Donnerstag, 24. März 2016

Robo-Advisors - Artikelserie FinTechs - Teil 2b

Im Teil 2a der Artikelserie "Welche Vorteile bringen FinTechs für Anleger?" berichteten wir darüber, was sogenannte Robo-Advisors sind. Im nun folgenden Teil 2b schauen wir uns an, wie die Anlagestrategie und das Rebalancing vonstatten geht und für wen Robo-Adivisors überhaupt einen Mehrwert bieten?

Artikel wurde von Chris verfasst

Anlagestrategie: Abgeleitet aus den ersten beiden Punkten gibt es bei den Robos auch keine besonderen Unterschiede oder Überraschungen in der Anlagestrategie. Es wird überall gleichermaßen auf weltweit diversifizierte, große Standardindex-Aktien-ETFs gesetzt, die mit einem jeweilig variablen Anteil Anleihen (hpts. werden dabei kürzer laufende Euro-Staatsanleihen verwendet) zu einem statischen Buy&Hold Portfolio kombiniert werden, das langfristig unverändert gehalten werden soll.
Nicht falsch verstehen, das ist absolut legitim, und für die meisten Leute (gerade Anfänger) wohl auch die empfehlenswerteste Methode - es ist aber auch keine besonders "kreative Leistung", und bietet darüber hinaus keinen eigenen Mehrwert, der nicht auch mit einem selbst nachgebauten ETF-Portfolio genauso gut viel günstiger erreicht werden kann. Mehr als ein solch allgemeines Basis-Marktportfolio wird auch nicht angeboten.
Fortgeschrittene Anleger, die schon speziellere Ansprüche und Ideen (zum Beispiel zur Gewichtung einer bestimmten Region oder Branche) haben, werden auch hier nicht bedient und müssen es sowieso selbst umsetzen. Ebenso gehören alternative Strategien, die zum Beispiel faktorbasiert oder einkommensorientiert sind, auch nicht zur Zielgruppe der Anbieter, und Leute die aktiv mit Einzelwerten handeln wollen schon gar nicht.



Rebalancing: Die Robos werben damit, dass sie ihre Portfolios regelmäßig und automatisch rebalancieren. Rebalancing ist gut und wichtig, um ein Depot auch langfristig "auf Kurs" zu halten, aber das hatte ich die ganzen Jahre auch schon problemlos alleine geschafft. Wir reden hier von einem "Aufwand", der im Normalfall nur einmal im Jahr gemacht werden muss und höchstens 15 Minuten dauert, im Excel die Ist-Soll-Verteilung zu bestimmen (hier finden Sie zum Beispiel dazu hilfreiche Tabellen) und beim Broker die entsprechenden Orders einzugeben. Die "Bequemlichkeitsgebühr" der Robos (die ja, je nach Anlagebetrag, bei mehreren hunderten bis tausend Euros liegen kann) ist mir für diese doch überschaubar minimale "Leistung" unangebracht und kein überzeugendes Verkaufsargument.

Was ist also nun abschließend von diesen neuen Robo-Advisors zu halten ? 

Mein Fazit ist vorläufig zwiegespalten, und hängt davon ab wer diese Frage stellt. Für Leute, die wirklich Totalanfänger in der Kapitalanlage sind, und sich auch nicht tiefer selbst damit beschäftigen können oder wollen (was übrigens auch eine gefährliche Einstellung sein kann), können damit schon eine relativ unkomplizierte Lösung bekommen, die noch seriös und massentauglich genug ist, dass ich nicht komplett davon abraten würde - auch wenn man hier trotzdem noch (unnötigerweise) weitere Kosten eben quasi für diese Einfachheit bezahlt. Das Robo-Argument "Zeitersparnis" gefällt mir dabei übrigens eher weniger, da für eine selbstbetreute B&H-Anlage meiner Meinung nach auch absolut nicht viel Zeit aufgewendet werden muss (spätestens wenn das Depot sowieso einmal steht).

Wer das anders sieht und damit wirklich überfordert ist, kann sich gerne überlegen wieviel Geld er bereit ist dafür an Gebühren abzugeben. Da alle einzelnen Anbieter auch vergleichbare Anlageprodukte und dieselbe B&H-Anlagestrategie benutzen, ist das relevanteste Unterscheidungskriterium im wesentlichen nur der Preis. Durch den starken Konkurrenzdruck werden sich also langfristig wohl nur die Anbieter durchsetzen, die die günstigsten Prozesse haben (oder eben den Mut, sich durch wirklich andere Konzepte von ihren Mitbewerbern abzusetzen).

Auch wenn überall auf jeder ihrer Webseiten vor allem der "langfristige Vermögensaufbau" gepredigt wird (zum Beispiel gern mit Schaubildern zur "prognostizierten 30-jährigen Anlageentwicklung"), darf bezweifelt werden, ob auch nach 30 Jahren alle diese Anbieter wirklich überhaupt noch existieren. Keine Angst, Ihr angelegtes Kapital ist dann zwar noch da (das liegt ja, getrennt vom Robo, bei einer richtigen Bank/Broker), aber Sie müssten sich dann wohl eben wieder einen neuen Robo zum Verwalten suchen. Was auch ein weiterer Punkt ist: Das Grundprinzip der ganzen Robos ist ja relativ unoriginell (Musterportfolio-Erstellung nach Schema F mit anschließend integrierter Produktvermittlung) und leicht kopierbar.

