Sonntag, 27. Dezember 2015

Statusbericht der High Quality Companies Dezember 2015

Gelegentlich haben wir hier auf diesem Blog über Smart-Beta-Strategien gesprochen. Das sind strategische Verfahren der Zusammensetzung von Portfolios, die das Ziel haben, eine bessere Performance zu erzielen als der Marktdurchschnitt. Vielversprechende Ansätze dafür, bieten auch einige ETFs, über die zum Beispiel in diesem Artikel über Strategie-ETFs gesprochen wurde und Chris dort zahlreiche weitere Beispiele genannt hat.
Unter die Kategorie der Smart-Beta-Strategien fällt auch das Vorgehen bei den Profitablen Unternehmen. Die Idee der quantitativen Analyse der Profitablen Unternehmen wird leicht modifiziert in dem Wikifolio der High Quality Companies (ISIN: DE000LS9FXP4) für jeden transparent umgesetzt. In den vergangenen 18 Monaten konnte ein Aktienkorb der Profitablen Unternehmen besser performen als der europäische Aktien-Index StoxxEurope 600 und der US-Index S&P 500. Das bleibt auch zukünftig das erklärte Ziel. Über das Depot der High Quality Companies berichte ich regelmäßig am Endes eines Quartals. Hier der Statusbericht von Dezember 2015.

Zunächst einmal der Hinweis, dass das Heraussuchen von qualitativ hochwertigen Unternehmen und diese in einem Aktienkorb zu bündeln zwar erfolgsversprechende Ansätze liefert, aber immer noch eine Testphase ist. Der Vergleichszeitraum von 18 Monaten ist auch noch ziemlich kurz, um fundierte Aussagen zu treffen. Aber Sie können dieses interessante Projekt live mitverfolgen.
Weitere Details auf welche Art und Weise die entsprechenden Unternehmen herausgesucht werden, gibt es auf der Seite der Profitablen Unternehmen und eine kurze Zusammenfassung auch auf dem Youtube Kanal von Passiver Geldfluss.



Wie sieht das Portfolio derzeit aus?
Im Bericht über den Start des High Quality Companies hatte ich über die anfänglichen Stolpersteine berichtet. Neben bekannten Aktien, die auch im Depot der Dividenden-Aristokraten enthalten sind, befinden sich im Portfolio der High Quality Companies auch einige Technologie-Werte. Das ist aus meiner Sicht einer der Vorteile, wenn eine längere positive Dividendenhistorie lediglich eine von mehreren Qualitäts-Komponenten ist. Dadurch ist der Zugang für Konzerne mit einem derzeit erfolgreichen Geschäftsmodell erleichtert, die erst seit kurzem begonnen haben eine Dividende zu zahlen, wie zum Beispiel Apple oder Gilead Sciences.

Beim Blick auf die besten Performer seit Bestehen des Portfolios werden sich einige vielleicht verwundert die Augen reiben. McDonalds und Microsoft sind die derzeitigen Bestperformer. Diese beiden, vielleicht auch schon etwas angestaubten, Dividenden-Aristokraten führen das Feld zur Zeit an. Während von Microsoft oft zu lesen war, sie würden Trends immer verschlafen und erst später gerade noch aufspringen, war bei McDonalds wiederholt von zurückgehenden Umsätzen zu hören.

Trotz des Fokus auf Qualitätsmerkmale kommt es immer mal wieder vor, dass ein Wert oder ein Sektor deutlich an Wert verliert. So fiel zuletzt die Luxusbranche in der Gunst der Anleger - worunter auch Hugo Boss und Burberry litten. Dennoch sind die beiden Titel ebenso wie LVMH derzeit sichere Haltepositionen, teilweise sogar mit Kaufsignalen.
Blackstone, Medtronic und Fossil Group (derzeit schwächster Performer) sind aktuell nur knappe Haltepositionen.

Derzeit liegt die Liquiditätsquote noch zwischen 11 und 12 Prozent und nach dem letzten Durchlauf der Kennziffern gibt es fünf bis sechs Kandidaten, die knapp vor einem Kaufsignal stehen.

