Mittwoch, 14. Dezember 2011

Droht wirklich Inflation?

Bei der Frage, ob wir eine spürbare Inflation haben, werden viele Leute zustimmen. Denn jeder hat - je nach Lebensgewohnheiten - seine persönliche Inflationsrate. Wer in den letzten Jahren viel mit dem Auto unterwegs war und damit die ansteigenden Kraftstoffpreise miterlebt hat oder einen hohen Kaffeekonsum hatte, der wird sagen, dass die Inflationsrate sehr hoch ist. Wer sich häufiger Anschaffungen von Elektrogeräten leistet, der stellte dagegen in den letzten Jahren fest, dass für etwa denselben Preis immer leistungsfähigere Ware zu bekommen war.

Schauen wir uns die allgemein gültige Inflationsrate (oder auch Preissteigerungsrate, Teuerungsrate) an. Sie betrachtet den prozentualen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus innerhalb eines bestimmten Zeitraums (meistens ein Jahr), gemessen an den Veränderungen eines Preisindex. Zur Ermittlung der Inflationsrate werden die Veränderungen der in einem Warenkorb enthaltenen Güterpreise in einem bestimmten Jahr mit einem festgelegten Basisjahr verglichen. Die Inflationsrate als Prozentzahl ist dabei von der absoluten Veränderung des Preisindex zu unterscheiden: Steigt z.B. der Preisindex um zehn Indexpunkte von 200 auf 210, so bedeutet dies eine Inflationsrate von 5 %.    

Bei einer Inflation steigen die Preise für diverse Waren permanent an. Ursache des Preisanstiegs ist eine Zunahme der Geldmenge, die größer ist als das Wachstum der Gütermenge, die dem Geld gegenüber steht. Als Folge muss für die Güter nun mehr Geld gezahlt werden, sie werden also teurer. Daher versteht man unter Inflation allgemein auch eine Geldentwertung. Im Standardfall muss es bei einer nachhaltigen Inflation auch zu großflächig steigenden Löhnen kommen. Sonst sinken die Reallöhne (da das Einkommen weniger wert wird) und die Mehrheit der Bevölkerung kann sich die höheren Preise gar nicht leisten. 

Im Grunde scheint sich die Mehrheit der Medienlandschaft einig. Es droht recht bald eine Inflation, die durchaus die Größenordnung der Hyperinflation von 1923 erreichen kann. Die Rechnung ist ja scheinbar so einfach. Die Notenbanken der Industriestaaten - allen voran die Federal Reserve (FED) und Europäische Zentralbank (EZB) - öffnen die Schleuse für genügend Liquidität. Im Grunde bedeutet dies nichts anders als das Geld gedruckt wird. Eine hohe Geldmengenausweitung, die von den überschuldeten Staaten durchaus gewollt ist, führt zwangsläufig zu einer Inflation. Damit können die wirtschaftlich "klammen" Länder scheinbar bequem ihre Schulden beseitigen.


Allerdings scheint dies nicht so einfach zu sein. Japan gehört zu den am höchsten verschuldeten Ländern weltweit und hätte sich bereits "herausinflationieren" können. Allerdings herrschen dort seit rund 20 Jahren deutlich deflationäre Kräfte. Was in über 20 Jahren Deflation mit dem Aktienindex passieren kann, das sehen wir am japanischen Aktienindex Nikkei 225 (Quelle: Comdirect).



Auch in den Berichterstattungen der Medien erleiden viele dem Irrtum (oder ist dies sogar gewollt?), dass die Bereitstellung von Liquidität bereits ausreichen würde, eine Inflation anzutreiben. Das würde aber erst dann der Fall sein, wenn die von den Zentralbanken zur Verfügung gestellte Liquidität von den Banken als Kredite auch an die Bevölkerung weitergegeben werden würde. Als Folge stiegen dann irgendwann auch Löhne/Gehälter deutlich an. Erst wenn letztere beiden Bedingungen erfüllt ist, kann von einer zunehmenden Inflation gesprochen werden. Preissteigerungen ohne gleichzeitiges Anheben der Löhne und Gehälter wirken - wie oben bereits bemerkt - deflationär. Die Leute können sich letztendlich für ihr Geld weniger leisten.

