Mittwoch, 13. Januar 2016

Aktien-ETFs aus aller Welt – Artikelserie Teil 2: Nordamerika

Artikel wurde von Chris verfasst.

Im ersten Teil der Artikelserie "Aktien-ETFs aus aller Welt" hatten wir eine Übersicht von global investierenden Aktien-ETFs gegeben. Im nun folgenden zweiten Teil blicken wir auf Aktien-ETFs aus Nordamerika.

Die Region der entwickelten Industrieländer Nordamerikas beinhaltet eigentlich nur zwei Länder, die Vereinigten Staaten und Kanada. Dabei dominieren natürlich die USA als (immer noch) wichtigste Wirtschaftsmacht der Welt  das Geschehen, was sich auch in den „Kräfteverhältnissen“ des MSCI North America Index widerspiegelt ( USA-Anteil 95 Prozent, Kanada-Anteil nur eher vernachlässigbare 5 Prozent). Da auf diesen Index nur wenige ETF-Produkte laufen, während für reine US-ETFs eine große Menge (und dadurch auch günstigere) Produkte angeboten werden, werden in der Praxis die meisten Anleger einfach die Vereinigten Staaten allein auswählen. Die für uns wichtigsten Indizes der USA sind der Standard&Poors 500 und der MSCI USA Index. Der ebenfalls aus den Nachrichten oft gehörte „Dow Jones“ ist mit nur 30 beinhalteten Werten weniger diversifiziert, ebenso wie auch der bekannte NASDAQ 100-Index durch seinen besonderen Technologie-Schwerpunkt sich weniger repräsentativ als Basisanlage statt zur Beimischung eignet.

Da Amerika in vielen globalen, nach Marktkapitalisierung gewichteten Indizes bereits über 50 Prozent ausmacht, ihr Anteil am Welt-BIP aber mittlerweile eher nur noch um die 30 Prozent beträgt, wollen ja viele Anleger durch die Benutzung von regionalen Einzel-ETFs deren Verhältnisse selbst bestimmen können.

Nordamerika - Quelle: pixabay.com

Aktien-ETFs Nordamerika

iShares MSCI North America ETF
ISIN: DE000A0J2060
TER: 0,40 Prozent
Volumen: 2195 Mio Euro
Positionen: 730, physisch replizierend (optimiertes Sampling)
aktuelle Ausschüttungsrendite: 1,05 Prozent (vierteljährlich)

Der einzige ausschüttende ETF des MSCI North America Index auf dem deutschen Markt nutzt diese Alleinstellung natürlich noch durch eine vergleichsweise höhere TER aus. Wie gesagt beschränkt sich der Kanada-Anteil auf eine homöopathische Dosis von 5 Prozent und der ETF macht im wesentlichen nur die Bewegungen der großen US-Indizes mit. Wenn man trotzdem unbedingt das Ahornland mit im Depot haben will, bleibt nur dieses Produkt (oder selbst noch einen speziellen Kanada-ETF mit dazunehmen, aber eine solche Vorgehensweise verkompliziert das eigene Portfolio schnell zu unnötig). Wer die (doch recht kümmerlichen) Ausschüttungen eh nur wieder reinvestieren würde, für den bietet sich der thesaurierende ETF von Comstage (ISIN: LU0392494992 , synthetische Replikation) an, welcher mit 0,25 Prozent TER auch etwas günstiger ist.

iShares  Core S&P 500 ETF
ISIN: IE00B5BMR087
TER: 0,07 Prozent
Volumen: 12311 Mio Euro
Positionen: 505, physisch replizierend
aktuelle Ausschüttungsrendite: thesaurierend

Der Standard&Poors 500 beinhaltet die fünfhundert größten und wichtigsten Unternehmen der USA und ist für Amerika-Anleger wohl der bestimmende Leit-Index. Da auf diesen wichtigen Index viele ETF-Produkte laufen, liefern sich die Anbieter hier einen regelrechten Preiskampf, was man auch schön an den niedrigen Gebühren des iShares sehen kann. Das hohe Volumen scheint ihnen in der Beliebtheit dabei Recht zu geben. Die bestimmenden Branchen im Index sind Technologie (20,92 Prozent), Finanzunternehmen (16,57 Prozent) und Gesundheitsversorgung (14,64 Prozent). Wer eine ausschüttende Variante bevorzugt, kommt mit dem HSBC S&P 500 ETF (ISIN: DE000A1C22M3 ) für 0,15 Prozent TER auch recht günstig weg. Die aktuelle Ausschüttungsrendite beträgt dabei 1,55 Prozent.