Große Indizes sind nur schwer zu übertreffen
Wer schon einmal versucht hat mit seinem Depot den MSCI ACWI - also den globalen Aktien-Index inklusive Industrieländer und Schwellenländer - zu schlagen, wird feststellen, dass dies durchaus kein einfaches Unterfangen ist. Aber selbst einen S&P 500 oder StoxxEurope 600 (inklusive "Nicht-Euro-Länder") muss man erst einmal in Schach halten können.

High Quality Companies (schwarz) im Vergleich mit
StoxxEurope 600 (violett), S&P 500 (grün) und MSCI ACWI (rosa)
seit 15.07.2015 - jeweils Performance-Indizes. Quelle: comdirect.de
Von Ende Oktober bis Ende November gab es eine schwächere Performance des Portfolios gegenüber den anderen hier verwendeten Vergleichsindizes. Der S&P 500 (in Euro) konnte in dieser Zeit einen zwischenzeitlichen Vorsprung von 6 Prozent herausarbeiten. Im Dezember kehrte sich das Bild jedoch um und der Abstand zum S&P 500 wurde auf 3 Prozent verkürzt. Stichhaltige Begründungen habe ich nicht parat, außer der Erkenntnis, dass derartige temporäre Performance-Schwankungen vorkommen können.

Der Zeitraum ist natürlich noch sehr kurz und kann zu diesem Zeitpunkt nur ein zwischenzeitlicher Einblick sein. Um eine möglichst gute Vergleichbarkeit zu erhalten, wurde für die Standard-Indizes jeweils der Performance-Index (also inklusive Dividenden) eines entsprechenden ETFs in Euro verwendet.
Performance vom 15.07.2015 bis 23.12.2015:
  • High Quality Companies: minus 4,4 Prozent
  • S&P 500: minus 1,6 Prozent
  • Stoxx Europe 600: minus 11,6 Prozent
  • MSCI ACWI: minus 7,2 Prozent

Zwei Vorteile durch die High Quality Companies
Als Freund von Einzel-Aktien haben Sie zusätzlich zum Depot der Dividenden-Aristokraten mit den High Quality Companies noch ein weiteres Depot mit der Einsicht in das gesamte Portfolio und auf alle durchgeführten Käufe und Verkäufe. Zudem kommentiere ich dort einige Geschehnisse oder begründe den Kauf oder Verkauf einer Aktie.

Als zweiten Vorteil - sofern Ihnen das Managen von 40 bis 50 Aktien und mehr zu viel sein sollte - können Sie das Zertifikat auch an praktisch allen Banken kaufen und am möglichen Erfolg partizipieren. Es ist weniger als Hauptinvestment, sondern eher als Beimischung eines bereits bestehenden Depots gedacht. Bei den derzeitigen günstigen Kurswerten gibt es zum Beispiel für 1.000 Euro 11 Anteile anstatt 10.

Generell besteht bei Zertifikaten ein Emittentenrisiko. Die Bilanzzahlen von Lang & Schwarz sahen im Jahr 2012 vorübergehend einmal weniger positiv aus, aber in den letzten Jahren ging es dem Unternehmen wirtschaftlich gut. Hier geht es zu den Jahresabschlussberichten von L&S.


Fazit
Der Start der High Quality Companies fiel mitten in eine schwerfällige Börsenzeit hinein und verlief entsprechend holprig. Dennoch bin ich mit der Performance des Portfolios nicht unzufrieden, wenn ich diese mit anderen großen Aktien-Indizes vergleiche. Der Turnover im Portfolio war bislang ziemlich überschaubar und beschränkte sich auf Zukäufe. Die geringe Zahl der Abgänge - bislang gab es noch überhaupt keine - spricht für die Auswahl der Titel.

Etwas überraschend für einige Marktteilnehmer dürfte die recht deutliche Underperformance des europäischen Aktienmarktes gegenüber dem US-Markt sein. Möglicherweise überwog der Umstand, dass aufgrund der wirtschaftlichen Verbesserung in den Vereinigten Staaten die US-Notenbank von der reinen Nullzinspolitik einen Schritt abrücken konnte, vor der winzig kleinen Verknappung der Liquidität.

