Donnerstag, 14. April 2016

Jüngste relative Stärke der Schwellenländer - woran liegt es?

Im vergangenen Jahrzehnt waren Schwellenländer-Aktien der Renner. Auch nach der Finanzkrise erholten sich die sogenannten Emerging Markets zunächst schnell. Aber dann - mit dem Ende der Rohstoffhausse - war auch die starke Performance der Schwellenländer dahin und der Aktienmarkt der "alten" Industriestaaten erwies sich als steigfreudiger. Als die Korrekturphase seit dem Frühling 2015 begann, waren die Emerging Markets erneut besonders stark von den Kursrückgängen betroffen. Aber seit dem letzten Kursrückgang Anfang des Jahres 2016 ist etwas anders als vorher.

Von den letzten Tiefstständen im Februar haben sich die Aktienkurse mittlerweile deutlich erholt. In einem Artikel schrieb ich, dass nach Tiefpunkten der nachfolgende Anstieg besonders stark ist und dass Anleger, die versuchen solche Auf- und Abwärtsbewegungen "traden" möchten, oft diesen starken Anstieg verpassen.
In diesem Anstieg stellte sich plötzlich eine Outperformance des MSCI Emerging Markets gegenüber dem breiten Welt-Index MSCI ACWI ein (in dem der Anteil der Schwellenländer aktuell lediglich bei rund 10 Prozent liegt). Die Grafik zeigt einen Unterschied in der Entwicklung seit drei Monaten von etwa sieben Prozent. Wenn ein Index über Jahre nur heruntergeprügelt wurde, dann ist irgendwann offenbar der Zeitpunkt gekommen, an dem es nicht mehr tiefer geht. Die Auflösung des Begriffs der BRIC-Staaten (zusammengesetzt aus Brasilien, Russland, Indien und China) von Goldman Sachs im zurückliegenden Winter war hier vielleicht sogar ein Kontraindikator.

Kursentwicklung des MSCI Emerging Markets gegenüber
dem MSCI ACWI - Quelle: comdirect.de

Als nächstes hat mich interessiert, ob diese Outperformance über den breiten Markt der Schwellenländer zu beobachten ist oder nur einige wenige Länder die Zugpferde sind. Dazu habe ich mir die derzeitige Länder-Gewichtung im MSCI Emerging Markets angesehen. Diese beträgt derzeit:

19% China
16% Südkorea
13% Taiwan
8% Indien
6% Südafrika
6% Brasilien
5% Hong Kong
5% Mexiko
4% Russland
4% Malaysia

Vor rund zehn Jahren bestanden die Schwellenländerregionen vorwiegend aus den BRIC-Staaten. Aus den einstigen BRIC-Staaten weisen Brasilien und Russland im MSCI Emerging Markets aktuell lediglich noch eine Gewichtung von knapp 10 Prozent auf. Dennoch waren es neben Taiwan gerade Russland und Brasilien, die offenbar den gesamten Index nach oben zogen. Die Entwicklung der Leitbörse der jeweils größten Länder im Emerging Markets-Index ist hier im Zeitraum der letzten drei Monate gegenübergestellt. China (dunkelgrün), Indien (olivgrün) und Südkorea (rot) haben sich in diesem Zeitraum sogar etwas schwächer als der Gesamtmarkt entwickelt.

Quelle: comdirect.de

Nun sind Russland und Brasilien sehr stark von den Rohstoffpreisen abhängig. Beide Länder haben zu Zeiten hoher Öl- und Gaspreise versäumt, auch nachhaltig andere Wirtschaftssektoren zu stärken. Nimmt man nun die Entwicklung des Ölpreises in den letzten Monaten hinzu, fällt eine hohe Korrelation von Ölpreis und der Aktienmarktentwicklung beider Länder auf.

Quelle: comdirect.de

Fazit
Der MSCI Emerging Markets hat gegenüber dem breiten globalen Aktien-Index MSCI ACWI in den letzten drei Monaten erstmals seit längerem eine Outperformance gezeigt. Bei genauerem Hinsehen, waren es vor allem die extrem von den Rohstoffpreisen abhängigen Länder Brasilien und Russland, die dem Gesamt-Index dank eines Turnarounds beim Ölpreis diese bessere Kursentwicklung ermöglicht haben. In der letzten monatlichen Newsletterausgabe und in diesem Artikel hatten wir jedoch besprochen, dass der Anstieg des Ölpreises kurzfristig zwar kernig war, aber im großen Bild wohl lediglich nur eine Gegenbewegung nach einem extremen Tiefpunkt zum Jahresbeginn war.
Daher bin ich bezüglich einer massiven relativen Stärke der Schwellenländer noch skeptisch, aber wie ich oben bereits schrieb, wenn jemand oder etwas bereits am Boden liegt, geht es irgendwann einfach auch nicht mehr tiefer.

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Kommentare:

  1. Die Aktien sind global zum allergrößten Teil fair oder hoch bewertet. Die besten Jahre sind für Aktien und ETFs erst einmal vorbei. Wir werden uns alle auf kleinere Renditen und Dividenden sowie mehr Kursschwankungen einstellen müssen. Das ist zwar kein Beinbruch erschwert aber die Altersvorsorge zusätzlich zur Enteignungspolitik im Euroland. Nicht jeder hat die Zeit sich ständig um seine Finanzanlagen zu kümmern. Die Traumrenditen der letzten Jahre sind Geschichte. Es wird ungemütlicher werden an den Märkten. Was ich bei allen Strategien nicht verstehe: Gegen alles versichert man sich. Aber viele Tausende von Euro lässt man den oft großen Schwankungen an den Märkten ausgesetzt. Warum nicht absichern und ruhiger schlafen? Auch wenn es etwas Rendite kostet? Ein umdenken muss einsetzen.

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  2. Darum bin ich bereits Ende letzten Jahres in Form von zwei Sparplänen in die Märkte Osteuropa und Lateinamerika eingestiegen.Meiner Meinung nach ist es langfristig sinnvoller an solchen Tiefpunkten klein anzufangen. Und Lars ich hatte dich damals um deine Meinung gefragt bezüglich dieser Märkte und jetzt dieser Artikel. vielen Dank und Gruß Rici.

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