Samstag, 25. Juni 2016

Brexit - was sollte ein Anleger jetzt tun? Gibt es auch Vorteile für Deutschland?

Die Wähler in Großbritannien haben abgestimmt, und zwar mehrheitlich für den Austritt aus der EU. Sicher keine gute Signalwirkung, zumal auch in anderen Ländern Europas ein Trend zu mehr Nationalismus und weg von Gemeinschaftsgedanken erkennbar ist. Der Markt hatte vor einigen Wochen zuerst einen Austritt eingepreist, in den letzten Tagen jedoch aufgrund der Umfrageergebnisse wieder angefangen den "Brexit" auszupreisen. Das mehrheitlich überraschende Abstimmungsergebnis sorgte am Freitag dann weltweit für einen Kursrutsch an den Börsen. So standen am Freitag vor allem die Nachteile des Ausscheidens Großbritanniens im Vordergrund. Aber gibt es eigentlich auch Vorteile, die durch einen Brexit entstehen und was sollte ein Anleger jetzt tun?

Kursverluste von acht Prozent an einem Tag sind in großen Indizes schon recht selten und erinnerten mich an die Tage während der Finanzkrise. Damals waren Kursverluste von fünf bis acht Prozent an einem Tag selbst bei großen Indizes häufiger zu beobachten. Am Freitag trat solch eine Größenordnung zum Beispiel beim japanischen Nikkei und beim Deutschen Aktien-Index DAX auf. Wie wir im folgenden Chart sehen, wurde mit diesem drastischen Schritt lediglich der kräftige Kursanstieg der letzten Woche wieder egalisiert.

Deutscher Aktien-Index DAX vom 14.06. bis 24.06.2016 - Quelle: Comdirect.de


Über die Nachteile des Austritts wurde in den Medien hinreichend berichtet. Neben der Möglichkeit von Zöllen für Wirtschaftsgüter und der höheren Bürokratie für Arbeitnehmer, die aus der EU auf der Insel arbeiten möchten, ist es vor allem die Unsicherheit über mögliche weitere Austritte anderer EU-Länder. Die Frage bleibt offen, wie weit die Politik sich darauf verständigt, dass für bürokratische Hürden in der Wirtschaft nicht Sonderlösungen gefunden werden, wie zum Beispiel mit der Schweiz und den USA. Insofern könnte ein Teil der Befürchtungen in der gelebten Praxis übertrieben sein.

Gibt es auch Vorteile für Deutschland?

In der Vergangenheit war Großbritannien bei Abstimmungen in der EU häufig ein "Bremsklotz", die ihre eigenen Interessen höher gewichteten als die Interessen der gesamten Europäischen Union. Großbritannien hat eine sehr eigene Identität und immer wieder Sonderregelungen verlangt. Die Stellung Deutschlands in der EU würde bei einem Brexit gestärkt. Zudem haben die Mitgliedstaaten der EU nun eine gute Chance strukturelle Verbesserungen herbeizuführen, ohne dass Britannien einen Sonderweg erhalten muss. Die Umsetzung liegt nun in der Hand der Politiker.

London gilt als die führende Finanzmetropole Europas. Bei einem Grexit werden wohl etliche Banker wieder zurück auf den Kontinent kommen. Hier wird immer wieder gesagt, dass Frankfurt am Main von dieser Entwicklung profitieren und sich mittelfristig als die führende Finanzmetropole in Europa entwickeln könnte. Immerhin hat die Europäische Zentralbank EZB ihren Hauptsitz bereits in Frankfurt. Dies bedeutet einerseits mehr Kaufkraft für das Rhein-Main-Gebiet, andererseits für weiter steigende Immobilienpreise, was Investoren freuen wird, Mieter hingegen weniger.

Der Euro wertete am Freitag gegenüber vielen anderen Währungen deutlich ab. Außer gegenüber dem Britischen Pfund, das verlor noch stärker an Wert. Ein schwacher Euro verteuert zwar den Urlaub außerhalb der Eurozone, dafür gibt es einige andere Vorteile, wovon auch Anleger profitieren, die den Aktienmarkt nutzen. Im Artikel "Was bedeutet ein fallender Euro für uns?" hatten wir über einige Auswirkungen eines niedrigen Euros besprochen.

Großbritannien und die Europäische Union gehen
zukünftig getrennte Wege - Quelle: pixabay.com


Was sollte ein Anleger jetzt tun?

Am Freitag wurde ich an verschiedenen Stellen gefragt, wie ein Anleger jetzt reagieren sollte? Ähnlich wie beim Kursrutsch einer prominenten Aktie, bietet es sich bereits im Vorfeld an, sein Depot ausreichend zu diversifizieren. Damit sind solche überraschenden Kursbewegungen für das gesamte eigene Portfolio weniger dramatisch. Ansonsten gibt es keinen gesteigerten Handlungsbedarf in der jetzigen Situation. Die Börse mag keine Unsicherheiten und davon gibt es jetzt noch einige, weil zur Zeit viele Fragen offen sind. Angefangen davon, ob Großbritannien überhaupt aussteigt - dazu muss das Königreich erst einmal einen offiziellen Antrag stellen - bis hin wie stark die zusätzlichen Kosten in den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Britannien und der EU überhaupt ausfallen werden.

