Mittwoch, 25. Mai 2016

Aktien-ETFs aus aller Welt – Artikelserie Abschluss 6b - Globales Aktien-Portfolio leicht gemacht

Im Kapitel 6a der Artikelserie Aktien-ETFs aus aller Welt haben wir uns einige grundsätzliche Voraussetzungen angeschaut, um eigenständig ein Weltportfolio aufzubauen. In diesem Teil 6b stellen wir nun die einfachsten Varianten vor, ein globales Aktien-Depot zusammenzustellen.

Artikel wurde von Chris verfasst
Nachdem wir nun besprochen haben, wie viel Kapital man überhaupt in Aktien investieren sollte, kommen wir also zum eigentlichen Thema der Gestaltung des Aktienanteils. In den vorigen Teilen der Artikelserie hatte ich Ihnen einzelne ETFs für die verschiedenen Regionen vorgestellt:


Die Auswahl der Produkte ist dabei natürlich nur ein momentaner Ausschnitt. Es werden in Zukunft auch noch andere Produkte hinzukommen (und einige wegfallen). Konkrete Investitionsempfehlungen müssten daher ständig aktualisiert werden, deswegen möchte ich lieber eine generelle Vorgehensweise beschreiben, die Ihnen ermöglicht, sich Ihre ETFs bei den entsprechenden Finanzplattformen und Fondsdatenbanken im Internet selbst herauszusuchen. Wichtige Kriterien dabei sind:
  • gute und breite Abdeckung des gewünschten Segments durch den ETF-Index: Alle in der Artikelserie vorgestellten ETFs beruhen auf bekannten Standard-Indizes, die mit mehreren hunderten beinhalteten Unternehmen diversifiziert möglichst alle Regionen breit abbilden können.
  • Größe und Handelbarkeit: ein ausreichend hohes Fondsvolumen signalisiert langfristige Liquidität, und geringe Spreads (Differenz zwischen An- und Verkaufspreis) um den Verlust beim Einkauf zu minimieren.
  • laufende Gebühren (TER = Gesamtkostenquote) des ETFs sind selbsterklärend natürlich so niedrig wie möglich zu halten, da sie ja immer von unserer Rendite abgezogen werden.
  • ob ausschüttend/thesaurierend und physisch/swap-replizierend liegt dabei im Ermessen und den persönlichen Bedürfnissen jeden Anlegers selbst. Die steuerliche Behandlung von Thesaurieren und die Konstruktion von Swappern sind ganz eigene Themen, und selbst die einfache Empfehlung "wer sich damit möglichst wenig auseinandersetzen will, sollte gleich nur zu ausschüttenden physisch-replizierenden ETFs greifen" wurde manchmal schon durch die launische Verwaltungspolitik der ETF-Anbieter erschwert.
  • verlassen Sie sich auch nicht einfach nur bequem auf die Angaben bei den Fondsdatenbanken, sondern prüfen Sie bitte auch immer auf den originalen Seiten und Unterlagen der jeweiligen ETF-Anbieter nach, bevor Sie eine Investition in ein bestimmtes Produkt tätigen.

Relativ unwichtig sind dabei so Aktionsangebote wie kostenlose Sparpläne etc. Das Produkt an sich muss passen, denn ein schlechter ETF wird auch dadurch nicht besser, nur weil man ihn kostenlos kaufen kann. Solche Aktionen sind auch in ihrer Auswahl stark eingeschränkt (nicht alle ETFs stehen zur Verfügung, sondern nur die, die gerade beworben werden müssen) und zeitlich begrenzt. Beim regelmäßigen Investieren sollte man stattdessen lieber darauf achten, dass die jeweilige Rate nicht zu gering ist, damit nicht unverhältnismäßig viel Gebühren noch davon abgehen. So ist es oft besser, statt zu viel Klein-Klein lieber weniger oft, aber dafür größere Summen zu investieren. Behalten Sie daher auch die genauen Konditionen Ihres Brokers im Blick.



