Mittwoch, 26. September 2012

Geld anlegen über Online-Kreditplattformen

Kredite von Mensch zu Mensch heißt es bei Online-Kreditplattformen. Und in der Tat, zunächst einmal hört sich diese Form von Geldanlage sowie Inanspruchnahme von Krediten als win-win-Situation an. Personen, die sonst bei Banken kein Geld (mehr) bekommen, leihen sich dieses direkt von anderen Leuten, die eine gute Rendite wünschen. Vor ein paar Jahren habe ich mich daher ebenfalls mit ein bißchen "Spielgeld" als Gläubiger versucht.



Die beiden bekanntesten Anbieter sind auxmoney und smava. Die Anmeldung funktioniert quasi analog zu anderen Banken, was ja letztendlich auch Vertrauen schafft. Als Anleger - dessen Sicht möchten wir ja hier betrachten -  kann man dann zwischen verschiedenen Leuten wählen, die ein paar tausend Euro für diverse Vorhaben benötigen. Das können Anschaffungen, eine Weiterbildung oder eine Umfinanzierung sein. Die Bonität des Schuldners ist zuvor von dem jeweiligen Anbieter ermittelt worden. Als Anleger kann man nun vermeintlich solide Schuldner mit mäßiger Renditeerwartung auswählen oder unsichere Kreditnehmer mit einer hohen in Aussicht gestellten Rendite wählen. Man fühlt sich quasi als Privat-Bank, denn ähnlich verläuft es dort ja auch. Die Rendite kann durchaus über 5% betragen - theoretisch zumindest.

Sobald das Geld gegeben wurde, erhält man 1-2 Monate später die erste Rückzahlung zuzüglich der anteilmäßigen Verzinsung. Um Zahlungsausfällen vorzubeugen gibt es einen sogenannten Poolausgleich, der bei ordnungsgemäßer Rückzahlung einbehalten wird und denen zur Verfügung gestellt wird, deren Rückzahlung nicht so reibungslos verläuft. Das schafft eine gewisse Sicherheit bei säumigen Schuldnern keine zu großen Verluste zu erleiden.

Ich bin seit 2009 mit einer kleinen Summe dabei. Es kommt immer wieder vor, dass die Rückzahlungen verspätet erfolgen. Das ist solange kein Problem wie die vollständige Tilgungsrate in absehbarer Zeit (wenige Tage oder Wochen später) doch bezahlt wird. Im Laufe der Zeit hat eine Person seinen Kredit vorzeitig zurückgezahlt. Das schmälerte natürlich die Rendite. Eine andere Person hat nun trotz mehrfacher Aufforderung der Plattform seine Rückzahlung nicht mehr fortgesetzt. Bislang lag die Rendite bei rund 5%. Zwar erhalte ich für den Ausfall eine Entschädigung von rund 20% der ursprünglich erwarteten Rückzahlung, aber die Gesamt-Rendite wird dadurch wohl auf etwa 4% oder etwas darunter zurückgehen.

Fazit:
In einem Gesamtportfolio würde ich eine Geldanlage in Online-Kreditplattformen als Anlageklasse "sonstiges" oder "Spielgeld" sehen. Die Idee finde ich wirklich gut und eine Verteilung auf möglichst viele Kreditnehmer senkt insgesamt das Risiko. Aber man sollte sich der Tatsache bewusst sein, dass man Leuten Geld leiht, die hauptsächlich nur eine derart negative Bonität aufweisen können, dass "normale" Banken ihnen keinen Kredit (mehr) geben möchten.

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Hi,

    für den Sparbuch/Tagesgeldanleger sicherlich eine gute Alternative.

