Dienstag, 1. Januar 2013

MSCI ACWI - die globale Benchmark für den Aktienmarkt

Sofern jemand Aktien oder Aktien-ETFs im Depot hat, ist man erfreut, wenn die Gesamt-Rendite eines Jahres positiv verlaufen ist. Wer 5% Rendite mit Aktien erzielt hat, liegt mit seinem Gewinn oberhalb der Rendite von beispielsweise Tagesgeldkonten und hat sein Geld vor der Inflation geschützt, denn diese lag deutlich unter 5%. Aber sind 5% Rendite im Vergleich mit anderen Aktien nun gut oder nicht? Um den Erfolg oder Misserfolg seiner Geldanlage besser abschätzen zu können, sind Vergleichswerte notwendig. So muss beispielsweise jeder Fondsmanager seine Aktivitäten für den Fonds mit einer Benchmark vergleichen. Nur wenn diese - nach Abzug der Gebühren - besser abschneiden als die Benchmark, konnte der Fondsmanager für Anleger einen Mehrwert erzielen.

In den letzten Tagen von 2012 wurde in den Medien oft die fast 30%-ige Rendite des Deutschen Aktienindex DAX genannt. Das war eines der besten DAX-Jahre seit 1988. Viele Besitzer von Aktien-Fonds und -ETFs hatten in 2012 jedoch eine Rendite erzielt, die deutlich darunter lag. So konnte beispielsweise der bekannte aktiv gemanagte DWS Top Dividende eine Gesamt-Rendite von +7,8% erreichen. Bei der Frage, ob dies nun ein eher schlechteres Ergebnis war, fehlt eine geeignete Benchmark zum objektiven Vergleich. Bei den gängigen Welt-Aktienindizes muss man aufpassen, dass nicht nur die entwickelten Industrieländer enthalten sind. Man möchte ja bei einem globalen Aktien-Index möglichst die gesamte (Aktien-)Welt enthalten haben, also auch die Länder der sogenannten Emerging Markets.

Ein Aktien-Index, der entwickelte Länder und Schwellenländer inklusive kleiner Unternehmen berücksichtigt, ist der MSCI All Country World Investable Market Index (ACWI). Dieser enthält derzeit rund 8.500 Wertpapiere aus 45 Ländern. Also ist der Welt-Aktienindex MSCI ACWI als Vergleichsindex gut geeignet, um den Erfolg von globalen Aktien-Fonds und -ETFs oder der eigenen Aktienauswahl einschätzen zu können. Der MSCI ACWI in Euro betrachtet inklusive sämtlicher Dividendenausschüttungen erzielte im Jahr 2012 eine Gesamt-Rendite von 13,8%. Hier der Link zur MSCI ACWI Webseite.

Allerdings sollte man seine Aktien-Investments nicht gleich verkaufen, wenn diese nun im Jahr 2012 eine Rendite von weniger als 13,8% erzielt haben sollten. Umgekehrt ist Euphorie bei einer höheren Rendite fehl am Platz. Aktien und Aktien-ETFs sind langfristige Anlagen und daher ist eine Jahresperformance nett für die Statistik, aber es sollten nach Möglichkeiten gleich mehrere Jahre betrachtet und verglichen werden.

Es gibt auch mindestens einen ETF auf den MSCI ACWI. Dieser ist thesaurierend und für einen globalen Aktienindex mit einer jährlichen Gebühr (TER) von 0,6% nicht besonders günstig.

Der iShares MSCI ACWI bildet möglichst genau die Wertentwicklung des MSCI All Country World Index Net USD ab. Der ETF investiert direkt in die im Index enthaltenen Wertpapiere. Der Index bietet Zugang zu Aktien aus globalen Industrie- und Schwellenländern, die den Kriterien von MSCI für Größe, Liquidität und Freefloat-Marktkapitalisierung entsprechen. Der Index ist entsprechend der Freefloat-Marktkapitalisierung gewichtet.
Free Float - ist der englische Begriff für - Streubesitz und ist ein Maß, welche Summe der Aktien einer Aktiengesellschaft von Kleinanlegern gehalten werden und von Aktien, die dem Börsenhandel real zur Verfügung stehen.

Aktuell (Stand 28.Dezember 2012) befinden sich folgende Unternehmen in den Top 20 der höchsten Gewichtung

Gewichtung - Unternehmen - ISIN
  • 1,63% Apple US0378331005 Vereinigte Staaten Informationstechnologie
  • 1,39% Exxon Mobil US30231G1022 Vereinigte Staaten Energie
  • 0,76% INTL Business Machines US4592001014 Vereinigte Staaten Informationstechnologie
  • 0,73% Nestle CH0038863350 Schweiz Nichtzyklische Konsumgüter
  • 0,73% General Electric US3696041033 Vereinigte Staaten Industrie
  • 0,72% Chevron US1667641005 Vereinigte Staaten Energie
  • 0,67% Microsoft US5949181045 Vereinigte Staaten Informationstechnologie
  • 0,65% Pfizer US7170811035 Vereinigte Staaten Gesundheitswesen
  • 0,64% AT&T US00206R1023 Vereinigte Staaten Telekommunikationsdienstleistungen
  • 0,64% Samsung Electronics KR7005930003 Republik Korea Informationstechnologie
  • 0,63% Procter & Gamble US7427181091 Vereinigte Staaten Nichtzyklische Konsumgüter
  • 0,62% Johnson & Johnson US4781601046 Vereinigte Staaten Gesundheitswesen
  • 0,61% Google US38259P5089 Vereinigte Staaten Informationstechnologie
  • 0,59% HSBC Holdings GB0005405286 Vereinigtes Königreich Finanzwerte
  • 0,55% Wells Fargo & Co US9497461015 Vereinigte Staaten Finanzwerte
  • 0,55% JPMorgan Chase & CO US46625H1005 Vereinigte Staaten Finanzwerte
  • 0,48% Toyota Motor JP3633400001 Japan Zyklische Konsumgüter
  • 0,48% Novartis AG CH0012005267 Schweiz Gesundheitswesen
  • 0,48% Philip Morris US7181721090 Vereinigte Staaten Nichtzyklische Konsumgüter
  • 0,48% Coca-Cola US1912161007 Vereinigte Staaten Nichtzyklische Konsumgüter