Aufteilung der ETFs:

Wer sich nicht mit der Aufteilung der verschiedenen Welt-Regionen beschäftigen will (oder noch zu wenig Kapital hat, um dies wirtschaftlich umzusetzen), für den ist die einfachste Art der Aktien-Anlage ein Produkt, das auf den MSCI ACWI läuft. Dieser "All Country"-Index umfasst die wesentlichen Industrie- und Schwellenländer der ganzen Welt. Voll investiert bestünde das Portfolio also aus einer Position:
  • 100 Prozent MSCI ACWI

Dabei sind natürlich gemäß der 50-Prozent-Crash Regel auch eventuelle Kursrückgänge um die vollen 50 Prozent mit zu erwarten. Ein eher sicherheitsorientierterer Anleger sollte daher seinen Investitionsgrad entsprechend anpassen und wird vielleicht sein Gesamtkapital nur zur Hälfte in den ACWI investieren und den Rest auf weniger riskante Anlagen verteilen, um so mögliche Aktienverluste nicht in ganzer Höhe erleiden zu müssen. Das selbe Grundprinzip gilt natürlich auch bei allen weiteren Portfolios, dort wird eben das Gewichtungsverhältnis der einzelnen ETFs gegenüber dem Sicherheitsanteil in gewünschtem Maße nach unten mit angepasst.

Eine etwas individuellere Verteilung lässt sich mit der Kombination aus MSCI World und MSCI Emerging Markets erreichen. Im ACWI selbst sind die Schwellenländer ja nur mit 10 Prozent Gewicht enthalten, während sie eigentlich schon einen viel größeren Anteil an der Weltwirtschaft ausmachen. Darüber hinaus ist bei der 2-Index Lösung auch das Angebot an möglichen ETF-Produkten etwas größer (und durch die Konkurrenz die Fondskosten geringer). Ein allgemein verbreiteter Verteilungsvorschlag dafür lautet zum Beispiel:
  • 70 Prozent MSCI World
  • 30 Prozent MSCI Emerging Markets

Lassen Sie sich aber auch bitte nicht verrückt machen, wenn es um die genauen Prozentangaben geht. Für die langfristige Entwicklung des Portfolios ist es weniger wichtig, ob ein bestimmter ETF nun ein paar Prozent mehr oder weniger Anteil bekommt. Am wichtigsten ist, dass man überhaupt investiert ist, und zwar langfristig in der passenden Investitionsquote (also nicht unbedingt nur zwischen einzelnen ETFs untereinander, sondern zwischen Aktienanteil und Sicherheitsanteil allgemein). Es ist dabei auch nicht besonders zielführend, eine möglichst "perfekte" ETF-Verteilung bis zur dritten Nachkommastelle zum Beispiel aus der Vergangenheitsentwicklung herausfinden zu wollen.

Sicher kann man mit Backtests analysieren, welche Produktkombination die beste Rendite gebracht hätte, aber die Zukunft hat leider noch dazu die unangenehme Eigenschaft, immer mal anders als die Vergangenheit zu sein. Und welche Depot-Aufteilung nach einigen Jahrzehnten in der Zukunft sich als die beste herausgestellt haben wird, kann heute auch noch niemand wirklich im Voraus wissen. Deswegen ist der vernünftigste Kompromiss, um sich auf solche Unwägbarkeiten einzustellen, ein möglichst breit diversifiziertes Portfolio, das "von allem ein bisschen" beinhaltet. Wer trotzdem eine ungefähre Richtlinie zur Regionen-Aufteilung braucht, um nicht einfach nur blind nach eigenen Mutmaßungen zu operieren, kann sich am ehesten noch in etwa an die jeweiligen Anteile der Regionen am Welt-Wirtschaftsprodukt halten. Im Internet findet man dazu auf Statistik-Seiten entsprechende Daten.

Mit Aktien Akademie erfolgreich sein eigenes Vermögens-Depot zusammenstellen

Das war der Teil 6b der Serie "Aktien-ETFs aus aller Welt", bei der wir uns anschauten, mit den einfachsten Möglichkeiten ein globales Aktien-Depot zusammenzustellen. Die gesamte Serie sieht folgendermaßen aus.
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Kommentare:

  1. Erst einmal vielen Dank für die Top-Artikel, die du auf dieser Seite veröffentlichst. Diese sind sehr informativ und objektiv geschrieben und können einem als Anleger sehr oft weiterhelfen.