Momentan stoßen sie damit noch in die "Marktlücke" zwischen klassischer teurer Bankberatung und totaler Selbstanlage, aber sobald die großen Institute irgendwann auch mal so richtig auf den Trichter kommen und aus Kostengründen ihr Filialgeschäft zugunsten ähnlich simpler und günstiger Online-Modelle umbauen (und ihre ganze Masse an Stammkunden mitnehmen), wird bei vielen der kleinen neuen Startups hier auch ganz schnell wieder das Licht aus sein, wenn sie sich nicht mehr davon unterscheiden können. Erste Ansätze in diese Richtung wie der Comdirect Anlageassistent oder der Anlagefinder der Deutschen Bank zeigen schon, das auch die "Großen" dieses Geschäft nicht mehr ewig verschlafen wollen.

Würde ich mein bisheriges Buy&Hold ETF-Portfolio also jetzt von einem Robo verwalten wollen ?
Nein, da die damit dann ja auch nichts großartiges anders machen würden als ich selbst, spare ich mir lieber die unnötigen Kosten und behalte weiter die Kontrolle. Genauso wie beim Selberkochen versus Liefernlassen sind die "Zutaten" ja auch nur die gleichen, und man bezahlt den Mehrbetrag eben nur für die Bequemlichkeit, sie nicht selbst zubereiten zu müssen. Aber ich koche gerne, es ist günstiger und man kann genau bestimmen, wie das Essen letztendlich schmecken soll.

Wann wäre ich interessiert ? 
Erst wenn die Anbieter über das bisherige hinaus auch wirklich neuen Zusatznutzen (zum Beispiel automatisierte Quant-Strategien, die im Gegensatz zu B&H nicht so einfach für Jeden sofort replizierbar sind) oder Mehrwert für Anleger bringen, die keine Totalanfänger mehr sind, statt wieder nur ein weiterer Mittelsmann und Kostenfaktor zu sein. Passives Investieren braucht eigentlich keine unnötig teure Fremdverwaltung noch dazu. Grundsätzlich begrüße ich natürlich jede Innovation im Finanzbereich, die die Angebotsauswahl für Kunden erweitern, und denke, dass wir in den nächsten Jahren auch eine stärkere Ausdifferenzierung am Markt sehen werden. Auf der einen Seite wird es extrem günstige Basis-Portfolios für Jedermann geben (quasi das "Volks-Depot") mit Gebühren die dann nur noch bis in den Promillebereich gedrückt sind, auf der anderen Seite werden daneben auch vermehrt Anbieter von Spezial-Strategien für Fortgeschrittene entstehen, die sich vor allem über ihre Zusatzfunktionen statt nur über die geringsten Preise definieren wollen. Aktuell ist diese ganze Entwicklung aber noch im Anfang begriffen und bis dahin bleibe ich erst mal lieber weiter ein zufriedener Selbstentscheider.

Schauen Sie sich einige der Robos ruhig mal an, spielen Sie den Anmeldeprozess demo-mäßig durch und vergleichen deren konkrete Produktvorschläge mit dem, was Sie bisher schon selbst im Depot haben und kennen. Dort wird auch nur mit Wasser gekocht und viel neues Überraschendes werden Sie wahrscheinlich nicht finden. Falls doch, können Sie sich ja auch genauso gut davon "kostenlos" inspirieren lassen, indem Sie deren Musterportfolios dann einfach selbst im eigenen Depot kopiert nachbilden. So können Sie sich die dabei anfallenden regelmäßigen Zusatzgebühren der Robos sparen, und investieren dies lieber in die eigene finanzielle Bildung. Schon ein paar gute Bücher (wie zum Beispiel die oft empfohlenen "Standardwerke" von Gerd Kommer) vermitteln das nötige Wissen, um Sie zur Selbstanlage zu befähigen, was nicht nur günstiger ist, sondern auch die verantwortungsbewusste Handlungssicherheit Ihrer eigenen Entscheidungen fördert.

Das war Teil 2b der Artikelserie "Welche Vorteile bringen FinTechs für Anleger?" über. Demnächst folgen noch weitere Artikel, unter anderem über das Social-Investing oder das Crowd-Investing.
Hier noch einmal sämtliche bisherigen Artikel in der Übersicht:

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Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Hallo Lars,

    ich habe mich die letzten Tage auch etwas mit den Robo-Advisors auseinandergesetzt und ziehe etwa das gleiche Fazit wie du daraus.

    Kannst du kurz erklären, was du im vorletzten Abschnitt mit automatisierten Quant-Strategien meinst und ob man die vllt. auch als Privatanleger nutzen kann?

