Samstag, 18. Juli 2015

Sechs Gründe warum ich beim Investieren keine Stop-Loss-Order nutze

Gelegentlich werde ich gefragt, in welchen Fällen Stop-Loss-Order bei Investments bei mir zum Einsatz kommen. Das hat mich dazu bewogen zu diesem Thema einen eigenen Artikel zu verfassen.
Ziemlich weit verbreitet ist das Vorgehen eine eingegangene Investition mit einer sogenannten Stop-Loss-Order abzusichern. Diese Order wird in einem gewissen Abstand unter dem Einkaufswert platziert, zum Beispiel 10 Prozent. Sollte nun der Kurs des Wertpapieres entgegen der Erwartung zurückgehen, würde das Wertpapier automatisch mit einem Verlust von 10 Prozent verkauft werden. Die Idee dahinter ist, die Verluste auf ein übersichtliches Maß zu begrenzen und einen Großteil seines Kapitals zu schützen.
Hier möchte ich nun sechs Gründe nennen, warum bei mir Stop-Loss-Order im Standardfall nicht zum Einsatz kommen.

1.) Bei einer Investition ist mein Anlagehorizont auf viele Jahre ausgerichtet und in den meisten Fällen bringt mir das Investments ein passives Einkommen in Form von Zinsen oder Dividenden. Dafür nehme ich Kursschwankungen in Kauf. Mit Stop-Loss-Order würden meine Investments ausgestoppt werden, das kostet Gebühren und Bargeld bringt keine Dividendenzahlungen.
Beim Trading mag das anders aussehen, weil hier der Fokus auf kurzfristige Kursschwankungen liegt.

2.) In Crash-Phasen ist keine genaue Auslösung der Stop-Loss-Order gewährleistet. Sollte es zu einem Kursrutsch oder einem Gap (Kurslücke) kommen, die gerade auch über Nacht oder über das Wochenende passieren, wird die Order erst beim nächstbesten Kurswert ausgelöst. Dieser kann beträchtlich unter dem gewünschten Stop-Loss-Wert liegen.
Zwar gibt es auch eine sogenannte garantierte Stop-Loss-Order, die aber in der Regel zusätzliche Gebühren kostet.
Der Kursverlauf von Gerry Weber. Im Juni kam es in Verbindung eines 
kräftigen Kursverlustes zu einem Gap (Kurslücke). Eine Stop-Loss-Order 
bei 28 Euro wäre erst im Bereich von 24 Euro ausgelöst worden und hätte
einen Anleger kaum vor Verlusten geschützt. Quelle: comdirect.de

3.) Investments möchte ich gerade dann kaufen, wenn diese günstiger zu haben sind. Wenn zum Beispiel eine Aktie innerhalb eines halben Jahres 10 oder 20 Prozent preisgünstiger geworden ist und die Fundamentaldaten haben sich nicht geändert, möchte ich dieses Investments nicht verkaufen, sondern kaufen. Bei einem festen Stop-Loss verkaufe ich die Aktie gerade dann, wenn sie relativ günstig ist.
Jeder, der schon einmal mit solchen Instrumenten gearbeitet hat, kennt folgende Situation: Der Kurs fällt und erreicht die Stop-Loss-Order. Nachdem man ausgestoppt wurde, bewegte sich der Kurs wieder in die erwartete Richtung und man ist nicht mehr investiert und muss den entgangenen Gewinnen hinterherschauen oder aber das Wertpapier zu einem noch höheren Preis als ursprünglich gewählt erneut wieder kaufen.

4.) Bei globalen Aktien-ETFs wäre ich über einen starken Kursrückgang oder gar einen Crash aus Investorensicht sogar erfreut, weil ich hier praktisch bedenkenlos neue und günstige ETF-Anteile hinzukaufen kann. Wie wir in früheren Artikeln gesehen haben werden in Crashsituationen oder sogar Bärenmärkten Dividendenzahlungen längst nicht so stark gekürzt wie der zwischenzeitliche Kursverlust ausfällt. Das bedeutet, mein Nachkaufen ermöglicht mir bei dem nächsten Aufwärtstrend, der ja meist nach 1 bis 2 Jahren wieder einsetzt, nicht nur hohe Kursgewinne, sondern auch eine hohe eingekaufte Dividendenrendite (Yield on Cost).

5.) Bei einem sogenannten Flash-Crash wie er zum Beispiel im Mai 2010 vorkam, würde das Investments grundlos ausgestoppt. Damals verlor der Dow Jones innerhalb eines Handelstages über 600 Indexpunkte, um sie aber noch am selben Tag fast komplett wieder aufzuholen. Eine mögliche Ursache soll eine Manipulation des Hochfrequenzhandels gewesen sein.
Selbst im Umfeld von Notenbankensitzungen wie EZB und erst recht der Federal Reserve in den USA kommt es oft zu kurzen heftigen Kursausschlägen, weil dort teilweise nach jedem einzelnen gesprochenen Satz eine Bewegung der Kurse ausgelöst werden kann. Auch hier kann eine gesetzte Stop-Loss-Order das Investment aus dem Markt befördern (siehe 1.) ).

