Freitag, 29. April 2016

ETFs mit Smart-Beta-Strategien - Artikelserie Teil 5, der Low Volatility und Multi Faktor

In den ersten Teilen der Artikelserie "ETFs mit Smart-Beta-Strategien" haben wir besprochen, welche Ideen hinter den Smart-Beta-Strategien eigentlich stecken. Zuletzt haben wir uns näher mit dem sogenannten Size-Faktor und Momentum-Faktor befasst. In diesem vorletzten Teil der Artikelserie schauen wir uns näher an, was hinter dem Low Volatility-Faktor steckt. Denn Volatilität, also Schwankungsfreudigkeit von Investments, ist, was viele Anleger vermeiden möchten. Und wir stellen ETFs vor, die mehrere von den hier vorgestellten Strategien umsetzen und deshalb eine noch höhere Wahrscheinlichkeit für eine Outperformance gegenüber Standard-Aktien-Indizes haben sollten.

Artikel wurde von Chris verfasst

Low Volatility-Faktor

Der "Low Volatlity"-Faktor beschreibt, dass Aktien, deren Kurse weniger schwanken, sich langfristig besser entwickelt haben als Aktien, deren Kurse starken Schwankungen unterworfen sind. Das scheint auf den ersten Blick dem allgemeinen finanzakademischen Grundsatz zu widersprechen, das es eine höhere Rendite immer nur auf Kosten eines höheren Risikos geben kann, aber deswegen werden solche Faktoren ja auch oft als "Anomalien" bezeichnet.

"Low Volatility"-Aktien sind selten besonders aufregende Unternehmen, sondern gehören tendenziell eher zu den langweiligeren, wenig beachteten Firmen, deren Kurse ruhiger vor sich hin dümpeln. Das Interesse an diesem Investmentansatz liegt oft darin begründet, dass solche Aktien in Börsencrashs historisch weniger Verluste als der allgemeine Markt produziert haben, und damit für eher sicherheitsbedürftige Anleger attraktiver sind.

Es gibt viele verschiedene Arten, "Low Volatility" zu messen. Zum Beispiel kann man die Standardabweichung (Maß für die Schwankungsbreite) der täglichen Kursbewegungen einer Aktie über einen gewissen Zeitraum (wie ein Jahr) berechnen, und anschließend gezielt in die "ruhigsten" Aktien eines Index investieren. Fortgeschrittenere Modelle beziehen dabei noch die Abhängigkeiten der verschiedenen Aktienbewegungen untereinander mit ein.

iShares MSCI World Minimum Volatility ETF
ISIN: DE000A1KB2D9
TER: 0,30 Prozent

Dieser thesaurierende ETF basiert auf einer Volatilitäts-Variante des MSCI World, welcher mittels einer Kovarianz-Matrix ein Aktienportfolio mit möglichst kleiner Schwankungsbreite erstellen will. Wie sich dieser Ansatz in der Vergangenheit theoretisch geschlagen hat, kann man dem Factsheet des Indexanbieters entnehmen. Dabei wird auch deutlich, dass ein Fokus auf "Low Volatility"-Aktien gerade in Börsencrashs hilfreich sein kann. So hat der LV-Index 2002 nur minus 9,6 Prozent verloren, während der normale MSCI World minus 19,5 Prozent Verlust gemacht hat. In der Finanzkrise 2008 waren die Ergebnisse minus 29,2 Prozent versus minus 40,3 Prozent und 2011 konnte der LV-Index sogar mit plus 8,0 Prozent abschließen, während der MSCI World immer noch minus 5,0 Prozent verlor. Auch wenn also Verluste natürlich nicht vollständig ausgeschlossen werden können (und der LV-Index auf der anderen Seite in starken Börsenanstiegen auch etwas hinterherhinken kann), macht es sich doch insgesamt auf lange Sicht bezahlt, dass man mehr gewinnt indem man vor allem weniger verliert.

Investments mit nur relativ geringen Schwankungen können
Anleger in unruhigen Zeiten vor größeren Verlusten schützen


db-X Equity Low Beta Factor ETF
ISIN: IE00BL25JN58
TER: 0,25 Prozent

Auch hier hat db-X wieder einen ähnlichen thesaurierenden ETF mit im Angebot. Hier wird dabei das "Beta" als ein Verhältnismaß für die Bewegungen der Aktien im Vergleich zum Mutterindex MSCI World benutzt. Entsprechend dem Scoring-System wird danach gezielt in Aktien mit niedrigem Beta investiert und auch entsprechend gewichtet. Genaueres findet sich auf den Seiten des Indexanbieters und in der Konstruktionserklärung

Ossiam World Minimum Variance ETF
ISIN: LU0799656698
TER: 0,65 Prozent

Der französische Anbieter Ossiam hat auch einen thesaurierenden ETF auf diesen Faktor herausgebracht, welcher hier den S&P Global 1200 als Mutterindex hat. Aus dessen Aktien wird ein optimiertes Auswahlportfolio mit Aktien niedriger Volatilität erstellt, die mit einer geringen historischen Korrelation untereinander das Gesamtrisiko reduzieren sollen. Details zur Vorgehensweise stehen wie immer auf den Strategie-Seiten des Anbieters.