    Viele Grüße!

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    1. "Kannst du kurz erklären, was du im vorletzten Abschnitt mit automatisierten Quant-Strategien meinst und ob man die vllt. auch als Privatanleger nutzen kann?"

      Gerne - bisher beherrschen die Robos ja nur eine "Strategie", nämlich kaufen und liegenlassen (Buy&Hold). Dagegen ist ja auch im Prinzip nichts zu sagen (plus es ist einfach, geringer Aufwand und geringe Kosten), aber wer darüber hinaus noch andere Strategien anwenden will wird da nicht bedient (hier sehe ich halt noch eine Marktlücke, in die Anbieter vordringen könnten).

      Was könnten diese Strategien sein ? Man stelle sich das als eine Kombination aus Stock-Screener und automatisiertem Investieren vor. Stockscreener gibts ja schon einige, ich kann meine Aktienauswahl nach dutzenden Kriterien (fundamentalkennzahlen, preissignale, etc) vorfiltern lassen... nur letztendlich investieren muss ich dann halt noch weiter alleine "von Hand".

      Ich könnte mir vorstellen, dass man in Zukunft einem Robo quasi "Aufträge" wie "Suche mir alle Aktien des SP500, deren KGV unter 15 und deren 12m-Performance im oberen Quintil liegt, investiere gleichgewichtet darin (und schmeiße Aktien bei nichterfüllen auch wieder raus)" gibt, die automatisch erfüllt werden. Selbiges natürlich auch für ETFs und alles andere, zB. "aus einem vorher definierten Weltportfolio, investiere in alle ETFs die x% über ihren MA200 liegen (prüfe regelmäßig und passe ggf an)" und so weiter.

      Genauso könnte man auch das, was Lars in seinen Wikifolios macht ( http://www.passivergeldfluss.de/aktien-als-produktivkapital/profitable-unternehmen/ ), durch einen Robo automatisieren lassen. Einfach eine Reihe von Einstiegs- und Ausstiegskriterien definieren und dann kann sich auch die Maschine drum kümmern.

      Im Prinzip ist das natürlich jetzt schon möglich, aber man muss sich das alles eben noch selbst zusammenprogrammieren mit eigener Broker-API. In Amerika (wo sonst) gibt es auch schon erste Ansätze von Anbietern die einem die Strategieerstellung durch drag&drop vereinfachend abnehmen und den Handel dann automatisch ausführen. In Deutschland ist der einzige Robo, der sich vom reinen passiv-B&H Ansatz abhebt und selbst aktiv umschichtet, Scalable Capital ( https://de.scalable.capital/ ), allerdings ist auch da die Strategie vorher relativ fest definiert und man kann selbst wenig einstellen.

      Ich denke mal in diesem Bereich wird sich noch einiges entwickeln - der "Haupt"markt wird natürlich die passive B&H-Depot"verwaltung" bleiben, aber da tun sich aufgrund des niedrigen Aufwands und hohen Konkurrenz die Margen mittelfristig gegen null entwickeln, und einige Anbieter könnten versuchen durch das Anbieten von Zusatzfunktionen eben noch einige Zusatzeinnahmen zu erwirtschaften.

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    2. Damit das "funktioniert" (also, wirtschaftlich), müssen natürlich die reinen (Handels)Kosten in diesem Bereich noch extrem gedrückt werden. Mit den klassischen Konditionen deutscher Standardbroker (10€ Gebühren für eine 1000€ Transaktion usw) ist das nicht zu machen. Aber auch hier ist abzusehen dass durch neue Ansätze (Robinhood.com etc) die Tradingkosten in Zukunft auch immer weiter in den Promillebereich gegen null sinken werden.

      Wie das mit der automatisierten Verwaltung von Investmentstrategien für Privatnutzer konkret aussehen wird, bleibt natürlich noch abzusehen, aber erste Beispiele wie Capitali.se zeigen schon wohin die Richtung gehen könnte.

      Und natürlich kann/will nicht jeder Anleger selbst seine eigene Strategie zusammenbauen, da wird es sicher auch einen Markt für "vorgefertigte" (von Profis erstellte) Konzepte geben, die man dann auch gegen geringe Gebühr mitbenutzen kann (klingt erstmal auch nach gewissen Überschneidungen mit dem Modell des Leader-Follower "Social Trading" oder dem klassischen Managed Account, aber wir beschränken uns hier mal auf die reine algorithmische Strategien). Wie gesagt, Scalable Capital bietet in Deutschland schon automatisierte Portfolioverwaltung nach Value at Risk Steuerung an. In Amerika gibts natürlich schon einige mehr solcher "aktiver" Robos (die also mehr als "nur" B&H machen). Beispiel Hegeable.com, dort wird die Downside mittels einer Variante des CPPI-Prinzips bearbeitet. Folioinvesting.com oder Motifinvesting.com sind auch noch interessante Ansätze, die so manches von dem was hier in Dland angeboten wird schon alt aussehen lassen.

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