Samstag, 1. September 2012

Übersteht Ihr Depot einen Stresstest?

Nach der Finanzkrise 2008 mussten sich verschiedene Banken immer wieder diversen Stresstests unterziehen. Damit möchte man überprüfen ob - und wenn ja wie sicher - eine Bank einen erneuten Börsencrash mit möglichen Liquiditätsengpässen übersteht. Sofern eine Bank diesen Test nicht besteht, wird ihr "nahe gelegt" nachzubessern. Aber auch wir Privatanleger sollten uns gelegentlich einem Stresstest unterziehen, damit im Ernstfall keine schlimmen Fehler passieren.

Ich möchte hiermit einige Punkte zusammenstellen, die zur Überprüfung des eigenen Depots für den Ernstfall dienen, um in schwierigen wirtschaftlichen Zeiten mit der eigenen Geldanlage nicht unter die Räder zu kommen.

1.) Verteilen Sie Ihr Kapital auf mehrere Banken
Selbst wenn es aufwändiger ist seine Ersparnisse auf mehreren Banken zu verwalten, es senkt das Risiko. Wer die Zeiten am Ende von 2008 aktiv miterlebt hatte, der erinnert sich noch, dass kurzzeitig auch diverse Banken (scheinbar) nicht mehr sicher waren. Die verfügbare Liquidität würde ich daher auf mindestens zwei bis drei Banken verteilen. Zwar ist das Geld durch den Einlagensicherungsfonds der Banken ziemlich gut geschützt, doch kann es bei einer Insolvenz einer Bank passieren, dass man wochen- oder monatelang nicht an sein Geld herankommt.

2.)  Sorgen Sie für ausreichende Diversifikation
Sofern jemand zu 100% in Aktien investiert ist und dann von einem weltweiten Börsencrash überrascht wird, der könnte dann mitunter 20%, im Extremfall 50 oder 60% "im Minus" sein. Das ist selbst für Leute, die Ihr Augenmerk hauptsächlich auf Dividendenausschüttungen legen, schon eine harte Nervenprobe. In der Regel sind derartige Crash-Situationen von Medienberichten begleitet - denen man gar nicht entkommen kann - die quasi einen Weltuntergang prophezeien. Wer aktiv zum Jahreswechsel 2002/2003 oder 2008/2009 am Börsengeschehen teilgenommen hat, der weiß was ich meine. Viele Anleger unterschätzen in eher freundlichen Börsenzeiten den psychischen Stress, wenn das eigene Depot tiefrot ist und alle Welt scheinbar nur noch düsteren Zeiten entgegenblickt. Oft handelt man in solchen Situationen nicht rational und verkauft möglicherweise qualitativ hochwertige Investments nahe der Tiefpunkte.

Um dieser Gefahr, ein jahrelang gut überlegtes Depot wieder zu zerstören, entgegenzutreten, sollte man auf ausreichende Diversifikation achten. Die gesamtheitliche Geldanlage muss unter Berücksichtigung aller Anlageklassen betrachtet werden. Je nach Risikoneigung sollte das Gesamt-Portfolio einen Aktienanteil von minimal 25% bis maximal etwas über 50% aufweisen. Die anderen Anlageklassen sind optimalerweise so zu wählen, dass sie möglichst unabhängig von Aktienmarkt sind. Mehr zum Thema habe ich im früheren Beitrag: "Beispiel einer Asset Allocation mit Schwerpunkt passives Einkommen zu erzielen" geschrieben.

3.) Dividendenkürzungen/ -streichungen
Sofern ein Unternehmen die Dividende kürzt, sollte man vorsichtig sein. Es ist oft ein Hinweis auf erste Schwierigkeiten im Unternehmen. Sollte die Kürzung nur vorübergehend oder lediglich auf externe Einflüsse (allgemeine Wirtschaftskrise) zurückzuführen sein, dann muss dies alleine noch kein Grund zum Verkauf sein. Eine drastische Dividendenkürzung oder gar Streichung sollte aber zum Verkauf der Aktie veranlassen. Mehr dazu wurde im früheren Beitrag: "Paukenschlag, Telefonica streicht die Dividende 2012 - wie ist in solchen Fällen vorzugehen?" betrachtet.

