Sonntag, 4. November 2012

Leitzinsen und der Aktienmarkt

Die gute Kenntnis über die Auswirkungen der Leitzins-Politik der Zentralbanken auf den Aktienmarkt ist meiner Meinung nach für Investitionsentscheidungen sehr wichtig. Eine restriktive Geldpolitik nimmt Geld aus dem Umlauf, eine expansive Geldpolitik - so wie derzeit beispielsweise in Europa und den USA - stellt viel Liquidität zur Verfügung, die dann häufig den Weg in den Aktienmarkt findet.



Schauen wir uns folgende Grafik an. Zu sehen ist der Leitzins der US-amerikanischen Notenbank Federal Reserve in Prozent (%) und die Kursbewegungen des Dow Jones Industrial Average (rot) im Vergleich seit 1990. Grundsätzlich wurden bei Inflationsgefahren die Leitzinsen erhöht und bei schwacher Inflation oder wirtschaftlichen Schwierigkeiten der Leitzins gesenkt. Eine Senkung der Leitzinsen diente somit immer auch als Stimulanz für Zeiten, in denen viele Leute ihr Kapital lieber zurückhalten und wenig investieren. Ein niedriger Leitzins stellt Liquidität günstig zur Verfügung, damit Kredite zum Investieren aufgenommen werden sollen. Dieses Mittel zur Stimulanz geht allerdings in vielen Industriestaaten verloren. In zahlreichen Regionen wie den USA, der Eurozone, UK oder Japan ist das Zinsniveau derzeit unweit von 0%. Dies nicht nur für kurze Zeit, sondern mittlerweile über Jahre hinweg. Die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve (FED) hatte kürzlich angekündigt den Leitzins zwischen 0 und 0,25% mindestens bis 2015 beizubehalten.

Nur die Betrachtung der Leitzinsentwicklung in den letzten knapp über 20 Jahren, zeigt welche wirtschaftlichen Probleme die Notenbank derzeit befürchtet, dass sie über Jahre die Nullzinspolitik beibehält. Die derzeitige und zukünftige Abhängigkeit der Wirtschaft - um nicht zu sagen Sucht - vom extrem niedrigen Zinsniveau soll hier aber nicht das heutige Thema sein.
Der Leitzins der Federal Reserve in Prozent (blau) und die
Kursbewegungen des Dow Jones Industrial Average (rot)
im Vergleich seit 1990
In der Grafik sieht man schön, dass jeweils ein Zinstief insgesamt für steigende Kurse des Blue Chip-Index Dow Jones Industrial Average sorgte.
Mit Rechtecken habe ich die Zeitbereich markiert, in denen die Leitzinsen nach markanten Zinstiefs wieder anstiegen. 1995 folgte ein Anstieg, der in einen kräftigen Bullenmarkt überging. 2004/2005 gab es eine Seitwärtsbewegung und bei weiteren regelmäßigen Zinserhöhungen eine mehrjährige Hausse. Auch aktuell sorgt das extrem niedrige Zinsniveau trotz aller wirtschaftlichen Probleme für einen aufwärts gerichteten Kurs am Aktienmarkt. Die Gefahr eines ausgeprägten Bärenmarktes ist daher gering.

Fazit:
Zeiten mit niedrigen Leitzinsen sorgen grundsätzlich für ein freundliches Umfeld am Aktienmarkt. Sollten die Leitzinsen irgendwann einmal wieder ansteigen, ist dies nicht unbedingt ein schlechtes Signal für den Aktienmarkt - gerade wenn wir von einem derart niedrigen Zinsniveau starten.
Falls doch einmal die von vielen so gefürchtete Inflation anziehen sollte und die Notenbanken gezwungen sein sollten auch den Leitzins anzuheben, dann ist dies kein Grund nicht in den Aktienmarkt zu investieren. Vor allem bei moderaten Inflationsraten erweisen sich Sachwerte, zu denen auch Aktien gehören, als gute Strategie gegen eine Geldentwertung.

Thematisch verwandte Beiträge:

Kommentare:

  1. Guter Beitrag.

    Denke wir befinden uns noch vor einer längeren Zeit niedriger Leitzinsen. Die Probleme in der Staatshaushalten und vorallem die wirtschaftliche Erholung in Südeuropa werden weiter auf sich warten lassen. Das Inflationsziel von 2% steht da erst einmal hinten an, egal was von offizieller Seite verkündet wird.