Generell gilt, dass tiefere Kurse eher ein Grund sind zusätzliche Aktien zu kaufen als zu verkaufen. Ich erinnere in solchen Fällen immer gerne daran, dass Autofahrer auch lieber günstigere als teure Kraftstoffpreise bezahlen möchten. Ähnlich ist es auch beim Erwerb von Aktien. Wer derzeit einen regelmäßigen Sparplan laufen hat, sollte ihn auf keinen Fall stoppen. Falls Sie mit Ihrem Wertpapier-Depot noch nicht die Ergebnisse erzielen, die Sie gerne hätten oder Sie jetzt endlich die renditestärkste Anlageklasse auch für Ihre finanzielle Zukunft nutzen möchten, erhalten Sie im Onlinekurs Aktien Akademie eine Anleitung, um Ihr Vermögens-Depot eigenständig erfolgreich aufstellen zu können.

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Kommentare:

  1. Haja, jetzt zeigt sich halt, dass die "alternativlose" immer weitere Vertiefung der EU-Integration doch nicht so eine unumkehrbare Einbahnstraße wie behauptet ist. Und da dachten wir alle sonst, wenn schon überhaupt wird es eher einer der südlichen Krisenländer sein, welches zuerst fliegt, aber dass die eigensinnigen Briten als erste abhauen, kann man auch nachvollziehen. Die Geschichte des Referendums ist ja auch recht putzig, hatte der Regierungschef Cameron vor der letzten Wahl in aussicht gestellt, um ein paar Symbolpunkte zu sammeln (aber niemals ernsthaft beabsichtigt wirklich auszutreten, nur etwas Stunk machen um bei der nächsten EU-Verhandlungsrunde wieder mehr Privilegien rauszuschinden). Tja, zu hoch gepokert, bzw den Volkswillen falsch eingeschätzt - das gibt den Eliten auch wieder schöne neue Argumente gegen direkte Demokratie (den dummen Massen kann man ja anscheinend solche wichtigen Entscheidungen nicht überlassen). Da kann man von Deutschland lernen, wo man ja nie zu sowas gefragt wird und alles nur von oben immer schön durchgewunken wird ^^

    Wie sich die Sache langfristig entwickeln wird, ist offen: Das Problem ist, dass wir jetzt etwas ganz "gefährliches" haben - ein Land ist aus der EU ausgetreten, und alle anderen Länder (bzw die Eurokritiker darin, die auch mit Austritten liebäugeln) schauen darauf. Jetzt kommt es darauf an: Wird es UK nach dem Austritt besser gehen, liefert das gute Argumente für weitere Austrittsbewegungen in anderen Ländern und zieht Domino-Effekte des beschleunigten Zerfalls nach sich. Geht es UK schlechter, werden die anderen Länder eben lieber brav drin bleiben. Positives oder abschreckendes Beispiel, eben.
    Da die EU selbst ja kein Interesse an ihrer Auflösung hat, wird sie soweit es geht natürlich UK die Daumenschrauben anziehen, damit es ihnen ja nicht "zu gut" geht und sie ein positives Beispiel werden können. Zukünftige Sonderbehandlungs-Deals und Rosinenpickerei dürften sich somit für die Briten hoffentlich erledigt haben. Wenn die EU jetzt nachgeben würde und bücklings um die Rückkehr bettelt, gibt das nur Auftrieb für weiteres ausnutzendes Verhalten in anderen Ländern. Dass das in der Übergangszeit alles wirtschaftlich nicht ohne Schaden ablaufen wird (für EU und UK gleichermaßen) ist klar, aber das Kind ist nunmal in den Brunnen gefallen.

    "Die Stellung Deutschlands in der EU würde bei einem Brexit gestärkt."

    Mhm, da wäre ich mir noch nicht so sicher. Klar ist es auf den ersten Blick nett, die störrischen Briten nicht mehr dabei zu haben, muss man auf den zweiten Blick doch feststellen, das UK trotz allem ein Nettozahler-Land war und ideologisch freikapitalistisch statt sozialistisch geprägt. Mit dem Austritt verlieren wir auch einen Partner und es vergrößert das Gewicht von den umverteilungsgläubigen Transferempfänger-Ländern (und die Last, diese weiter zu versorgen, verteilt sich wieder auf weniger Schultern, vor allem mehr deutsche). Und wer zahlt, bestimmt eben in der EU leider nicht immer die Musik, wie wir alle wissen.

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  2. Der Brexit ist definitiv ein Warnsignal. Er zeigt eigentlich indirekt, wie es insgesamt um die EU steht. Schlecht.

    Die Aktienmärkte werden in den nächsten Jahren definitiv nicht an Volatilität verlieren. Nicht jeder hat dann die Kohle um bei jeder Korrektur kräftig nachzukaufen. Steigender Wohnungspreise und vielfach stagnierender Löhne sei Dank. Ich sehe schwarz für Europa.

    Die mehrheitlich muslimischen Flüchtlingsströme werden in den nächsten Jahren massiv zu nehmen und der eher rückständige Islam in Europa für zusätzliche, massive Probleme Sorgen. Da wird das Thema Altersvorsorge und finanzielle Unabhängigkeit in Zukunft noch unser geringstes Problem in Europa sein.

    Ich mache mir als Vater zweier Töchter aus diversen Gründen massive Sorgen.

    Ralf

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  3. Ich verstehe ihre Sorgen und teile diese. Besonders im Hinblick auf das Thema Zuwanderung und Islam. Man soll nicht alle über einen Kamm scheren aber es wird definitiv ein großes Problem werden.

    Vielleicht mal ein Themenvorschlag: Möglichkeiten der Depotabsicherung. Mir wäre wohler wenn ich noch so eine Art Brandmauer hätte um Kursgewinne im Fall eines Crashs nicht vollständig zu verlieren. Schwankungen sind normal, aber vielleicht gibt es Strategien für jedermann um die größeren Einbrüche effizient abzufedern.

    Grüße

    Steve

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