Die Kursrückgänge am Aktienmarkt im Spätsommer/Frühherbst 2011 lassen eine Abschwächung des Wirtschaftswachstums erwarten. Die Historie zeigt, eine Inflation tritt nicht bei einer Abschwächung des Wirtschaftswachstums auf. Die derzeitigen Sparprogramme in der Eurozone wirken grundsätzlich deflationär. Auch die saisonal unübliche Schwäche des Goldpreises (im Herbst steigt im langjährigen Durchschnitt der Goldpreis) deutet daraufhin, dass die Inflationsbefürchtungen, die von vielen Seiten propagiert wird, sich in naher Zukunft nicht bewahrheiten werden.

Sobald die Schuldenprobleme - nicht nur in der Eurozone - absehbar gelöst werden können und darauf basierend ansteigendes Wirtschaftswachstum einsetzt, dann wird die Zeit kommen über eine Inflation nachzudenken. Ob dies allerdings gelingen wird, bleibt fraglich. Die Befürchtungen, dass die gesamten entwickelten (und zunehmend überalternden) Industriestaaten ein ähnliches Schicksal wie Japan erleiden, bleiben sehr hoch. Deshalb legte sich z.B. die US-amerikanische Notenbank Federal Reserve frühzeitig fest, die Niedrigzinsen unweit von 0% mindestens bis ins Jahr 2013 fortzusetzen. Die Furcht vor einer Deflation in den USA und Europa wäre auch in den Medien sehr viel vordergründiger zu betrachten als ständig auf die jetzt scheinbar bevorstehende Inflation hinzuweisen, nur weil einige Waren aufgrund gestiegener Rohstoffpreise zuletzt teurer wurden.
Auf dem Inflationsbarometer sind typische Indikatoren für eine Inflation oder Deflation auf einen Blick zu sehen. Dort gibt es bei einer Änderung der Lage auch eine Aktualisierung der "Inflationsampel".
Je mehr Indikatoren ansteigen, desto wahrscheinlicher ist eine Zunahme der Inflation. Die Ampelfarbe "grün" signalisiert eine abnehmende Inflation. Allerdings könnte daraus auch Deflationsgefahr abgeleitet werden. Eine rote Ampel bedeutet deutlich ansteigende Inflation. 


Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Hallo Lars,

    bereits seit längerer Zeit wird die Inflation von sehr vielen "Experten" für zwangsläufig und unausweichlich eintretend beurteilt. Nur wann sie kommt (in 1-2 Jahren oder aber noch später) kann keiner so recht sagen. Andererseits wird auch immer wieder die Deflation als schwerwiegenderes Problem in die Diskussion gebracht.
    Gehen wir einmal fest davon aus, es kommt a) zu einer Inflation oder b) zu einer Deflation.

    Mich würde deshalb brennend interessieren, welche k o n k r e t e Auswirkungen sich für den Anleger ergeben

    a) bei Inflation (z.B. 5 - 30% oder mehr)
    b) bei Deflation

    und welche Verhaltensempfehlungen sinnvoll sind,
    wenn man ein Großteil seines Geldes zwecks Erwirtschaftung eines passiven Einkommens in verschiedenen ETF`s stecken hat. Gehen wir mal von einem Kapital von 100.000 € aus, dass mit unterschiedlicher Gewichtung in 4 ETF`s steckt. In einem globalen ETF (z.B. iShares STOXX Global Select Dividend 100/A0F5UH, einem eurpäischen ETF (z.B. EuroStoxx Select Dividends 30/DBX1D3), einem deutschen ETF (z.B.ETFlab DAXPlus Maximum Dividends/ETFL23) und in einem Emerging Markets-ETF (LYX0BX). Es handelt sich um ausschüttende Dividenden-ETF`s.