    Eine andere Lösung als die Zinsen weiter unten zu lassen sehe ich aber auch nicht. Wegen ein wenig mehr INflation die Lage in den USA und Europa weiter zu gefährden, das nutzt doch auch dem kleinen Mann nix.

    AntwortenLöschen
  2. Verschwörungstheoretiker haben es schon immer gewusst: Die FED regiert die Welt! Weil aber ganz offensichtlich ihre offiziellen Chefs schon immer viel zu dumm dafür waren,...

    "Das Problem, das wir haben, ist nicht, dass Geld unwichtig ist, sondern wie wir es definieren. Laut Definition sind alle Preise das Verhältnis eines Austausches einer Ware gegen Geld, und wir versuchen herauszufinden, was das ist… Wir haben früher einmal M1 als Stellvertreter (Maßstab) für Geld benutzt, und es erwies sich als ein sehr schwieriger Indikator für irgendwelche finanziellen Zustände. Dann nahmen wir M2 und hatten das ähnliche Problem….M3 haben wir per se niemals so benutzt, weil dies zum großen Teil die Ausweitung der Bankindustrie widerspiegelt. Und wenn Banken effektiv expandieren, sagt das an und für sich nicht schrecklich viel darüber aus, was das wirkliche Geld ist…. Unser Problem ist also nicht, dass wir nicht an gesundes Geld glauben. Das tun wir. Wir sind fest davon überzeugt, dass, wenn man eine minderwertige Währung hat, auch die Wirtschaft minderwertig wird. Die Schwierigkeit ist, zu definieren, welcher Teil unserer Liquiditätsstruktur wirklich Geld ist…. Wir haben seit Jahren Probleme damit, Stellvertreter für das Geld aufzuspüren. Und dabei legen wir den Maßstab an, ob es ein guter Vorausindikator für die Richtung der Finanzen und der Wirtschaft ist. Bedauerlicherweise war keiner von denen, die wir entwickeln konnten, dazu in der Lage..... Das heißt nicht, dass wir denken, Geld sei unerheblich. Es bedeutet, dass unsere Maßstäbe für Geld unzureichend waren. Als Folge davon haben wir, wie ich vorhin dargelegt habe, die Verwendung monetärer Aggregate für geldpolitische Zwecke herabgestuft, bis wir in der Lage sind, einen stabileren Stellvertreter für das zu finden, was unserer Ansicht nach das der Wirtschaft zu Grunde liegende Geld ist…. Es ist also schwer, etwas zu managen, was man nicht definieren kann."

    Alan Greenspan, Februar 2006

    ...müssen es wohl die Mainzelmännchen sein, die gut getarnt im Hintergrund das Schicksal des zivilisatorischen Mittelalters zu ihren Gunsten bestimmen.

    Wie viel Dummheit ist tatsächlich nötig, um das gänzlich unreflektiert dem Edelmetallgeld der Antike nachgeäffte "Geld, wie es (noch) ist" (Zinsgeld) bis heute zu verwenden und damit Massenarmut, Umweltzerstörung, Terrorismus und Krieg in Kauf zu nehmen, anstatt schon seit einem Jahrhundert mit dem "Geld, wie es sein soll" (Freigeld) in allgemeinem Wohlstand auf höchstem technologischem Niveau, einer sauberen Umwelt und selbstverständlichem Weltfrieden zu leben? Drei Jahrtausende Religion:

    3 Verwandlungen

    AntwortenLöschen
  3. Wirklich ein sehr guter Beitrag.
    Da ich im Moment im Rahmen meines Studium intensiv mit dem Aktienmarkt auseinander setze und auch für meine Projektarbeit eine Hausarbeit schreiben muss, freue ich mich über gute Beiträge dieser Art.
    Die Strategie Sachwerte in Verbindung mit Aktien zubringen und so der Geldentwertung engegen zu wirken, finde ich sinnvoll.
    Weitere Lösungen für den Vermögensaufbau, Vorsorge und Absicherung, die in diesem Zusammenhang interessant sein können, bietet z.B. das INFINUS Finanzdienstleistungsinstitut. Auf der Unternehmenshomepage findet man noch mehr Wissenswertes darüber: Infinus AG Test

    AntwortenLöschen

Bitte kein Spam und beleidigende Äußerungen!