    Auf der Seite zum Weltdepot (http://www.sicher-reich-werden.de/Weltdepot.html) gibst du die folgende Möglichkeit der Aufteilung für ein Depot:

    60%: iShares MSCI ACWI
    20%: SPDR MSCI World Small Cap
    20%: iShares MSCI Emerging Markets Small Cap

    Ich beschäftige mich jetzt schon gut 3 Jahre mit dem Thema. Habe alle deine Artikel und vor allem deine Bücher dazu gelesen, die wirklich empfehlenswert sind.

    Zur Frage:
    Ich möchte für meine Tochter, die erst im Sommer geboren wird, ein globales Aktiendepot anlegen und dabei deine Aufteilung umsetzen. Soweit würde ich diese 3 ETFs kaufen, allerdings sehe ich das Problem, das die Domizile nicht immer in Deutschland sind und dadurch der Aufwand für die Steuererklärung wesentlich umfangreicher wird. Oder ist das gar nicht so aufwendig bzw. gibt es nicht einfach einen globalen Aktien-ETF mit deutschem Domizil???
    Vielen Dank schon mal vorab.

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    1. Der "Aufwand" bei der Steuererklärung kommt meist von der selbstständigen Angabe der ausschüttungsgleichen Erträge bei thesaurierenden Fonds (bzw. dem Rückfordern bereits gezahlter Steuern beim Verkauf des Fonds, um Doppelbesteuerung zu vermeiden).

      Bei ausschüttenden ETFs kommt normalerweise* also kein Mehraufwand auf dich zu, und die großen Fondsanbieter auf dem deutschen Markt melden auch meist brav alles dem Bundesanzeiger. (* vereinzelt gabs auch schonmal einige (Teilthesaurierungen) bei einigen Ausschüttern, das ist zwar ärgerlich, aber die Anbieter sind zumindest "bemüht" dass das nicht mehr passiert). Eine Erklärung der aktuellen Situation kann man zB hier nachlesen: https://www.justetf.com/de/news/etf/steuereinfach-in-etfs-investieren.html
      Achja und mit der nächsten Gesetzesreform 2018 wird eh wieder vieles davon hinfällig geändert werden, von daher...

      "gibt es nicht einfach einen globalen Aktien-ETF mit deutschem Domizil???"

      Du kannst bei Justetf auch nach Fonds mit Domizil Deutschland suchen. Einen globalen, also World oder ACWI, scheint es dabei (noch) nicht zu geben. Es gibt zwar genügend Regionen-Fonds, dass man sich damit auch schon ein Portfolio aufbauen könnte, aber die Auswahl ist stark eingeschränkt. Irland und Luxemburg sind halt nicht ohne Grund beliebter.

      Zu deinen Fonds:
      Für den ACWI gibt es generell (noch) keinen ausschüttenden ETF, nur (ausländische) Thesaurier. Wenn überhaupt würde ich da den von SPDR favorisieren (A1JJTC), der ist am günstigsten und hat das meiste Volumen aktuell.
      Der World Small Cap ist genauso Thesaurierer. Das muss wie gesagt kein totaler KO-Grund sein, aber man sollte schon vorher wissen was da auf einen zukommt und ob man damit umgehen kann.

      Schön das du für deine Tochter was machst :-) Wenn das auf ihren Namen läuft, kannst du da auch mehr neue Freibeträge mitnehmen

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    2. Auch ich möchte zunächst einmal gratulieren für die Tochter gleich einen guten finanziellen Grundstein zu legen.

      Niemand weiß im Vorfeld, welche Gewichtung von Regionen und Größe von Unternehmen im Vorfeld die beste für die nächsten Jahrzehnte sein wird. Das kam im Artikel ja auch bereits rüber und auch die Zusammensetzung eines Welt-Portfolio auf sicher reich werden dient lediglich als ein weiteres Beispiel. Für manche ist dort der Anteil der Small Caps, also der kleineren Unternehmen zu hoch.

      Die anderen Fragen sind ja schon beantwortet worden.

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    3. Was mir immer gar nicht gefällt bei dem Gedanken für seine Kinder vorzusorgen, planen die Eltern mit ein das es später beim Bafög Probleme geben wird? (Bafög, Wohngeld…)

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  2. "...aber die Zukunft hat leider noch dazu die unangenehme Eigenschaft, immer mal anders als die Vergangenheit zu sein."