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Es ist gerade bei einem internationalen Aktienportfolio nicht nur den DAX als Benchmark zu nutzen, sondern einen Index (oft der MSCI World), der eine ähnliche Diversifikation über Branchen und Regionen aufweist wie das eigene Portfolio. Darüber hinaus ist es allerdings auch interessant, mit welcher Volatilität diese Rendite erreicht wurde. Setzt man nur auf absolut konservative Aktien, so ist die Rendite vielleicht ein wenig schlechter als die Benchmark, aber dafür die potentiellen Verluste auch sehr viel geringer und umgekehrt.

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    1. Hallo Jan,
      gute Ergänzung. Die Volatilität ist ebenfalls wichtig für die Nerven zahlreicher Anleger. Selbst wenn man mit dem Kopf weiß, dass eine volatile Geldanlage langfristig erfolgreich ist, muss man emotional ganz schön "beißen", wenn das Depot in Crashphasen vorübergehend blutrot aussieht.

      VG
      Lars

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  2. Lars / Chris , habt Ihr eine Meinung zum Langzeitchart von MSCI ACWI in Überdeckung mit A1JKSO und A1JS9A , vermutlich in der Langzeitperformace Dividenden-Aristokratentitel ausschüttend doch besser ( Vermutlich wegen N ) . Scheint im Langzeitvergleich den MSCI ACWI doch Outperformancen , und dazu noch die Ausschüttungen . Oder sehe ich da irgendetwas falsch . L.G. Det

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    1. Naja, eine große Meinung hab ich dazu nicht, insofern als das man die gemeinsame Entwicklung beider ETFs erst seit "nur" 2012 verfolgen kann und ich das nicht wirklich als "Langzeit"performance zur Grundlage von Entscheidungen legen würde.

      Die bessere Entwicklung des US-Fonds ggü dem ACWI ist auch relativ schnell erklärt, da Amerika sich generell besser entwickelt hat als der Rest der Welt, also klar das da ein Fonds mit nur USA besser performt als einer der nur zur Hälfte aus Amis besteht und noch mehr "Renditebremsen" im Gepäck hat (plus Währungseffekte aktuell!). - Das ist aber nur eine "Momentaufnahme" im aktuellen Zyklus. Im letzten Zyklus (2002-2008) zum beispiel war es eher genau andersherum, da gingen die Internationals und besonders Schwellenländer mächtig ab, da hätte man da gesagt schaut her der ACWI hat die Nase vorn. Von daher wär ich sowieso immer etwas vorsichtig mit solchen Aussagen, und "Wetten" auf bestimmte Regionen. Grad sind zwar halt die USA am vielversprechendsten, früher waren halt mal die Emerging Markets die Zukunftsstory, das wechselt sich ab und zu immer mal wieder ab, deswegen tu ich mich da auch nicht festlegen und versuche möglichst ausbalanciert alles ein bischen abzudecken.

      Der "Dividendeneffekt" (also das Dividendenunternehmen "besser" sind als die anderen) macht sich auch erst wirklich langfristig (also Jahrzehnte) bemerkbar, und kann den breiten Markt phasenweise halt auch mal unter- und überperformen. Wie hier nach drei Jahren spielt das erstmal noch weniger eine Rolle.

      Anlageentscheidungen mache ich an meinen Anlagezielen fest. Wenn jemand a) eine unkomplizierte 1-Fonds-Lösung möchte und b) noch lange Ansparzeit vor sich hat, würde ich ihm tatsächlich eher einfach zum ACWI raten (nicht nur deshalb, weil man ja nie wissen kann ob demnächst mal wieder eine andere Region anstatt der USA die Nase vorn hat). Noch ausdifferenzierter lässt sich das natürlich mit Einzel-ETFs abdecken die auch alle 4 Weltregionen umfassen (also einen für US, EU, AS, EM) und man kann durch Rebalancing untereinander mögliche "Fehl"entwicklungen (also Über/Unterbewertungen) einzelner Regionen ausgleichen und durch diese "Mehrarbeit" evtl Renditevorteile erwirtschaften ggü einer simplen ACWI Anlage wo einem die internen Gewichtungen ja schon vorgegeben sind. Kann, muss aber nicht ^^

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    2. Danke Chris für deine Meinung , Da ja dann Weltweite abdeckung im Gepäck ( Bei ACWI ) könnte man also Div.Aristokraten noch für Nordamerika ( Für eine dortige Übergewichtung ) später nochmal dazunehmen
      A1JKSZ habe ich da eh schon mit dazugelegt.
      L.G. Det

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