UBS MSCI USA ETF A-dis
ISIN: LU0136234654
TER: 0,20 Prozent
Volumen: 1481 Mio Euro
Positionen: 617, physisch replizierend
aktuelle Ausschüttungsrendite: 1,25 Prozent (halbjährlich)

Der MSCI USA Index ist der öffentlich etwas weniger bekannte Konkurrent zum S&P 500. Beide decken im wesentlichen das gleiche Segment ab (die größten Unternehmen der USA, wobei der MSCI-Index mit über 600 Firmen etwas mehr Titel im Gepäck hat), was sich auch in einer ähnlichen Branchenverteilung widerspiegelt. Welchen Index man bevorzugt wird daher aufgrund der nur minimalen Unterschiede von den persönlichen Vorlieben des Anlegers (bzw. welches Produkt bei seinem Broker günstiger zu haben ist) abhängen. Auch hier reißt wieder (amerika-typisch) die Dividendenrendite erstmal keine Bäume aus, wer daher gleich zu einer thesaurierenden Variante greifen will, ist mit dem db-X MSCI USA ETF (ISIN: IE00BJ0KDR00 ) für 0,07 Prozent TER auch gut bedient.

Vanguard FTSE North America UCITS ETF
ISIN: IE00BKX55R35
TER: 0,10 Prozent
Volumen: 19 Mio USD
Positionen: 709, physisch replizierend
aktuelle Ausschüttungsrendite: 2,2 Prozent (vierteljährlich)

Zur Abdeckung Nordamerikas bietet Vanguard auch hier wieder einen günstigen ETF. Wer aber aufgrund des vernachlässigbaren Kanada-Anteils (4,5 Prozent) und geringen Fondsvolumens lieber gleich  ein einfaches US-Produkt bevorzugt, kann auch mit dem Vanguard S&P 500 UCITS ETF (ISIN: IE00B3XXRP09  , TER: 0,07 Prozent, Ausschüttung: 2,2 Prozent) eine noch günstigere Alternative finden.

Dividenden-ETFs

iShares Dow Jones US Select Dividend ETF
ISIN: DE000A0D8Q49
TER: 0,31 Prozent
Volumen: 223 Mio Euro
Positionen: 99, physisch replizierend
aktuelle Ausschüttungsrendite: 2,44 Prozent (vierteljährlich)

Der ETF investiert in die 100 am höchsten ausschüttenden amerikanischen Unternehmen, die darüber hinaus noch gewissen Dividendenwachstums- und Payoutbegrenzungs-Kriterien genügen. Gewichtet werden die Positionen anschließend nach Dividendenrendite. Der Fokus auf besonders hoch-ausschüttende Dividendenunternehmen verschiebt natürlich die Branchen-Aufteilung im Vergleich zum Breitmarkt enorm, so sind Versorger hier mit 33,21 Prozent am höchsten gewichtet (während sie im Standard-Index nur etwa 3 Prozent ausmachen). Technologie wiederum fällt auf nur 1,47 Prozent Anteil zurück, weil dort eben noch nicht so viel Dividende zu holen ist. Wer auf aktuell möglichst hohe Ausschüttungen abzielt, wird bei allen Indizes der Welt mehr oder weniger immer solche Verschiebungen eingehen müssen und sich bewusst sein, dass Dividenden-ETF von ihrer Konstruktion (und Anlageziel) her keine repräsentative Abbildung des gesamten Marktes darstellen.

SPDR US Dividend Aristocrats
ISIN: IE00B6YX5D40
TER: 0,35 Prozent
Volumen: 2021 Mio Euro
Positionen: 99, physisch replizierend
aktuelle Ausschüttungsrendite: 1,88 Prozent (vierteljährlich)