    Sehr schön geschrieben!

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  3. Man kann auch gleich den ComStage Vermoegensstrategie UCITS ETF
    kaufen , der ist von den Gebühren her bei 0,25 Prozent und ist steuerlich einfach , da mit DE vorne, also Deutscher WKN.
    Das noch Rohstoffe dabei sind ist auch nicht verkehrt.

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    1. Das kann man machen, wenn man will.

      Zur Erklärung für Leute die's noch nicht kennen, das ist ein Dachfonds-ETF (also ein ETF, der andere ETFs beinhaltet), der ähnlich wie der schon bekannte "Arero" oder "db-X Portfolio Return" ein ganzes Investmentportfolio (also regionale Aktienindizes Anleihen, Rohstoffe) in einem einzigen einfachen Produkt abbilden soll.

      Die Kosten sind allerdings nicht 0,25%, da man ja auch noch implizit die Kosten der zugrundeliegenden ETFs bezahlen muss, so kommt man praktisch eher auf ca 0,49%. Mit der zugrundeliegenden Asset-Allokation muss man sich dann auch abfinden können, da ist keine Individualisierung möglich (zB Anleiheanteil fest 30%, manche wollen ja mehr/weniger). Achja und die verwendeten Comstage-ETFs sind alle synthetisch konstruiert, was ja so auch nicht jeder möchte. Nur an einer DE-Isin kann man übrigens nicht zuverlässig erkennen ob ein ETF auch wirklich in Deutschland domiziliert und damit steuereinfach ist.

      Alles in allem sind solche Komplettportfolio-Produkte ja nichts neues (Mischfonds gibts ja im Prinzip schon lange), und auch hier gilt dass man erst genauer nachschauen sollte wie der Aufbau ist, ob man sich mit den Regeln und der Assetallocation anfreunden kann. Wenn ja, kann das sicher ein mögliches Produkt sein, und wenn einem was nicht gefällt, bleibt mit "selbermachen" der individuellere Weg.

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    2. Erst einmal vielen Dank für die schnellen Antworten. Aufgrund der langen Laufzeit, die ich für meine Tochter einplane, ist es mir besonders wichtig eine niedrige TER zu haben. Aus diesem Grund wähle ich auch zwei kostengünstigere thesaurierende ETFs, obwohl mir eine Auszahlung eigentlich besser gefällt.

      Ich habe mich jetzt für folgende Aufteilung entschieden.

      1.) iShares Core MSCI World (Thesaurierung)
      --> IE00B4L5Y983 TER: 0,20%
      --> 45% Anteil
      2.) iShares Core MSCI EM (Thesaurierung)
      --> IE00BKM4GZ66 TER: 0,25%
      --> 25% Anteil
      3.) iShares Stoxx Europe 600 (Ausschüttend)
      --> DE0002635307 TER: 0,20%
      --> 15% Anteil
      4.) iShares J.P. M EM Bond (Ausschüttend)
      --> IE00B2NPKV68 TER: 0,45%
      --> 15% Anteil

      Was haltet ihr davon? Macht die Aufteilung Sinn? Eine Antwort wäre mir sehr wichtig. Danke schon mal vorab.

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    3. "Was haltet ihr davon? Macht die Aufteilung Sinn? Eine Antwort wäre mir sehr wichtig. Danke schon mal vorab."

      Naja, im Prinzip solltest du zuerst selbst sagen, warum du dir die Aufteilung so gedacht hast, anstatt sie dir erst hinterher von anderen (mit dann evtl überhaupt nicht zutreffenden Argumenten) kritisieren zu lassen^^ Wie bist du darauf gekommen, und was soll jede Komponente zu deinem Ziel beitragen helfen ?

      Wenn du einen ausschüttenden MSCI World bevorzugen würdest, kannst du dir auch die "Core"-Version vom db-X MSCI World Index UCITS ETF (DR) 1D (IE00BK1PV551) mal ansehen, den gibts für 0,19% TER. Bei den Schwellenländern ist aktuell der UBS MSCI Emerging Markets ETF A-dis (LU0480132876) mit 0,45% das günstigste ausschüttende Angebot, da musst du entscheiden wie wichtig dir ein paar gesparte Basispunkte bei den Gebühren versus die "Einfachheit" eines Ausschütters sind.

