Montag, 15. Juli 2013

Buchrezension: Kümmer dich um dein Geld - sonst tun es andere

Nur 15 Minuten pro Woche und eine Internetverbindung sind alles, was man für einen lukrativen Umgang mit dem eigenen Geld braucht. Davon sind die Autoren Matthias Kröner und Stephan Czajkowski überzeugt und erklären in ihrem Buch "Kümmer dich um dein Geld, sonst tun es andere" die "Dos" und Don'ts" des selbständigen Umgangs mit Geld.
Das Buch ist erst vor wenigen Tagen am 10. Juli 2013 erschienen und bereits der Ausspruch "Kümmer dich um dein Geld" könnte auch ein Zitat dieses Blogs "finanziell umdenken!" sein. Daher war ich sehr gespannt diese Neuerscheinung vom Finanzbuchverlag zu lesen und möchte Ihnen meine Meinung zu diesem Werk natürlich nicht vorenthalten.

Modern gestaltetes Buch
Zunächst einmal fällt auf, es handelt sich in mehrfacher Hinsicht um ein modernes Buch. Abgesehen davon, dass es auch als eBook erhältlich ist, ist am Ende eines jeden Kapitels eine Zusammenfassung der wichtigsten Intention als Videoclip verfügbar. Dieses schaut man sich an, indem man die entsprechende URL in den Browser eingibt oder sehr komfortabel den QR-Code mit dem SmartPhone oder Tablet-PC scannt.
Überhaupt erfolgt an mehreren Stellen die Aufforderung sich weitergehende Information aus dem vielfältigen Angebot der Internet-Community zu besorgen. Aber, es ist nicht der Fall, mit diesem Buch lediglich kleine Info-Häppchen serviert zu bekommen und die eigentliche Quinteszens möge man sich bitte selbst beschaffen.
Nein, es gibt durchaus sehr viele konkrete Vorschläge, wie man sich um sein Geld selbständig kümmern kann. Aber eine der Hauptintention des Buches ist die eigenverantwortliche Meinungsbildung über den Umgang mit Geld durch die Nutzung des Internets.

Besonders in den ersten Kapiteln und noch einmal auf den Seiten 210/211 gibt es ausreichend Motivation, warum man sich überhaupt um sein eigenes Geld selbständig kümmern sollte und es nicht unbeaufsichtigt der Bank überlässt.
An einigen Stellen sprachen mir die Autoren aus dem Herzen und es hätten Zitate von mir sein können.

Kümmer dich um dein Geld - 
sonst tun es andere
Über Geld spricht man doch!
"Über Geld spricht man nicht", dieser Ausspruch gilt in Deutschland noch ziemlich verbreitet als ungeschriebenes Gesetz. Im Gegenteil, so die Autoren, sollte man sehr wohl über Geld sprechen. Und zwar direkt mit dem eigenen Bankberater, er muss ein paar Fragen vorab adäquat beantworten, bevor man mit ihm überhaupt zusammenarbeitet. Falls er dies nicht kann oder möchte, ist es heutzutage kein Problem gleich die Bank komplett zu wechseln.
Grundsätzlich ist überhaupt die Frage, welche Art von Beratung für Privatleute überhaupt zeitgemäß ist? Einen Großteil der Geldbewegungen lassen sich - einen Internetzugang vorausgesetzt - in der heutigen Zeit kinderleicht selbst erledigen, selbst wenn dabei natürlich auch ein Mindestmaß an Sicherheit bedacht werden muss. Für all diese Themen bieten die Autoren in ihrem Buch "Kümmer dich um dein Geld - sonst tun es andere" Hinweise und Checklisten.


Systematisch Informationen aus dem Netz nutzen
Das Sammeln von Informationen aus dem Netz wird auch gleich im Buch angewandt. Es wurden im Vorfeld zusätzliche Quellen recherchiert und - teilweise bekannte - Leute interviewt, die entweder im Finanzgeschäft tätig sind, tätig waren oder sich aus Interesse mit Geld beschäftigen. Um Fragen vielfältig beantworten zu können, wurden die Angaben der Interviewteilnehmer thematisch aufgelistet. Die Autoren heben hervor, dass man Meinungen für seine persönlichen Finanzbedürfnisse durchaus aus Foren oder Blogs einholen solle. Denn hier lassen sich die Erfahrungen von Anwendern nachlesen, die nicht selten konträr zu den Flyern der Finanzinstitute sind. Nicht nur dort, sondern auch die Social-Media-Kanäle lassen sich für eigene offene Fragen nutzen.

Am Beispiel der Eurokrise, wie man aus einer Vielzahl an Äußerungen konkrete Maßnahmen autark für sich selbst ergreift, wird exemplarisch vorgeführt.