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Eine konsequent durchgezogene Qualitystrategie bringt langfristig schon gewisse Vorteile, aber das Zauberwort ist eben "langfristig".
    Einzelne Faktoren können teilweise mehrere Jahre lang unterperformen, deswegen ist zwar nicht die Strategie schlecht, aber man muss manchmal erst 10+ Jahre durchhalten um wirklich signifikante Erfolge zu sehen.

    Du musst dich halt fragen, wie lange du Lust hast, dein WF durchzuziehen, selbst wenn es jetzt noch mehrere Jahre lang mehr oder weniger "nur" so zwischen SP500 und EUSX600 herumrentiert und du dir langsam die Sinnfrage stellst, welchen Mehrwert du überhaupt lieferst.

    Als Beispiel, wir alle "wissen" zwar das eine Valuestrategie langfristig (also auf mehrere Jahrzehnte) Überrendite erwirtschaftet, aber das ist nicht ja eben auch nicht automatisch in jedem einzelnen Jahr so. In der Tech-Blase 95-00 hat Value zum Beispiel ne ganze Zeit lang echt alt ausgesehen und war fast totgesagt, viele haben den Nutzen nicht mehr gesehen und aufgegeben. Man brauch halt Durchhaltevermögen, und da schadet es mehr als es hilft, wenn man sich aller paar Monate mit nem externen Benchmark vergleicht.

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    1. Eine gewisse Outperformance ist beim Profit-Depot bereits zu erkennen, welches jetzt 1,5 Jahre läuft. Hier beim Wikifolio ist im halben Jahr in der Tat noch nicht viel passiert.

      Hauptintention von mir ist eigentlich die dahinter stehende Aktienauswahl. Weil ich damit auch für mein eigenes Portfolio immer Kauf- und Verkaufssentscheidungen habe. Wenn das monatliche Screening durchgeführt wurde, ist das zusätzlich Managen des Wikifolios von der Zeit her sehr übersichtlich.
      Ich denke erst wenn nach einer gewissen Zeit zu sehen ist, dass sich sowohl StoxxEurope 600 als auch S&P 500 absetzen sollten, würde ich das "Projekt" als nicht erfolgreich einstufen. Aber wie gesagt besteht da für mich kein Zeit- und Arbeitsdruck.

      Der Vergleich mit einer Benchmark alle drei Monate dient natürlich auch zu informativen Zwecken für alle Leser. Ganz bewusst mache ich das nicht monatlich, sondern dreimonatlich, das reicht aus.

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  2. Hallo,
    vielleichg habe ich es auch überlesen.
    Wenn man das Wikifolio kauft partizipiert man dann auch anteilig an den ausgeschütteten Dividenden? Sprich bekommt man (in welchem zeitlichen Abstand auch immer) ebenfalls Dividenden ausgezahlt? Oder was macht das Wikifoli0 mit den aus den darin enthaltenen Aktien eingebrachten Dividenen? Reinvestieren oder Ausschütten?
    Vielen Dank.

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    1. Nein, die Ausschüttungen bleiben im Portfolio. Für Anleger, die regelmäßig Ihre Dividenden ausgezahlt haben möchten, ist das Zertifikat nicht geeignet.

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    2. Vielen Dank für die Antwort.

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    3. Anonym, du solltest dich über diese Wikifolios mal schlau machen, der erste Nachteil besteht schon darin, das es sich hierbei um Inhaberschuldverschreiungen handelt (Lehman lässt grüssen).
      Ich verstehe hier sowieso nicht, warum man auf der einen Seite das Thema Dividenden hier so hoch hängt auf der anderen Seite aber mit Wikifolio um die Ecke kommt(hier wird nichts ausgezahlt) oder warum auf Aktien und ETFs verwiesen wird (geringe Gebühren) dann aber ein Wikifolio-Depot mit 6% Gebühr angeboten wird. Das hat mit finanziellem Umdenken nichts zu tun.

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  3. Dieser Kommentar wurde vom Autor entfernt.

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  4. Das Wikifolio-Zertifikat High Quality Companies wird im Laufe des Jahres 2017 geschlossen!
    Grund dafür sind steuerrechtliche Gründe, die ein derartig aufgestelltes Portfolio für längerfristige Investments nicht mehr attraktiv machen.

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