börse Frankfurt-News: Bloß keine Schwellenländer"
    Genau sowas ist für mich ein Kaufsignal, immer schön antizyklisch handeln ;)

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    1. Hallo Investor,

      das klingt simpel und nach konsequentem Rebalancing also die einmal gewählte % Depotaufteilung beibehalten.
      Wenn der MSCI EM vorhanden ist (kein Dividenden ETF aber vermutlich ausschüttend?) gehe ich mal von einer Depotaufteilung nach BIP aus.
      Die Auswahl der ETFs würde mich schon mal interessieren.
      Besonders auch die "Festverzinslichen" bin mir da im Moment sehr unschlüssig was man sich ins Depot holen sollte (Lange Restlaufzeiten = hohes Zinsänderungsrisiko = Kursverfall bei irgendwann steigenden Zinsen)
      Viele sonnige Grüße
      Svenglückspilz

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    2. Hi Svenglückspilz,

      bei der Geldanlage sowie bei allen anderen Dinge im Leben gehe ich nach der KISS Formel vor.(Keep it stupid simple!)

      Von daher habe ich keine streng wisenschaftliche Depotaufteilung, sondern einen sehr einfachen und effizienten Depotaufbau.

      iShares STOXX Global Select Dividend 100
      iShares MSCI World
      iShares MSCI Emerging Markets
      iShares Developed Markets Property Yield
      iShares J.P. Morgan $ Emerging Markets Bond

      Jeweils zu 20%, jeden monat schütten 2-3 ETF´s aus die wieder reinvestiert werden.

      Gerade beim Emerging Markets Bond ETF muss man mit Wertverlusten bei steigenden Zinsen rechnen, aber auch gerade in solchen momenten kann man sehr gut günstige Anteile dazu kaufen.

      Meine Anlagestrategie ist auf mehr als 50 Jahre ausgelegt (fast 2 Jahre bin ich schon dabei )

      Ich hoffe ich konnte dir in irgend einer Art und Weise behilflich sein ;)

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  6. Wenn Einzel-Aktien gegen den allgemeinen Trend deutlich an Wert verlieren, dann sollte man in der Tat genauer hinschauen, ob das Unternehmen nicht irgendwelche Probleme hat. Darüber hatte ich im Artikel "Stop-Loss für Dividenden-Aktien?" berichtet.

    Bei breiten Dividenden-ETFs sehe ich die Sache gelassener. Immerhin geht es hier um globale Emerging Markets-ETFs. Das Problem hier ist natürlich, dass nicht bekannt ist, wann der Abwärtstrend wieder beendet ist. Daher ist das Hinzukaufen grundsätzlich richtig - mache ich selbst so :-) - aber man gerät irgendwann in Konflikten mit folgenden Aussagen: Immer ein ausreichendes Cash-Polster zu haben und auf die Diversifikation zu achten.

    Bei zu langer Andauer der Underperformance hat man irgendwann kein Geld mehr oder/und hat einen zu großen Prozentanteil der häufig nachgekauften Anlageklasse im Depot.
    Dafür gibt es kein Patentrezept, sondern jeder muss den richtigen Weg für sich finden, mit dem er die drei Punkte unter einen Hut bekommt. Vielleicht werde ich dazu in Zukunft noch einmal einen separaten Artikel verfassen.

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  7. mit einer Auschüttung von ca. 2 % relativ gering... wie passt es zu deinem High Yield/Div. Depot?

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    1. Welches Investment meinst Du? Beide Emerging Markets Aktien-ETFs im High Yield/Dividend Depot werden voraussichtlich in diesem Jahr auf etwa 5% Dividendenrendite oder mehr kommen.

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    2. war mein Fehler ich habe die Wkn von deinem zitat genommen A0HGZT. sorry

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  8. Guter Artikel.
    Das M&A-Geschäft mit den Emerging Markets ist noch in der Erholungsphase vom schweren Einbruch 2011. Doch die M&A-Deals mit Unternehmen in China und Russland boomen. Und die deutschen Unternehmen schauen sich das Treiben immer noch von der Seitenlinie aus an. [Quelle: http://www.finance-magazin.de/strategie-effizienz/ma/ma-deals-in-emerging-markets-deutsche-schauen-zu/ ]
    Doch das M&A-Geschäft mit den Schwellenländern wächst nur deshalb, weil die M&A-Deals größer werden.
    Gruß,
    W.

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