Bank kann auch anders gehen
Die Autoren stellen die These auf, dass Privatkunden in einigen Jahren immer weniger die bestehenden Finanz-Angebote der Banken nutzen, weil die Entwicklungen rund ums Web 2.0 und Social Media bereits etliche Alternativen bieten. Wer als Bank seine Kundschaft halten oder ausbauen möchte, muss sich an deren Bedürfnisse orientieren und durchaus völlig neue Wege gehen.
So können sich bereits heute Privatleute bei Online-Kreditplattformen Geld leihen oder für eine recht ordentliche Rendite anlegen und damit Banken außen vor lassen. Bei Wikifolio kann man sogar ohne nennenswerte Hürden selbst als Portfoliomanager agieren und andere Leute können mit echtem Geld daran teilnehmen (hier mein Erfahrungsbericht mit Wikifolio).


Beispiel eines Wertpapierdepots
Zum Schluss wird noch ein Beispiel angegeben, wie man sich ein Depot mit ETFs selbst zusammenstellt. Angenehm fielen mir hier die einfachen Anlageinstrumente und Anlageklassen auf. Anleihen, Aktien global, Aktien Emerging Markets, Aktien Europa, was es. Zuerst rümpfte ich bei Anleihen die Nase, aber mitten im Kapitel folgt der Hinweis, dass Staatsanleihen derzeit äußerst dürftig verzinst werden. Für mich war an dieser Stelle auch klar, es handelt sich um keine strikte Empfehlung, sondern um ein Beispiel wie man zum Beginn seiner Anlegerkarriere ein Depot aufstellen könnte.


Kleine Kritik
Jetzt komme ich nach so viel Lob zu zwei kritischen Anmerkungen.
Wenn Neuland erkundet wird und Umwälzungen in einer gesamten Branche in der Luft liegen, dann sind Visionen und Zukunftsszenarien weit über den gewohnten Tellerrand hinaus notwendig und hilfreich. Allerdings steckt das Social Investment sicherlich noch in den Kinderschuhen und ist noch nicht ausgereift. (Über meine Erfahrungen mit dem im Buch erwähnten Anbieter eToro hatte ich in einem früheren Newsletter kurz berichtet). Bei aller Begeisterung für die neuen Möglichkeiten, hat mir an dieser Stelle ein Hinweis mehr gefehlt, diese Neuerungen erst dann anzuwenden, wenn man sie richtig verstanden hat. Gerade weil das Ziel-Publikum finanziell eher noch unbedarft ist.
Als zweites fehlte mir bei dem Beispiel des eigenen Wertpapier-Depots zumindest der Hinweis auf die Notwendigkeit von passiven Einkommensströmen.

Fazit
Schon die Länge der Buchbesprechung zeigt, ich habe zu dieser Neuerscheinung viel zu erzählen und zwar einfach deshalb, weil sie mir gut gefallen hat. Die Autoren versuchen diejenigen zu erreichen, die ihr Einkommen regelmäßig komplett ausgeben und diejenigen, die sich gänzlich auf ihren Bankberater verlassen. Im Vergleich zu anderen Büchern, die düstere Zukunftsszenarien aufzeigen, aber kaum eigene konstruktive Verhaltenstipps haben, fallen hier die zahlreichen Tipps und Checklisten auf.

Die Frage für welche Altersgruppe dieses Buch ist, ging mir mehrfach durch den Kopf. Einerseits sind es Menschen, die sich bislang noch auf die Bank verlassen haben, andererseits sich aber mit der variablen Nutzung des Internets inklusive Social Media einigermaßen auskennen. Das sind für mich vor allem Leute im jungen und mittleren Alter.

Aber selbst für Leute, die sich schon eine Weile mit ihrem Geld selbständig beschäftigen, könnte das Buch Neuigkeiten bringen. Denn die Szenarien in Kapitel 9 wie Banking in der Zukunft aussehen könnte, fand ich durchaus interessant.

Vielleicht bin ich mit den zwei oben genannten Kritikpunkten etwas zu streng zu dem sonst meiner Meinung nach sehr empfehlenswerten Buch "Kümmer dich um dein Geld, sonst tun es andere". Selbst für Fortgeschrittene eine teilweise interessante Lektüre, erst recht aber für alle Menschen, die bislang alles ihre Bank machen ließen oder sich um Geld überhaupt nicht kümmerten.


Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Der Bezug zur Fidor Bank kommt in den einzelnen Kapiteln des Buches leider etwas zu kurz. Nur zur Erinnerung:

    * Fehlbetrag Fidor Bank 2012: -2,11 Mio.€

    * Fehlbetrag Fidor Gruppe 2012: -4,86 Mio.€

    * Kurs Fidor Aktie 2007: über 16€

    * Kurs Fidor Aktie seit 2011: unter 5€

    Könnte vor diesem Hintergrund der Titel des Buches "Kümmer Dich um Dein Geld, sonst tun es andere" nicht beinahe schon als Appell an Aktionäre und Kunden der Fidor Bank missverstanden werden?

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  2. Hallo Lars!
    Vielen Dank für diese interessante und sachliche Rezension! Es freut uns, dass Dir das Buch grundsätzlich gefallen hat.
    Wir haben auf unserer Facebook-Seite einen Link hierher gesetzt.

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  3. Erst einmal vielen Dank an Lars Hattwig für die Buchkritik. Diese hat uns - wen wird´s wundern - sehr gefreut. Besonders freut uns, dass wir es scheinbar wohl doch geschafft haben, die Intention zu transportieren, also der Aufruf zur Mündigkeit der Bankkunden.

