Donnerstag, 12. Dezember 2013

Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) - Artikelserie: Wie schlägt man den Markt?

Im ersten Teil der Artikelserie "Wie schlägt man den Markt?" haben wir uns angeschaut, was man erreichen kann, wenn sämtliche Aktien in einem ETF gleichgewichtet werden. Durch die vergleichsweise höhere Gewichtung von kleineren und mittelgroßen Unternehmen konnte in den zurückliegenden zehn Jahren eine deutliche Mehrrendite erzielt werden.
In diesem zweiten Teil schauen wir uns das sogenannte Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) einmal näher an und prüfen ob man diese Kenngröße möglicherweise profitabel einsetzen kann.

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Vorweg, wie eigentlich fast immer, betrachten wir hier einen langfristigen Investitionszeitraum, d.h. viele Jahre.
Die Kennzahl KGV ist ziemlich bekannt und wird ermittelt aus dem Kurs der Aktie dividiert durch den Gewinn pro Aktie. Hinter dieser Größe verbirgt sich die Antwort, der wievielfache Jahresgewinn an der Börse für ein Unternehmen bezahlt werden muss.
Der entsprechende Wert "Gewinn je Aktie" ist auf zahlreichen Börsenwebseiten oder Seiten von Onlinebanken veröffentlicht.
Im englischsprachigen Raum heißt Gewinn pro Aktie "earnings per share" (eps) und die Werte vieler US-amerikanischer Titel sind zum Beispiel auf Seite nasdaq.com zu finden.

Im Durchschnitt eines breiten Aktienmarktes gelten Werte des KGV um 15 als Grenze zwischen preisgünstig (<15) oder teuer (>15). Natürlich ist das nur ein grober Richtwert und er hängt unter anderem von der Branche ab. So haben zum Beispiel die großen Rückversicherer wie Münchener Rück, Swiss Re und Hannover Rück meist ein KGV von unter 10, während andere Kennzahlen darauf hindeuten, dass diese Titel aktuell nicht besonders günstig sind. Aber mehr dazu in einer der nächsten Artikeln.

Leider lässt sich diese Kenngröße lediglich auf Basis von Vergangenheitswerten bestimmen, denn der konkrete Gewinn pro Aktie eines Unternehmens ist im Voraus nicht bekannt.

Dennoch sind hohe Werte des KGVs grundsätzlich ein Zeichen der Überbewertung. Das galt früher so und wird auch in Zukunft gelten. Zur Zeiten des Neuen Marktes hatten zahlreiche Aktien ein KGV von 50 oder fast 100. Damals waren aber nicht wenige Marktteilnehmer der Meinung, dass ein neues Zeitalter angebrochen sei und diese alten Bewertungsmaßstäbe nicht mehr gelten würden. Die Geschichte kennen die meisten sicherlich, ab dem Jahr 2000 war die damalige Interneteuphorie vorbei und viele überteuerten Aktien fielen drastisch im Wert.
So weist die Aktie des bekannten Verkaufsunternehmens Amazon derzeit ein deutlich dreistelliges KGV auf. Zwar übernimmt Amazon immer mehr Marktanteile beim weltweiten Verkauf von Waren, aber von den stark wachsenden Umsätzen müssen irgendwann einmal auch solide Gewinne übrigbleiben. Daher ist die Aktie zum derzeitigen Kurs aus der Sicht des KGVs alles andere als ein Schnäppchen.

Daher ist es generell eine gute Idee nach Aktien Ausschau zu halten, die ein niedriges KGV aufweisen. Einer Untersuchung zufolge hätte der Kauf von Aktien mit einem niedrigen KGV in den letzten zehn Jahren eine deutliche Mehrrendite zum allgemeinen Markt erbracht. Konkret wurden jeweils am Jahresanfang die 100 Aktien mit dem niedrigsten KGV aus dem S&P 500 gekauft und diese mit dem Gesamt-Index verglichen. Die Gesamtrendite der günstigen Aktien lag deutlich über der des Gesamtmarktes.

Gerade bei Konzernen mit einem recht stabilen Geschäftsmodell können allgemeine Korrekturen oder gar Bärenmärkte die dazugehörige Aktie regelrecht zum Schnäppchen werden lassen.
Bei Unternehmen deren Geschäftsmodell weniger stabil ist, muss man aber aufpassen. Denn der gefallene Aktienkurs lässt den Titel zunächst günstig erscheinen, aber die sinkenden Gewinne in der Folgezeit erhöhen anschließend das KGV wieder.

Die aktuellen Bewertungen des DAX und Dow Jones sehen derzeit so aus:
Mittleres KGV des DowJones Industrial Average: 16,3
Mittleres KGV des DAX: 17,2

Also sind die Gesamtmärkte in Deutschland und in den USA derzeit zwar noch nicht richtig teuer, aber eben auch nicht mehr günstig, zumindest wenn man das KGV zur Bewertung betrachtet.

Shiller-KGV
Bei der Betrachtung einzelner Jahre unterliegen Unternehmensgewinne und damit auch das KGV oft größeren Schwankungen. Um bei der Betrachtung ob Aktien "günstig" oder "teuer" sind mehr Stabilität ins Spiel zu bringen, verwenden einige Marktakteure das sogenannten Shiller-KGV. Diese nach dem amerikanischen Wirtschaftswissenschaftler Robert Shiller benannte Kennzahl betrachtet die durchschnittlichen Gewinne der letzten zehn Jahre. Damit lassen sich Rückschlüsse ziehen wie teuer eine Aktie auf längere Sicht war.

Shiller KGV =  Aktienkurs / durchschnittlicher Gewinn je Aktie der letzten 10 Jahre

Meiner Meinung nach sollte man sich bei der Auswahl von Aktien mehr darauf fokussieren wie der aktuelle und zukünftige Gewinn aussehen wird. Gewinne von vor 5 oder gar 10 Jahre sind der berühmte "Schnee von gestern". Diese haben meiner Einschätzung nach bei der Entscheidung, ob man aktuell Anteile eines Unternehmens erwerben möchte keine Relevanz (mehr).

Gewinnrendite
Den Kehrwert des KGV nutzen einige Marktteilnehmer stattdessen als die sogenannte Gewinnrendite. Das heißt nichts anderes als: "Wieviel Gewinn erhält der Investor pro Jahr für den jeweiligen Kaufpreis?". Bei einem KGV von 25 beträgt die Gewinnrendite 1/25 = 4%, ein KGV von 8 bedeutet eine Gewinnrendite von 1/8 = 12,5%

Das war der zweite Teil der Artikelserie: Wie schlägt man den Markt?
Teil 1 - Gleichgewichtete ETF
Teil 2 - Kurs-Gewinn-Verhältnis
Teil 3 - Kurs-Cashflow-Verhältnis

Im dritten Teil blicken wir näher auf das Kurs-Cashflow-Verhältnis (KCV).

Zum Weiterlesen:

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