Übrigens, ein Vorteil von möglichst häufigen Ausschüttungen (quartalsweise oder gar monatlich) ist, dass man frühzeitig Dividendenkürzungen mitbekommt und entsprechend rasch reagieren kann.

4.) Sicherheitspuffer nicht zu knapp wählen
Sowohl für den Kauf weiterer Investments zu günstigen Preisen als auch erst recht für Notfälle sollte man genug Geldreserven zurückhalten. Gerade eine größere Reparatur oder ein anderer Notfall, der viel Geld kosten kann, würde sonst dazu führen Wertpapiere verkaufen zu müssen oder einen teuren Kredit aufzunehmen. Der Verkauf von Wertpapieren müsste unglücklicherweise auch noch zu gerade ungünstigen Marktpreisen durchgeführt werden. Mehr dazu im früheren Beitrag: ""Cash is king": Die "Kriegskasse" muss immer gut gefüllt sein".

  • Sie wollen grundsätzlich mehr aus Ihrem Geld machen?
  • Die Zeiten einer knappen Kasse soll bei Ihnen der Vergangenheit angehören?
  • Ihr Geld soll endlich einmal hart für Sie arbeiten? 
  • Sie möchten langfristig Vermögen aufbauen?
  • Sie möchten mehr zu passivem Einkommen erfahren?
  • Sie möchten sich über den aktuellen Status der Aktienmärkte informieren?

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Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Guten Tag,
    könnten Sie etwas über Diversifikation aus Sicht des Fonds-Anlagers sagen, insbesondere wenn auch Mischfonds vorhanden sind ? Liege ich richtig in der Annahme, daß mir der Profi-Fondsmanager die Diversifikation abnimmt ?
    Danke und viele Grüsse
    Ulf Cihak

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    1. Hallo Ulf Cihak,
      die Antwort auf diese Frage lässt sich nicht eindeutig geben. Es hängt davon ab, welche Investment-Möglichkeiten der Mischfonds hat. Außerdem hängt es zusätzlich noch von den Fähigkeiten des Fondsmanager ab. Dieser lässt sich seine Arbeit entsprechend bezahlen.

      Die Vergangenheit hatte gezeigt, dass lediglich nur wenige Fondsmanager in der Lage sind ihren jeweiligen Vergleichs-Index langfristig - also über mehrere Jahre - zu überbieten. Daher bin ich kein Fan von aktiv gemanagten Fonds und gehe lieber den Weg des kostengünstigeren "passiven Investierens" mit ETFs.

      Die ETFs, die ich hier verwende, sind unter Ausschüttungsquoten von ETFs und High Yield/Dividend Depot zu sehen.

      Die Diversifikation muss letztendlich jeder Anleger selbst festlegen (natürlich kann er sich Rat von Profis holen). Da aber niemand wirklich weiß - auch nicht die Fondsmanager - wie es zukünftig an der Börse weitergeht, muss man als Anleger überlegen, wieviel Risiko man tragen möchte. Dementsprechend sollte das persönliche Anlage-Portfolio aufgebaut sein.

      Meiner Meinung gehören darin nicht nur Aktien oder Anleihen, sondern auch weitere Anlageklassen. In Punkt 2 habe ich auf einen früheren Beitrag verwiesen, bei dem man sich anschauen kann, wie in etwa mein Gesamt-Portfolio aussieht.

      Das mag nicht zu jedem Anlegertypen passen, aber die prozentuale Aufteilung kann jeder selbst festlegen.

      VG
      Lars

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  2. Zum Thema Mischfonds eine sehr gute Artikelserie von morningstar

    Teil 1
    Teil 2
    Teil 3

    Aus dem Artikel:
    "Was sagt uns dieses ernüchternde Ergebnis? Es ist eigentlich keine Überraschung. Wir haben bereits häufig die Ansicht geäußert, dass die Diversifikation der Anlegergelder meistens mehr bringt als das häufige Umschichten im Rahmen einer taktischen Asset Allocation. Auch die Wissenschaft gibt sich über die Fähigkeiten der Fondsmanager beim Timing skeptisch. "Wir wissen aus der Forschung, dass die Mehrheit der Fondsmanager bei der Einzeltitelauswahl, dem Stockpicking, nicht besser abschneidet als der Index, aus denen sie die Aktien auswählen. Warum sollen sie dann erfolgreicher sein, wenn es um die Auswahl der richtigen Märkte, Währungen oder Regionen geht? Das ist doch noch schwieriger", sagt etwa Professor Martin Weber von der Uni Mannheim. Die Schlussfolgerung des Finanzwissenschaftlers: "Alles spricht für einen passiven Investment-Ansatz, auch bei der Asset Allocation."