    Ich bevorzuge dann aber doch Aktien ETF´s
    - weniger Aufwand
    - mehr Rendite
    - Unterstützung von Unternehmen um so Forschung, Expansion und neue Arbeitsplätze zu finanzieren

    Mein Geld soll großen erreichen dürfen! und nicht irgendwelche Küchen, Umschuldungen, Autos etc. bei Smava und co finanzieren ;)

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    1. Unterstützung von Unternehmen?
      Wo kaufst du den deine ETF Anteile? Bestimmt nicht von einem oder mehreren Unternehmen. Man kauft die Anteile an der Börse und dort hat die ein anderer Verkauft, die Unternehmen haben erst mal nichts von deinem Geld. Denn die Aktien sind in der Regel schon lange im Umlauf. Wenn du Unternehmen unterstützen willst, musst du Aktien zeichnen und das geht nur wenn das Unternehmen noch nicht an der Börse ist. Oder das Unternehmen bringt neue Anleihen auf den Markt, diese kann man dann auch erwerben und somit gibst du dein Geld direkt an die Firma.
      Aber der normal Handel an der Börse nichts damit zu tun, denn in der Regel verkauft ein Aktionär seine Aktien und ein andere Aktionär kauft diese dann. Das Unternehmen bekommt in dem Fall keinen cent.

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    2. @ Anonym

      Sicherlich richtig!

      Geld fließt ans Unternehmen beim Börsengang oder bei Ausgabe neuer Aktien.

      Der Erst Besitzer einer Aktie hat dieses Geld ans Unternehmen gezahlt. Beim Verkauf erhält er eine Gegenleistung in Form von Geld dafür, von daher entspricht die Aktie einem Anteil vom Unternehmen.

      Eine AG kann nur solange vernünftig ihre Geschäfte am Laufen halten, solange es Anleger gibt die ihre Aktien kaufen wollen und sich der Aktienkurs vernünftig entwickelt.

      Finden sich kaum Käufer (aus welchem Grund auch immer) stürzt die Aktie ab, dies führt in der Öffentlichkeit zu einem schlechteren Image. Zudem können andere Firmen vorsichtig werden, da sie eine eventuelle Insolvenz fürchten und von daher weniger Aufträge an die Firma senden. (Ausnahme bei einem Börsencrash wo so gut wie alle Aktien fallen)

      Zudem steigt bei einem niedrigen Aktienkurs die Gefahr von feindlichen Übernahmen oder gar einer Zerschlagung des Unternehmen.

      Fazit:
      Auch wen man den Unternehmen nicht direkt Geld zahlt, beim Kauf von Aktien unterstützt man das Unternehmen soweit, dass man Anteile an ihm hält und vor allem Langfrist Investoren sorgen für stabilere Aktienkurse.

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    3. Das trifft wohl eher zu wenn man sehr große Aktienpakete hält. Als kleiner Privatanleger wird man wohl kaum langfristig für stabile Aktienkurse sorgen können.

      Das stimmt auch nicht immer das sehr niedrige Kurse für ein Unternehmen in der Öffentlichkeit zu einem schlechten Image führen.
      Denn die Deutschen sind kein Anlegervolk und das ist nun mal die Mehrheit. Viele interessieren sich nicht für die Börsen, kennen die Kurse nicht, issen nicht welche Firmen an den Börsen sind usw.
      Z.B die Telekom, der Kurs war mal bei um die 100€ und heute ist er bei um die 10 € und das schon seit Jahren. Wenn ich es nicht wüsste, würde ich keinen Unterschied sehen. Die Telekom gibt es nach wie vor, dass Image würde ich sagen hat sich sogar verbessert.

      Solche Aussagen kann man also pauschal gar nicht machen.

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    4. Einigen wir uns einfach darauf, dass wir verschiedener Meinung sind!

      Und Leben unser leben weiter wie bisher ;)

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  2. @Investor:
    Die Rendite bei auxmoney ist aber bei ausreichender Streuung bis auf die Stelle hinterm Komma recht sicher. Das dürfte bei ETFs gewiss nicht der Fall sein...

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  3. Vielen Dank für die ausführliche Analyse. Ich sehe das ebenso. Man kennt sicherlich ein großes Risiko damit ein.

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  4. Diese Geldanlage ist sicherlich nicht jedermanns Sache, wer aber gerne neue Sachen ausprobiert, für den ist das sicherlich interessant.

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