Donnerstag, 13. Dezember 2012

Wie "passiv" ist passives Einkommen wirklich?

Wenn man von "passivem Einkommen" hört, dann suggeriert dies für Nichtstun Geld zu erhalten. Man liegt gemütlich irgendwo am Strand in der Sonne oder macht eine Bootsfahrt und abends schaut man bei einem Glas Wein auf seinem Smart Phone, wie viel Geld "passiv" an diesem Tag verdient wurde. Sofern lediglich von einem derartigen Szenario berichtet wird, dann wird auch klar, warum diese Form des Geld verdienen von vielen Leuten als unseriös eingestuft wird. Denn es ist nur die halbe Wahrheit. Passive Einkommensströme lassen sich tatsächlich erzielen, allerdings fast nie durch pures Nichtstun.

Zinsen und Dividenden aus Investments
Eine relative einfache Möglichkeit passives Einkommen zu erzielen ist das Investieren von Kapital in Wertpapiere. Beispielsweise in einen globalen Aktien-ETF mit Fokus auf eine regelmäßige Dividendenausschüttung. Einmal das Geld investiert, erhält man, ohne dafür arbeiten zu müssen, regelmäßig einen gewissen Geldbetrag auf sein Konto überwiesen. Doch ganz ohne Aufwand lässt sich dies nicht erreichen. Zum einen muss erst einmal das notwendige Kapital beschafft werden. Wer keine Erbschaft und keinen Lottogewinn zu erwarten hat oder auf illegale Weise an eine größere Menge Bargeld gelangt, der muss das Geld zunächst einmal erarbeiten. Je nachdem wie gut der Verdienst aus dem aktiven Arbeitsleben ist und wie erfolgreich die eigene Spardisziplin ist, wird dieses Ziel mehr oder weniger schnell erreicht.
Zum anderen muss man zumindest in regelmäßigen Zeitabständen seine Investments daraufhin überprüfen, ob sie noch zur eigenen Anlage-Philosophie passen und natürlich, ob sie wirklich wie erwartet profitabel sind. Sie sind damit quasi ein Unternehmer Ihres Wertpapier-Depots. Der Weg dorthin, um überhaupt investieren zu können, ist im Standardfall nicht passiv und erst wenn dieser Schritt gemacht wurde, fließt zu etwa 95 bis 98% ein passives Einkommen. Sofern das investierte Geld langfristig nicht für andere Zwecke gebraucht wird, sind bei einem globalen Aktien-ETF die 100% - im Sinne von Geld verdienen durch Nichtstun - nicht weit. Aber beispielsweise bei Einzel-Aktien muss man schon einen Blick darauf haben, ob es dem Unternehmen noch so gut geht wie beim Einstieg in das Investment und zur Not selbst bei Dividenden-Aktien auch die Reißleine ziehen.

Alternative weitere Möglichkeiten - ohne Anspruch auf Vollständigkeit - sind:

Miete aus Immobilienbesitz
Sie werden Hausbesitzer und vermieten die Wohnung(en)/das Haus. Die monatliche Miete Ihrer Immobilie ist Ihr passives Einkommen. Auch hier müssen Sie erst einmal eine Immobilie erwerben. Dafür ist ausreichend Kapital notwendig und richtig passiv ist diese Einnahmequelle auch nicht. Denn Sie sind dafür verantwortlich, das Haus in Ordnung zu halten, Reparaturarbeiten durchzuführen und auf die Belange der Mieter einzugehen. Das alles erledigt sich nicht von selbst.

Buchautor
Sie werden Buchautor oder Musiker. Für Ihre Bücher oder Musik erhalten Sie viele Jahre lang Tantiemen. Allerdings verbringen Sie als Autor mitunter über viele Wochen und bis weit in die Nacht hinein an Ihrem Werk. Bevor das Buch nicht verlegt wurde, bringt es auch keine Tantiemen. Nach ein paar Jahre ebbt der Verkauf zudem ab oder der Inhalt ist möglicherweise veraltet.


