Donnerstag, 21. Januar 2016

ETFs mit Smart-Beta-Strategien - Artikelserie Teil 1a, was ist Smart Beta?

Vor kurzem wurde die Artikelserie "Aktien-ETFs aus aller Welt" gestartet. Neben speziellen Dividenden-ETFs gibt es jeweils auch immer eine Übersicht über Aktien-ETFs mit Standard-Indizes. Nun beginnt eine weitere Artikelserie über ETFs, die eine von Standard-Indizes abweichende Gewichtung vornehmen, nämlich sogenannte Smart-Beta-Strategien.

Artikel wurde von Chris verfasst

Ein neuer Begriff zieht derzeit in der ETF-Industrie immer mehr Aufmerksamkeit an sich. Die Rede ist von "Smart Beta", mit denen alternative Strategie-ETFs betitelt werden. In der folgenden Artikelserie wollen wir die Thematik näher erläutern. Im ersten Teil geht es grundsätzlich darum, was "Smart Beta" überhaupt ist, während in weiteren Teilen bestimmte Investment-Ansätze vorgestellt werden.

Was ist Smart Beta?

Ganz trocken betrachtet (und mit einer gesunden Grundportion Zynismus) muss man zuallererst feststellen, das Smart Beta vor allem ein Marketing-Begriff ist, den sich die Industrie selbst gegeben hat. Vergleichbar mit dem was wir auch schon aus anderen Lebensbereichen kennen (Smartphones, Smart TV, Smart Home etc.) wird damit suggeriert, "klüger" als die bisherigen "dummen" Produkte zu sein. Um aber nun wirklich zu verstehen, was Smart Beta überhaupt anders machen will, müssen wir zuerst beschreiben, wie die meisten Indizes (und ihnen folgende ETFs) bisher aufgebaut sind.

Die bekannten Standard-Indizes

In "klassischen" Indizes wie dem MSCI World, Standard&Poors 500 oder DAX wird die beinhaltete Aktienauswahl (mit grundlegenden Mindestanforderungen an Unternehmensgröße und Handelbarkeit) nach der Marktkapitalisierung gewichtet. Dabei wird die Anzahl der sich im Umlauf befindlichen Aktien (Streubesitz) mit deren jeweiligem Aktienkurspreis multipliziert. Jedes Unternehmen bekommt soviel "Platz" im Index, wie eben ihr Prozentanteil an der zusammengefassten Marktkapitalisierung aller Unternehmen ausmacht.

Als Beispiel, hat ein Unternehmen 1 Million Aktien im Umlauf, und kostet jede Aktie gerade 50 Euro, beträgt dessen Marktkapitalisierung eben 50 Millionen Euro. In einem Index, in dem die Marktkapitalisierung aller Unternehmen zusammen zum Beispiel 500 Millionen Euro umfasst, bekäme es dementsprechend damit ein Gewicht von 10 Prozent. Durch diese Art der Verteilung bedingt haben auch einige wenige "größere" Unternehmen einen gewichtigeren Einfluss auf die Entwicklung des Index als die Vielzahl der kleineren Unternehmen dahinter. So kommen die 10 größten Firmen des DAX zusammen schon auf ein Gesamtgewicht von etwa 66 Prozent, während die restlichen 20 Firmen nur noch einen Anteil von 33 Prozent im Index haben.

Die Gewichtung nach Marktkapitalisierung hat sich in der Vergangenheit als Standard für die meisten Indizes durchgesetzt. Diese Methode ist zudem ohne großen Aufwand leicht zu berechnen und zu betreuen (geringer Turnover, was kostengünstigere Produkte bedeutet), und besitzt in ihrer Simplizität auch einen soliden akademischen Hintergrund in der sogenannten "Effizienzmarkthypothese".
Demnach sei es mehr oder weniger unmöglich, durch eigenes (vom Standardindex abweichendes) Handeln eine langfristig nachhaltige Überrendite gegenüber dem Markt zu erreichen.
Als Schlussfolgerung wird daraus meist die Empfehlung abgeleitet, deshalb am besten gleich einfach nur in einen günstigen breiten Standardindex-ETF zu investieren und ewig liegenzulassen (buy and hold). Weil in einem effizienten Markt alle relevanten Informationen auch gleich schon im Aktienkurs immer mit eingepreist sind, ist es unvernünftig sich gegen die "Meinung" des Marktes (also aller anderen Marktteilnehmer zusammen) zu stellen, durch die diese Verteilungsverhältnisse eben nun mal so zustande gekommen sind.