      Warum dazu noch der Europe 600 (ist ja auch ein Teil des World schon) ? Also wenn man sich noch besonderes Entwicklungspotential von unserm Kontinent verspricht kann man so eine Übergewichtung ja gerne machen (und da ist das sicher kein schlechter ETF dazu), aber wenn nicht ist das auch nicht essentiell. Oder man macht halt gleich Regionen-Mix, dann aber richtig ^^

      Welche Funktion hat für dich der EM Bond ETF in dieser Allokation ? Was hat dich bewogen, noch $-Schwellenländerstaatsanleihen hinzuzufügen ? Aussicht auf Ausschüttungen, oder siehst du da noch großes Entwicklungspotential (oder gar Sicherheitspotential) ? Als "ruhiger Anker" fürs Depot sollte man ihn auch nicht unbedingt erwarten.

      Also prinzipiell kannst du dein Depot natürlich so machen, wenn du willst. Ganz grober Unfug ist ja nicht dabei, und über die genauen Details innerhalb des allgemeinen Rahmens kann man sowieso nur streiten, weil das jeder individuell behandelt. Das ist auch ganz vernünftig so, weil wir alle unterschiedliche Ansprüche und Bedürfnisse haben, deswegen müssen (oder gar sollten) unsere Depots auch nicht alle gleich aussehen. (Es kann also garnicht das "beste" Portfolio "für alle" geben, nur was am besten zu einem selbst passt).

      Das tolle am Sparen für die Kinder ist, dass man (im Gegensatz wenns zB um die eigene Altersvorsorge geht, wo nach X Jahren garantiert eine Summe Y da sein muss) etwas offensiver Renditepotential nutzen kann anstatt dass sich alles nur um die Sicherheit drehen muss. Denn idealerweise hat man ja noch so ugf 20 Jahre lang Zeit, in denen man sich von allen zwischenzeitlichen Krisen wieder erholen und weiterinvestieren kann ohne dass dadurch dem Kind irgendein Schaden entsteht (das ist ja aufs Kapital noch nicht angewiesen). Wenn ich nochmal für mein Kind was ansparen müsste, würde ich heute prinzipiell schon lieber verstärkt auf Smallcaps und sonstige Smartbeta-Konzepte setzen, von denen man sich über die lange Laufzeit mehr Performance-Chancen versprechen kann. Allerdings ist natürlich auch das Produktangebot in der Praxis erstmal vielleicht noch nicht so ideal ausgereift dafür.

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    4. Noch einmal vielen Dank für die ausführliche Erläuterung. Ich finde es wirklich mehr als lobenswert, dass man in diesem Forum eine ehrliche und objektive Antwort auf seine Fragen erhält. Ich habe mir die Vorschläge noch einmal durch den Kopf gehen lassen und gewisse Aspekte gegeneinander abgewogen. Letztendlich bin ich zu folgenden Entscheidungen gekommen.

      Voraussetzungen:
      - Geldvermehrung für die Tochter (Geburt im August diesen Jahres)
      - Sparplanfähig bei der Comdirect (Quartalsweise Einzahlung in einen Sparplan zur Nutzung des Cost-Average-Effektes bei Minimierung der Kaufgebühren von 1,5% pro Sparplanausführung)
      - 200,00€ monatliche Sparrate
      - Ausschüttung der Erträge zur erheblichen Steuererleichterung
      - möglichst breite Abdeckung des internationalen Aktienmarktes
      - Risiko kann vergleichsweise hoch sein (mehrere Jahrzehnte als Anlagezeitraum), Verluste von zeitweise knapp 50% sind mir durchaus bewusst

      Aufteilung persönliches Weltdepot
      1.) UBS ETF (LU) MSCI World UCITS ETF (USD) A-dis (ISIN: LU0340285161) mit einem Anteil von: 55%
      --> breiteste Abdeckung des weltweiten Aktienmarktes mit Abdeckung aller Kriterien

      2.) iShares MSCI Emerging Markets UCITS ETF (Dist) (ISIN: IE00B0M63177) mit einem Anteil von: 30%
      --> breiteste Abdeckung des Emerging Market mit Abdeckung aller Kriterien

      3.) iShares STOXX Europe Small 200 UCITS ETF (DE) (ISIN: DE000A0D8QZ7) mit einem Anteil von: 15%
      --> Aus meiner Sicht deckt der MSCI World zu wenig aus Europa ab. Aus diesem Grund wollte ich noch einen europäischen ETF, der allerdings die langfristige Überrendite der Small Caps mit einbezieht.