Software/App
Sie programmieren eine Software oder eine App und bringen diese an den Markt: Hierbei müssen Sie eine gute Idee haben, um sich von den anderen Anbietern abzuheben. Zum anderen ist hier die Zeit besonders schnelllebig. Nach ein bis zwei Jahren ist Ihre Entwicklung häufig bereits überholt und es muss eine Upgrade her oder eine neuartige Weiterentwicklung


Musiker
Auch hier verbringen Sie mitunter über viele Wochen und bis weit in die Nacht an den Songs und müssen diese gegen den enormen Konkurrenzdruck anderer Musiker veröffentlichen. Ansonsten gilt eine gewisse Analogie zum Buchautor.

Empfehlungsmarketing
Sie haben eine neuartige Marketingidee und empfehlen diese an andere weiter. Die Provision für zukünftige Gewinne Ihrer Partner ist Ihr passives Einkommen. Wenn die Idee schon einmal vorhanden ist, dann gilt ähnliches wie beim Buchautor. Die Einkünfte lassen in der Regel langsam, aber sich er nach und man muss weiter am Bell bleiben, um die Einkünfte stabil zu halten oder zu erhöhen.

Fazit
Bevor ich jetzt falsch verstanden werde. Ich empfehle jedem - ja, an dieser Stelle spreche ich ausnahmsweise eine echte Empfehlung(!) aus - sich um die Erschließung von passiven Einkommensströmen zu bemühen. Der regelmäßige Cashflow von passivem Einkommen macht Sie langfristig reich und nur auf diese Weise können Sie finanzielle Freiheit erreichen. Wichtig dabei ist aber zu wissen, dass in mehr oder weniger unregelmäßigen Abständen dennoch eine gewisse Aktivität notwendig ist, um die Summe der passiven Einkommenströme zu erhöhen oder zumindest zu erhalten. Je mehr unterschiedliche Quellen Sie erschließen, desto sicherer und nachhaltiger baut sich Ihr Wohlstand auf.

Zum Weiterlesen:

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Kommentare:

  1. Ich glaube der Beitrag trifft den Nagel auf den Kopf. Passives Einkommen ist zu 99% nicht am Strand liegen und das verdiente Geld zählen oder ausgeben. Ich denke die Freiheit, die einem das passive Einkommen ermöglicht, ist die Freiheit zu arbeiten wann ich Lust habe.
    Ich muss nicht von 8:00 bis 17:00 Uhr auf der Arbeit sein. Ich kann die Nebenkostenabrechnung heute machen, aber auch morgen. Ich kann mein Aktiendepot heute umstrukturieren, aber auch nächste Woche.
    Außerdem nutzen wir unsere Zeit ja idealerweise weiter um neben dem passiven doch noch ein aktives Einkommen zu erwirtschaften.

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  2. Sicherlich sprudelt das Passive Einkommen nicht Monat für Monat automatisch. Man für jeden Passiven Einkommensstrom, sei es Werbeeinnahmen, Dividendeneinnahmen, oder Mieteinnahmen immer etwas aktive Zeit pro Monat investieren. Toller Artikel Lars.

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  3. Hi Jan und Markos,
    mit diesem Beitrag möchte ich einerseits alle Leute ermutigen sich um passive Einkommensströme zu kümmern, anderseits auch den Realitätsbezug herstellen. Passives Einkommen zu erzielen ist definitiv möglich, aber es lässt sich eben nicht durch nichts tun oder lediglich 2-3 Mausklicks umsetzen.

    Danke für Eure guten Anmerkungen.

    VG
    Lars

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  4. Hallo,

    sagen wir, ich habe 100.000€ erarbeitet. 2. Bin Sparsam (mehr Einnahmen als Augaben) & 3. habe 12-Monatslöhne angespart. Wie gehe ich dann weiter vor?




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    1. Herzlichen Glückwunsch! Damit haben Sie bereits wichtige Schritte in die richtige Richtung getan.

      Oben auf dem Blog sind thematisch ähnliche Artikel zu Rubriken zusammengefasst. Schauen Sie am besten in den Rubriken "Passives Einkommen", "Vermögensaufbau" und "Tipps für die Börse" nach. Dort sollten Sie auf Antworten zu Ihrer Frage stoßen.

      VG und weiterhin viel Erfolg!
      Lars

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