    Genau da möchte ich nun auf den Beitrag von "anonym" (spricht ja auch für sich...) eingehen: Der Bezug zur Fidor Bank ist durch mich, den Autor, ja mehr als gegeben. Gleichzeitig war es dem Verlag wichtig, dass dieses Buch nicht zu einer "Werbe-Veranstaltung" für die Fidor Bank wird. Genau deswegen haben wir sehr viele andere Konzepte aufgegriffen und nur dann auf die Fidor Bank referenziert, wenn es kein anderes Marktbeispiel gab.

    Natürlich entgeht mir auch nicht die Intention, die hinter der Darstellung von Kurs und Geschäftszahlen steht. Hierzu sei das Folgende angemerkt:

    1. Die Kunden der Bank leben sehr gut. Wären wir in unseren Konditionen vielleicht etwas geiziger, unser Ergebnis würde VIELLEICHT besser aussehen. Insofern ist der Hinweis etwas arg kurz gesprungen.

    2. Wir haben nie einen IPO gemacht. Die Gesellschaft wurde gelistet, ohne jedoch ein öffentliches Angebot zu machen. Insofern haben ComDirekt Aktionäre, Telekom-Aktionäre und T-Online Aktionäre durch überbordende Werbung und falsche Versprechungen ihr Geld verloren, Fidor Aktionäre sicher nicht.

    Darüber hinaus ist die Fidor Aktie ein recht enger wert. Hier können schon mal ein paar Stücke am Tag den Kurs massiv verändern - ohne dass sich deswegen substantiell im Unternehmen getan hätte. So auch damals nach dem Listing, als eine handvoll von Aktionären nichts anderes zu tun hatte, als die gewonnene Freiheit dahingehend zu nutzen, umgehend ein paar tausend Stück Aktien auf den Markt zu werfen. Ergebnis: Der Kurs ging - typisch für einen engen Wert - in die Knie und hat sich davon mehr erholt. Was das aber nun mit dem Buch zu tun hat, ist das Geheimnis des Kommentators... ;-))

    3. Die Fidor Bank ist eine neue und konzern-unabhängige Bank. Für die wirklich einzigartige Technologie, für die wir alleine in diesem Jahr schon zwei internationale Innovations-Auszeichnungen (eine in USA, eine in London) erhalten haben, muss man investieren. Wie man dabei gleichzeitig die erwartungshaltung haben kann, dass man dabei auch noch von null auf hundert ein positives ergebnis schreibt, ist mir schleierhaft.

    4. für jede bankengründung dauert es bei Erfolg rd 5. Jahre, bis diese profitabel ist. Unser Ziel ist es, dass die Bank dieses Jahr "normalisiert" eine schwarze Null schreibt. Das wäre dann nach Jahr 4 und in unseren Augen ein großer Erfolg. Ich denke, dass ich da auch für die großen Aktionäre, den Vorstand und den Aufsichtsrat spreche.

    5. Die Fidor Bank ist erfolgreich am Kapitalmarkt unterwegs und konnte für dieses Jahr eine sehr gute Kapitalerhöhung vermelden. Wir sind damit wohl so ziemlich eine der wenigen Banken, die in Zeiten wie diesen Geld von Investoren bekommt, weil diese an den Mehrwert und die Zukunftsausrichtung der Bank glauben. Normalerweise bekommen Banken in diesen Tagen nur Kapitalspritzen, wenn sie "aufgefangen" werden.

    Soviel dazu ;-)) Nochmals danke an Lars Hattwig für das Aufgreifen unseres Buches! Beste Grüße mk

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  4. Die Hinweise zur Fidor Bank fielen mir beim Lesen auch auf, aber sie wurde als ein Konzept neben weiteren Beispielen genannt, daher fand ich das noch ok.

    Danke an Matthias Kröner für den ausführlichen, vertiefenden Einblick zum Umfeld der Bank.

    VG
    Lars

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  5. Hallo Herr Kröner,

    herzlichen Glückwunsch, sie sind mit dem Halbjahresabschluss Ihrem Traum von der schwarze Null immerhin um 423 T€ näher gekommen. Die 1,5 Mio.€ Fehlbetrag kriegen Sie bestimmt noch locker weg bis zum Jahresende.

    Wenn man bedenkt, dass sich jeder Vorstand zusätzlich zum Fixgehalt von ca. 94 T€ im ersten Halbjahr noch mal 171 T€ variable Vergütung "gegönnt" hat (auf's Jahr hochgerechnet also 530.000€ Jahresgehalt für jeden der drei Vorstände!) dann ist der Erfolg der Bank ja umso größer!
    Ohne zusätzliche variable Vorstandsvergütung (wofür eigentlich?) wäre der Jahresfehlbetrag im ersten Halbjahr 2013 nur noch bei 1 Mio.€ gelegen.
    Da bin ich mal gespannt, ob der neue Aufsichtsratsvorsitzende Miguel Rueda Hernando gegenüber dem Vorstand genauso sanftmütig sein wird wie Herr Dr. Gerhard Huber.

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