    Als Inflationsschutz wird immer wieder erwähnt, sein Kapital in S a c h w e r t e zu stecken und nennt in diesem Zusammenhang auch AKTIEN, neben Gold, Immobilien usw.
    Was passiert eigentlich mit den in den ETF`s enthaltenen großen Aktien-(Big)Playern, die ja eigentlich immer genannt werden, wenn von substanzstarken Einzeltiteln als Inflationsschutz gesprochen wird. Kann oder sollte man den ETF unbedingt halten, bis eine Erhohlung am Aktienmarkt wieder eingetreten ist, oder ist das Geld und damit auch das passive Einkommen dann auch unter Umständen weitgehend oder gar unaufholbar "futsch".
    Oder aber, ist man mit den vorgenannten dividendenausschüttenden ETF`s etwa schlechter aufgestellt, als wenn man in wenigen aber dafür ausschließlich substanzstarken Einzelaktien (z.B. Siemens, Coca-Cola u.v.m) investiert ist. Wenn ja, sollte man dann nicht jetzt allmählich, somit rechtzeitig vorher umschichten ?

    Mich würde Deine Meinung dazu interessieren, zumal das Thema Inflation in diesen Tagen durch den EZB-Beschluss, Anleihen notfalls aufzukaufen wieder verstärkt in den Fokus gerückt wird. Durch die wahrscheinlich weiter künstlich niedrig gehaltenen Zinsen und einer "aktuellen" inoffziellen Inflationsrate von deutlich über 4 % kann sich der Staat bequem und elegant hier über Jahre hinweg seiner Schulden auf Kosten der Sparer allmählich entledigen, die ihr Geld z.B. auf Festgeldekonten oder gar auf dem Sparbuch parken.

    Viele Grüsse
    Konrad





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  2. Hallo Konrad,

    dadurch, dass die US-Notenbank die Zinsen bei nahe 0% hat und die EZB bei 0,75% und dann die offizielle Inflationsrate bei lediglich 2% (zwar mit Fluktuation, aber ohne wirklichen Aufwärtstrend) liegt, zeigt doch die aktuellen deflationären Kräfte. Bei derart niedrigen Leitzinsen in den USA und in Europa müsste es eigentlich eine beschleunigte Inflation geben.

    Ein Hyperinflation kann ich mir ehrlich gesagt überhaupt nicht vorstellen. In der Vergangenheit gab es diese z.B. in Deutschland unmittelbar nach Kriegen, als alles in Schutt und Asche lag.
    Ich denke es wird eine moderate Inflationsrate von 3-6% angestrebt, damit auch Anreize zum Kaufen bzw. Investieren gegeben werden. Sollte die Inflationsrate 0% oder weniger sein, dann horten die Leute lieber Bargeld, weil die Preise ja nicht steigen.
    Nun hat jeder von uns seine persönliche Inflationsrate. Wer kein Auto fährt bekommt weniger von der Preissteigerung im Energiesektor mit als ein fleißiger Autofahrer.

    Du hast es bereits gesagt, Gelder auf dem Festgeld- oder Tagesgeldkonten sind lediglich zur Liquiditätsreserve gedacht. Das ist für mich ansonsten keine Geldanlage.

    Grundsätzlich sind Aktien Sachwerte. Denn mit dem Besitz gehört dem Aktionär ein Bruchteil des Unternehmens. Durch eine Inflationsphase kommen am besten die Unternehmen, die die Preissteigerung an deren Kunden und Zulieferer weitergeben können. Diejenigen, die es nicht können, leiden mehr unter einer Inflation. Aber ich sehe keinen Grund Deine genannten ETFs zu verkaufen und das Geld lediglich in wenige Einzel-Aktien zu stecken. Das Beispiel Nokia zeigt, dass auch kapitalstarke Unternehmen in Schwierigkeiten geraten können. Im ETF werden solche "Looser" dann ausgetauscht.

    Bei einer moderaten Inflation - sofern sie denn hoffentlich kommt, das Beispiel Japan ist noch längst nicht vom Tisch - werden die genannten ETFs insgesamt auch an Wert gewinnen und ihre Ausschüttungen in etwa beibehalten. Die Gewinnmarge zum derzeitigen Zinsniveau mag dann etwas geringer sein als derzeit, aber ich halte sie aus jetziger Sicht für eine vernünftige Investition bei schwacher (wie derzeit) oder moderater Inflation.

    VG
    Lars

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  3. Passend dazu, dass die deutlich tieferen Kraftstoffpreise die offizielle Inflationsrate in 2013 im Vergleich zum Vorjahr drücken werden, noch dieser Artikel: Ja wo ist sie denn, die Inflation?

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