Der Aristocrats-ETF von SPDR verfolgt den Ansatz, dass nur Unternehmen, die ihre Ausschüttung bereits seit mindestens 20 Jahren ununterbrochen steigern konnten, in die nähere Auswahl aufgenommen werden. Gewichtet wird anschließend wieder nach der jeweiligen Dividendenrendite. Über die Vorzüge (aber auch Einschränkungen) des Aristokraten-Konzeptes wurde hier im Blog schon mehrfach berichtet. Da nicht einfach nur nach den aktuell höchstausschüttendsten Aktien gesucht wird, sondern durch das Längen-Kriterium ein besonderer Schwerpunkt auf möglichst solide Unternehmen mit stabilen Geschäftsmodellen gelegt wird, kann so potentiell eine qualitativ höherwertige Aktienauswahl von konjunktur-unabhängigeren Firmen getroffen werden, von der sich viele Anleger (man sieht es am Fondsvolumen) wahrscheinlich mehr Sicherheit versprechen.
Die reine Ausschüttungshöhe des ETF allein erklärt jedenfalls weniger seine Beliebtheit, denn die ist ja gerade so leicht über dem Breitmarkt-Niveau. Das ist aber auch nicht weiter verwunderlich, denn Firmen die schon sehr lange die Dividende erhöhen, müssen sich deswegen ihre angebotene Rendite etwas wirtschaftlicher einteilen. Die Branchenverteilung ist dafür mit 24,5 Prozent Finanzunternehmen, 15,6 Prozent Industriefirmen und 13,1 Prozent Basiskonsumgüterherstellern ausreichend diversifiziert.

iShares MSCI USA Dividend IQ ETF
ISIN: IE00BKM4H312
TER: 0,35 Prozent
Volumen: 69 Mio Euro
Positionen: 126, physische Replikation
aktuelle Ausschüttungsrendite: 2,45 Prozent (halbjährlich)

iShares hat im letzten Jahr auch einen weiteren amerikanischen Dividenden-ETF aufgelegt. Dabei werden neben den üblichen Dividendenwachstums- und Stabilitäts-Kriterien an die Unternehmen auch noch gewisse Qualitätsmerkmale wie Return on Equity, (niedrige) Ertragsschwankungen, Verschuldungsgrad und ein 12-Monats Kurs-Performance Filter (um Firmen zu vermeiden, wo ein rapide gesunkener Aktienkurs eine kurzfristig hohe, instabile Dividendenrendite erzeugt) angelegt. Gewichtet wird anschließend normal weiter nach Marktkapitalisierung statt Dividendenrendite, was aber wie man sehen kann der Ausschüttungshöhe anscheinend auch nicht besonders schaden tut.
Grundkonsumgüter sind mit 20,44 Prozent am meisten vertreten, danach folgen allerdings schon Informationstechnologie mit 19,24 Prozent und Gesundheitsunternehmen mit 15,08 Prozent, was in diesem Segment eine sonst eher unübliche, äußerst attraktive Branchenverteilung ist.


Wisdomtree US Equity Income ETF
ISIN: DE000A14ND12
TER: 0,29 Prozent
Volumen: 12 Mio Euro
Positionen: 425, physische Replikation (optimiertes Sampling)
aktuelle Ausschüttungsrendite: 3,20 Prozent (vierteljährlich)

Ebenfalls noch sehr jung, dafür mit einer potentiell höheren Ausschüttung und vor allem den meisten Firmen im Portfolio lockt dieser ETF von Wisdomtree. Es werden dabei die 30 Prozent höchstausschüttendsten Aktien der USA aufgenommen, und anschließend nach der Höhe der gezahlten Bar-Dividenden (im Verhältnis zur Gesamtsumme aller Unternehmen) gewichtet, was sich in der Praxis relativ ähnlich zu einer Gewichtung nach Dividendenrendite verhält, aber durch den Fokus auf absolute Zahlen eine gewisse Bevorzugung großer Unternehmen bewirkt. Die Branchenverteilung setzt sich dabei, der Ausschüttungshöhe geschuldet, natürlich weiterhin vor allem aus klassischen Dividenden-Sektoren wie Finanzunternehmen (17,20 Prozent), Konsumgüter (16,25 Prozent) und Energie (13,63 Prozent) zusammen.

Das war der zweite Teil der Serie "Aktien-ETFs aus aller Welt", bei der auf Aktien-ETFs aus Nordamerika geschaut wurde. Im bald folgenden dritten Teil blicken wir auf ETFs mit Aktien aus Europa. Die gesamte geplante Serie sieht folgendermaßen aus.

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Der HSBC S&P 500 ETF (ISIN: DE000A1C22M3 ) hat eine TER von 0,09 Prozent.

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  2. Viele Deiner ETFs sind nicht steuereinfach. Darauf musst Du auf jeden Fall hinweisen.

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  3. Hi, um Anonym einmal aufzugreifen. Ist IE00BJ0KDR00 steuereinfach?