    Zeigt für mich wieder, dass Fondsmanager ihr Geld nicht Wert sind!
    Hier lohnt sich ein ETF Depot mit einer festen Aufteilung auf Aktien und Renten mehr.
    Den ein rauf und runter fahren des Aktienanteils hat mehr mit Glück zu tun, es kann mal funktionieren aber auch mal völlig daneben gehen.

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    1. Hallo Investor,
      danke für die Links!
      Ich würde die einmal festgelegte Asset Allocation auch nicht ständig ändern. Um die einmal gewünschte Aufteilung wieder herzustellen, muss man eh von Zeit zu Zeit einige Käufe bzw. Verkäufe durchführen (Rebalancing). Daher spreche ich bei Kursverlusten im Aktienmarkt häufiger davon in Tranchen nachzukaufen, um die alte Aktienquote wieder zu erreichen.

      VG
      Lars

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  3. Hallo, vllt. kannst du zu meiner Situation auch was sagen.

    Also ich habe vor fortlaufend meine Sparrate in Aktien zu investieren. Value-Investing und möglichst bei Dividendentiteln. Wie viele sagen würden langweilig. Ein konservativer Weg, der ev. auch ein wenig darauf hindeutet, dass ich nicht volles Risiko gehe.
    Mein Plan sieht Investitionen zu 100% meiner Sparrate in Einzeltiteln vor. Das ist was ich mir zutraue selber kontrollieren und überblicken zu können.
    Ich habe allerdings auch ein Polster, dass im 5 stelligen Bereich liegt und etwa 6 Monatsgehälter(netto) ausmacht, sowie ein kleines Puffer auf dem Girokonto um den Dispo nicht anrühren zu müssen. Sollte ich eines dieser Puffer anfassen müssen (was garantiert mal vorkommt, Stichwort Auto), dann wird zuerst dieses Puffer wieder angespart.

    Meine Frage nun ist eine volle Fokussierung auf Aktieneinzeltitel mit meiner gesamten Sparrate naiv und blauäugig?

    Nach 10 Jahren möchte ich soweit sein, die Sparrate für andere Investitionsklassen (Immobilien vor allem) zu nutzen und das bis dahin in Aktien liegende Kapital dort auch weiter für mich arbeiten zu lassen. Ich beginne mit der Diversifikation also später und arbeite ev. sehr risikoreich 10 Jahre mit meinem Kapital in einer Anlageklasse?

    Naiv und blauäugig, machbar, nicht empfehlenswert?

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    1. Hallo Constantine,
      super, dass Du Dich bereits so ausführlich mit der Geldanlage befasst hast und auch schon einiges ansparen konntest.

      Wenn die monatlichen Sparraten nicht zu niedrig sind (Gebühren) und Du die Einzel-Aktien wirklich im Blick hast, dann spricht nichts grundsätzlich gegen den Plan in Einzel-Aktien zu investieren.

      Bei mir ist es so, dass ich einen pragmatischen Weg eingeschlagen habe und Investments in ETFs bevorzuge. Für eine jährliche Gebühr von 0,3 bis rund 1,0% bekomme ich
      - 20 bis über 100 Einzeltitel
      - ETF-Anteile mit insgesamt geringeren Ordergebühren (weil weniger Käufe)
      - die Aussonderung von Aktien-Nieten (siehe z.B. den Beitrag über die Telefonica) abgenommen
      - die Problematik der Doppelbesteuerung abgenommen