      4.) iShares J.P. Morgan $ Emerging Markets Bond UCITS ETF (ISIN: IE00B2NPKV68)
      --> Dieser ist nur als Direktanlage bei Überschuss (z.B. Geldgeschenke zum Geburtstag, Taufe) vorgesehen. Hier steht die gute und monatlich relativ konstante Ausschüttung im Vordergrund. Durch die breite Streuung halte ich das Risiko für vertretbar, auch wenn ich mir bewusst bin, dass es sich hier nicht um AAA-Bewertungen handelt.

      Jetzt zur Königsfrage. Macht die ganze Aufteilung Sinn oder habe ich irgendetwas komplett falsch verstanden? Die perfekte Geldanlage wird es nie geben, allerdings möchte ich meiner Tochter die bestmöglichsten Chancen beim Vermögensaufbau ermöglichen. Außerdem hoffe ich selbstverständlich, dass der ein oder andere Leser dieses Blogs ebenfalls von der Diskussion profitiert.

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    5. "Macht die ganze Aufteilung Sinn oder habe ich irgendetwas komplett falsch verstanden?"

      Klar macht das schon Sinn, wie gesagt, ganz grober Unfug ist ja nicht dabei und wenn du dich damit wohlfühlst kannst du loslegen, da wird dir hier niemand wiedersprechen. Natürlich würde jeder Andere eben gewisse Details unterschiedlich handhaben, aber das ist eben das schöne an Selbstmach-Depots, Alle können sich ihre individuell passende Allokation selbst zusammenstellen.

      Konditionen der verschiedenen Sparpläne kannst du zB hier vergleichen: https://www.justetf.com/de/etf-sparplan/sparplan-vergleich.html

      Ich denke mal du hast deine ETFs wohl schon vorher so ausgewählt, dass sie bei deinem Broker als Sparplan verfügbar sind, über das "Problem" der eingeschränkten Auswahl muss ich also nicht groß weiter reden. (ich selbst mach meine Produktauswahl eben nicht gern davon abhängig, aber wenn man einen Sparplan will, gehts eben nicht anders, und für Anfänger mag der Vorteil des Automatismus überwiegen)

      Die Gebührenbelastung, gerade bei Kleinstbeträgen, ist halt auch weiter was zu beachten. Zwar gibt es auch "kostenlose" Sparpläne, die sind aber hpts nur als Marketingkampagnen zu verstehen, zeitlich begrenzt und in ihrer Auswahl noch weiter eingeschränkt. Ich bin persönlich auch der Meinung, statt dass man jeden Monat 50€ rüberschickt (und dafür mehr Kosten anteilsmäßig abgehen) lieber weniger oft, aber dafür gleich höhere Beträge (bei denen eben weniger Kosten abgehen) zu verwenden. Da sollte man halt bei jedem Zahlungszenario vorher nachrechnen.

      Alternativ-ETFs brauche ich ja nun nicht mehr vorschlagen, wenn wie gesagt die Auswahl auf "sparplanfähig bei Comdirect" beschränkt ist, da wirds bei deinen Kriterien nicht viel anderes geben. Wenns zB unbedingt europäische Smallcaps sein müssen, fände ich persönlich den MSCI Europe Smallcap Index besser als den Stoxx Europe 200, aber dafür gibts halt keine Produkte in deinen Kriterien (sparplanfähig Comdirect, ausschüttend, etc.)

      Viel Spaß mit der Anlage. Und wie gesagt, wenns demnächst mal wieder kracht, Spar-Raten auch unbedingt weiterführen. Das ist ja überhaupt erst der Sinn des ganzen, wenn du das durchälst kriegst du in Krisen mehr Anteile fürs gleiche Geld und stehst hinterher bei der Erholung umso besser da.

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