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    1. Beim db-X MSCI USA sind als ausländischer Thesaurierer die ag-Erträge selbstständig in der StE anzugeben. Mit Formulierungen wie steuer"einfach" etc halte ich mich selbst aber in diesem Zusammenhang lieber zurück, denn es hängt eigentlich nur von jedem Anleger individuell selbst ab, welchen "Aufwand" er als kompliziert oder einfach empfindet, welche Veranlagungssituation sie haben, ob sie eine ordentliche Aktenwirtschaft führen, etc.

      Ich persönlich habe ja keine Probleme im Umgang mit Thesauriern, aber wer sich damit möglichst wenig beschäftigen will, kann halt zB zum ausschüttenden UBS ETF auf den selben Index greifen (zumindest bis nicht die launische Verwaltungspolitik der Anbieter auch mal ne Teilthesaurierung durchführt etc).

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  4. Hallo, mir wurde auch der Wilshire 5000 als Index für die USA empfohlen. Hat jemand nähere Informationen darüber?

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    1. Hallo Thomas,
      der Wilshire 5000 ist ein breiter Aktienindex für den amerikanischen Markt. Wie der Name schon sagt, beinhaltet er theoretisch 5000 Unternehmen (in der Praxis ist die konkrete Anzahl aber etwas variabler).
      Gewichtet werden die Bestandteile wie üblich nach Marktkapitalisierung, was auch wieder den Effekt oder Nutzen der vielen kleinen zusätzlichen Smallcap-Aktien etwas wegrelativiert, da sie durch ihre geringe Gewichtung auch nur einen geringen Einfluss wirklich haben. Beispiel - es zählen zwar ca drei viertel der beinhalteten Unternehmen als "Smallcaps", aber ihre gemeinsame Gewichtung im Index ist eigentlich auch nur etwa 10-15% zusammengenommen. Am "oberen Ende" der Skala beherrschen halt wieder die üblichen Dickschiff-Unternehmen das Geschehen, und deren Aktien die über 1% und mehr gewichtet werden, haben halt auch mehr Einfluss auf den Index als hunderte Unternehmen die jeweils nur zu 0,01% gewichtet werden. Die konkrete Langfristige Wertentwicklungsvorteil des Index durch die eventuelle zusätzliche Smallcap-Rendite liegt eigentlich nur minimal über denen normaler "Largecap-Indizes" wie dem SP500.

      Es liegt also an jedem selbst einzuschätzen, wie sich hier der praktische Investitionsnutzen gestaltet - konkret ist es ja auch so dass es aktuell grad garkein ETF-Produkt mehr auf den Wilshire 5000 gibt (in den USA hatten Vanguard mal ihren Total Stock Market ETF (VTI) darauf laufen, die haben aber auch mittlerweile auf den CRSP US Total Market Index umgestellt).

      Wer eine möglichst "komplette" Total Market Abdeckung der USA haben möchte (also Largecaps und Smallcaps), kann das wohl am besten mit jeweils zwei spezifischen ETFs erreichen (einen für SP500, einen für Russell 2000 oder MSCI USA Small cap), denn dafür ist auch in Deutschland das Produktangebot wenigstens noch einigermaßen gut aufgebaut mit mehreren Alternativen. (und man kann auch mit der individuell möglichen Gewichtung des Smallcap-Anteils deren Renditepremium etwas besser abgreifen)

      Wer das jedoch eben alles in einem Total Market- ETF haben will, sieht das aktuelle ETF-Angebot in Deutschland schon sehr dünn aus. Am ehesten kommt hier noch der SPDR Russell 3000 ETF (IE00BKY7WX37, 0,25% TER, thesaurierend) in Frage. Oder man blickt über den Tellerrand und investiert gleich in richtige US-aufgelegte ETFs, da gibt es von den üblichen Anbietern (iShares, Vanguard, SPDR etc) drüben auch viel mehr Angebote. Ticker für einige Beispiele: VTI, ITOT, SCHB

      Zu ETFs für Amerika allgemein haben wir schon im Rahmen der Weltportfolio-Artikelserie ein paar gute Basis Standard-ETFs vorgestellt (ohne da schon explizit auf Smallcaps mit einzugehen):
      http://finanziell-umdenken.blogspot.de/2016/01/aktien-etfs-aus-aller-welt-artikelserie_13.html

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    2. Vielen Dank für die ausführliche Antwort. Das hat mir sehr viel weitergeholfen!

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