Multi Faktor

Nachdem wir in den vergangenen Teilen der Serie einzelne "Smart Beta"-Faktoren und entsprechende ETF-Produkte kennengelernt haben, kommen wir zum Abschluss auf Multi-Faktor ETFs zu sprechen. Diese kombinieren, wie der Name schon sagt, mehrere Faktoren in einen einzigen Produkt zusammen.

Dies kann vorteilhaft sein, braucht man sich doch so nicht viele verschiedene Einzelfaktor-Produkte zu kaufen. Aber noch wichtiger ist, dass durch die Verbindung mehrerer Faktoren eine robustere Auswahl geschaffen werden kann. Bestimmte Faktoren können ja nämlich wie gesagt eine Zeit lang immer mal wieder unterperformen, während andere Faktoren dafür gerade besser laufen. So stellen Aktien, die auch mehreren verschiedenen Faktor-Kriterien entsprechen, eine gestärktere Kombination dar, denn Diversifikation praktiziert man am besten nicht nur über verschiedene Anlagen, sondern auch über verschiedene Anlage-Strategien allgemein.

Wer noch mehr Hintergründe darüber haben will, wie man Faktoren in der Praxis anwenden kann, sollte sich dazu auch die dreiteilige Studienserie "Foundations of Factor Investing" von MSCI durchlesen.

Die Kombination aus mehreren Smart-Beta-Strategien
bringt eine noch robustere Aktienauswahl
Beispiele für weltweit anlegende Multifaktor-ETFs:

iShares FactorSelect MSCI World ETF
ISIN: IE00BZ0PKT83
TER: 0,50 Prozent

Dieser thesaurierende ETF kombiniert nun die Faktoren Value, Quality, Momentum und Size in einem Produkt. Dabei werden die Aktien des MSCI World nach diesen vier Kriterien bewertet und entsprechend ihres Gesamt-Scores im ETF über- oder untergewichtet (oder ganz weggelassen). So konzentriert man sich aus den über 1600 Aktien des MSCI World auf etwa 300, die am attraktivsten zu den gewünschten Maßstäben passen. Eine vereinfachte Erklärung, wie das Auswahlprinzip in der Praxis abläuft, findet man zum Beispiel hier. Details zur historischen Index-Entwicklung gibt es bei MSCI, genauso wie auch die Konstruktionsweise näher beschrieben ist.

Source Goldman Sachs Equity Factor Index World ETF
ISIN: DE000A1XES75
TER: 0,65 Prozent

Dieser thesaurierende ETF basiert auf einem Multifaktor-Index von Goldman Sachs, in dem die Faktoren Value, Quality, Size, Momentum und Low Beta zusammengebracht werden, um so die Rendite und das Risiko im Vergleich zum normalen Benchmark durch eine optimierte Aktienauswahl und Gewichtung zu verbessern. Einzelheiten zum genauen Aufbau findet man im Prospekt des Anbieters

Amundi Global Equity Multi Smart Allocation Scientific Beta ETF
ISIN: FR0011829084
TER: 0,40 Prozent

Ebenfalls einen thesaurierenden Multifaktor-ETF gibt es vom französischen Anbieter Amundi. Der zugrunde liegende Index benutzt die Faktoren Value, Size, Momentum und Low Volatility. Aus dem Gesamtuniversum wird für jeden Faktor jeweils die Hälfte aller Aktien dazugenommen, die ein positives Faktor-Ranking haben. Anschließend wird die Auswahl so gewichtet, dass jeder Faktor das gleiche Risikomaß beisteuert.


Das war der fünfte Teil der Artikelserie "ETFs von Smart-Beta-Strategien" mit dem Fokus auf dem Low Volatility-Faktor und Multi-Faktor. Im letzten Teil dieser Artikelserie schauen wir uns die Performance der vorgestellten Strategien näher an.
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Kommentare:

  1. Ich erkenne derzeit einen für mich deutlichen Nachteil bei ETFs und Fonds. Ein ETF aus dem Bestand wurde mit Verschmelzung durch Aufnahme in einen übernehmenden ETF überführt. Der entsprechende Stichtag war bereits am 22.04.16. Immer noch kann nicht darauf zugreifen um im Fall des Falles handeln zu können. Ein dicker Minuspunkt, welcher so bei Aktien nicht gegeben ist.

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  2. Hallo Lars,

    gibt es denn schon eine Zusammenfassung. bzw. einen Performance Vergleich der verschiedenen ETF Strategien.

    Beste Grüsse

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    1. Ja, Chris und ich arbeiten gerade daran. Noch ein paar Tage Geduld :-)

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