      Zur Frage der sogenannten "Klumpenbildung" (10 Jahre nur in Aktien investieren):
      Sollte jetzt in den nächsten 1-2 Jahren ein erneuter weltweiter Aktien-Crash passieren, dann kann Dir dies relativ egal sein, oder Du freust Dich sogar über die Schnäppchenpreise.
      Dasselbe Szenario nach 8-9 Jahren und Dein Depot sieht mit einer beträchtlichen Investitionssumme tiefrot aus. Ob Du dann wirklich die Nerven behältst und nicht zu niedrigen Preisen verkaufst, musst Du Dich selbst fragen.
      Bei einem relativ gleichmäßigem Investieren in mehrere Anlageklassen umgehst Du dieses Risiko und kannst immer in diejenige Anlageklasse investieren, die derzeit zurückhängt.

      VG
      Lars

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    2. Hallo Constantine,

      also ich würde diesen Weg über ausschließlich Einzeltitel-Aktien über einen Zeitraum von 10 Jahren nicht riskieren, da kann man gewaltig auf die Nase fallen und vor allem am Ende mit keinem nennenswerten Erfolg oder gar einem Misserfolg dastehen, wenn`s nicht wie erwartet läuft. Dann hat man eventuell wertvolle Zeit (Zinseszinsfaktorzeit) verloren. Und ob Du das mit den Einzeltiteln immer "kontrollieren" kannst, halte ich auch für eine sehr gewagte Behauptung. Als Kleinanleger kann man immer nur hinterherlaufen. Selbst wenn man nur in (sehr) konservative Dividenden-Aktien investiert, bleibt ein gewisses Ausfallrisiko dennoch bestehen. Wenn Du schon ausschließlich in nur eine Anlageklasse (Aktien) investieren möchtest, dann aber breit gestreut. Ich würde einen großen Teil ( mindestens 70 - 90 %) meiner monatlichen Sparrate auf 3 oder 4 ETF`s (z.B. Global / Europa, MaximumDividens und event. Emerging Markets) verteilen (mehrere Monatssummen zusammenfassen wegen den Gebühren), so dass ich eine sehr breite Diversifikation hätte und mich beruhigt zurücklehnen kann. Über Einzelausfälle brauche ich mir dann keine Gedanken zu machen. Den Rest von 10 - 30 % könnte man dann in Einzeltitel (Aktien mit hoher konstanter Dividendenwahrscheinlichkeit) investieren, die eine höhere Dividende versprechen als bei den ETFs.
      Besser wäre natürlich die nächsten 10 Jahre in verschiedene Anlagenklassen zu investieren, so wie es Lars beschrieben hat. Und immer eine größere Menge an "Pulver" bereithalten, um günstige Nachkäufe tätigen zu können.
      Ich wünsche Dir, egal welchen Weg Du gehst- viel Erfolg und vor allem viel Glück bei der Wahl Deiner Einzeltitel-Anlagen. Glück ist ein wichtiger Faktor an der Börse, auch wenn es kaum einer offen und ehrlich ausspricht, denn (zu) viele halten sich für Experten mit dem entsprechenden Durchblick.

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  4. Ja Glück muss man sicherlich haben ;)

    Versteht mich nicht falsch, aber wenn ich aus vielen Berichten, Artikeln und Bücher eines rausgelesen habe, dann das, dass man sich in die Thematik selber einarbeiten muss und dabei weniger auf Beratung von außen hören sollte. Dennoch vielen Dank für den differenzierenden Blick auf mein Vorgehen. Generell ist ja nach 10 Jahre nicht Schluß. Die Aktien sollen dann nicht verkauft werden, nur dann möchte ich eben in andere Klassen investieren. Ev. Immobilien, vllt. lege ich mir auch Edelmetall in den ersten 10 Jahren zu, etc. pp.
    Mit vllt. 55 Jahren sollte man dann beginnen nach anfänglichen hohen Risikoinvestitionen dieses zu minimieren. Also umschichten, meiner Meinung nach.

    Aber das ist alles noch so weit weg. Vorgesehen sind Investitionen von ~3000€, die ich anspare und dann bei günstigen Gelgenheiten investiere.

    Mal schauen ich setze mich zeitlich nicht unter Druck. Ich mache mir weiterhin ein Bild und gucke nach diversen Möglichkeiten.

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