Quelle: pixabay.com

Was macht Smart Beta nun anders?

Das Für und Wider dieser Theorie beschäftigt die Finanzwelt nun schon seit Jahrzehnten. Beim Anblick der ganzen Blasen und Crashs der Börsengeschichte scheint auch die Behauptung, der Markt sei effizient, rational und habe immer Recht, nur schwer außerhalb des luftleeren akademischen Raums zu existieren. Auch widerspricht es einfach der Natur vieler Menschen, den "Kontrollverlust" zu akzeptieren, dass sie es nicht besser als der Markt machen können. So haben sich die Börsianer schon immer auf die Suche nach bestimmten Methoden und Strategien gemacht, den Markt zu schlagen. Smart Beta ist dabei wieder nur ein aktueller weiterer Versuch, der behauptet, nun doch bessere Ergebnisse als der marktkapitalisierte Standardindex zu liefern.

Da der Begriff "Smart Beta" noch jung und schwammig ist, möchte ich zur Vereinfachung der verschiedenen darunter laufenden Konzepte meine eigene Definition benutzen:

Smart Beta = eine vom marktkapitalisierten Standardindex abweichende Aktienauswahl und/oder Aktiengewichtung

Diese Auswahl/Gewichtung wird dabei meist quantitativ nach bestimmten "Faktoren" vorgenommen. Quantitativ heißt, dass hier nur stur nach klaren regelbasierten Zahlensystemen gehandelt wird (und nicht zum Beispiel nach den diskretionären Meinungen von Analysten und Fondsmanagern). Faktoren sind bestimmte Unternehmenskriterien, von denen eine historisch nachgewiesene Chance zur Überrendite erwartet wird. Diese Faktoren können zum Beispiel auf fundamentalen Bilanzkennzahlen der Unternehmen beruhen (Value, Quality) oder auf Preissignalen der Aktienkursentwicklung (Momentum, Low Volatility). In weiteren Artikeln werden wir diese einzelnen Faktoren und entsprechende Produkte genauer vorstellen.

Die Arbeit der Auswahl und Gewichtung von Aktien nach bestimmten Faktoren passiert nun "unter der Haube" in einem ETF. Für Anleger, die also eine vom Standardindex abweichende Meinung haben und lieber ein gezielteres Engagement in Unternehmen mit diesen bestimmten Eigenschaften wünschen, sich aber andererseits auch nicht mit dem aufwändigeren Eigen-Management dutzender Einzelaktien auseinandersetzen wollen, bieten diese Produkte eine günstige und bequeme Alternative.

Wir weichen also hier von der reinen Lehre des "passiven Investierens" etwas ab, die besagt dass man einfach ALLE Unternehmen zu JEDEM Zeitpunkt besitzen sollte (z.b. mittels eines möglichst günstigen, möglichst breiten ETF). Es werden also "aktive" Elemente hinzugefügt:
  • Stock-Picking: aus allen Unternehmen wird nur in eine Unterauswahl investiert, die eben die gewünschten Faktor-Eigenschaften haben.
  • Markt-Timing: einmal gekaufte Aktien werden auch nicht einfach ewig gehalten, sondern es wird regelmäßig überprüft, ob sie noch die gewünschten Eigenschaften haben (und bei Bedarf ausgetauscht).
Das war Teil 1a der Artikelserie: ETFs mit Smart-Beta-Strategien, in dem es darum geht wie die traditionellen ETFs konstruiert sind, und was Smart-Beta-Strategien anders machen. Im nächsten Teil 1b der Serie gehen wir noch etwas mehr ins Detail und weisen auf einige Risiken hin, die es trotz vorhandener Chancen natürlich auch gibt.


Die voraussichtliche Untergliederung der Artikelserie sieht folgendermaßen aus.

Zum Weiterlesen:

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