6.) Eine Stop-Loss-Order würde dem früher besprochenen Vorgehen des Rebalancing widersprechen. Denn dort ist gerade der Sinn in schwächeren Anlageklassen nachzukaufen und nicht gerade die im Kurs gesunkenen Wertpapiere zu verkaufen.

Dennoch ist Ausstiegstrategie wichtig
Dennoch sollte jeder, der ein Investment kauft auch eine Ausstiegsstrategie haben, um unnötige herbe Verluste zu vermeiden. Dies gilt insbesondere auch bei Einzel-Aktien. Denn diese Depotleichen sind es, die den eigenen Garten des Vermögensaufbaus verschandeln.
Es gibt viele verschiedene Kriterien, die Marktteilnehmer anwenden, um ein Wertpapier wieder zu verkaufen. Ich selbst wende bei Aktien folgende Ausstiegskriterien an:

Die Dividende wird gekürzt oder gestrichen
Untersuchungen haben gezeigt, dass eine Dividendenkürzung, erst recht eine Dividendenstreichung einen ernsten Hintergrund hat. Oft braucht ein derartiges Unternehmen dann einige Jahre bis es wieder erfolgreich ist und die Dividenden wieder jedes Jahr zahlen und sogar erhöhen kann. In diesem Fall verkaufe ich unverzüglich die Aktie und suche mir für das Geld aussichtsreichere Investments. Als Beispiel dafür schrieb ich bereits Ende 2012 über E.ON und RWE. Seitdem wurde die Dividende weitere Male gesenkt.
Ich entdecke immer wieder, dass zum Beispiel nach Streichung der Dividendenzahlung auf das Prinzip Hoffnung gesetzt wird. Dann lieber eine Aktie mit zum Beispiel 30 Prozent Verlust verkaufen. Denn den entstandenen Verlust hat man mit einem anderen Investment wahrscheinlich schneller kompensiert als mit der Depotleiche.

Die Commerzbank-Aktie hat sich seit
fünf Jahren deutlich schlechter
entwickelt als der Gesamtmarkt
(DAX) - Quelle: comdirect.de
Der Kurs einer Aktie verläuft deutlich schlechter als der Gesamtmarkt
Sobald ich merke, dass eine Aktie in einem sonst auf breiter Front ansteigendem Markt quasi stehenbleibt oder bei einer Seitwärtsbewegung des Gesamtmarktes deutliche Verluste erleidet, schaue ich mir das Investment genauer an. Als grober Richtwert gilt für mich eine schlechtere Entwicklung von 20 Prozent und mehr. Falls eine Dividende gezahlt wurde, ließ in einem solchen Fall die Dividendenkürzung nicht lange auf sich warten.
Allerdings grenze ich den Fall ab, bei dem gleichzeitig auch der Gesamtmarkt fällt oder wenn ein Kursrückgang nur temporär ist.
Anders als bei einer Dividendenkürzung oder Dividendenstreichung erfolgt kein sofortiger Verkauf, sondern ich recherchiere, ob die Fundamentaldaten eine negative Tendenz aufweisen.

Fundamentaldaten verschlechtern sich deutlich
Natürlich muss der Markt atmen können. Dazu gehört auch bei Spitzenkonzernen ein vorübergehender Rückgang von Umsatz und Gewinn. Falls eine negative Entwicklung der Bilanzdaten eintritt, prüfe ich ebenfalls einen Verkauf. Oft ist zu diesem Zeitpunkt aber auch schon einer der vorher genannten Gründe eingetroffen.


Bei ETFs schaue ich in der Regel vor allem darauf, ob es von der TER her preisgünstigere gibt oder ob das Volumen eines ETFs zu gering wird. Bei letzterem besteht die Gefahr einer Liquidierung, das heißt der ETF wird aufgelöst und als Anleger erhält man sein Geld zum aktuellen Kurswert her zurück.

Welche Ausstiegskriterien wenden Sie an? Nutzt jemand regelmäßige Stop-Loss-Order?

  • Sie wollen grundsätzlich mehr aus Ihrem Geld machen?
  • Die Zeiten einer knappen Kasse soll bei Ihnen der Vergangenheit angehören?
  • Ihr Geld soll endlich einmal hart für Sie arbeiten? 
  • Sie möchten langfristig Vermögen aufbauen?
  • Sie möchten mehr zu passivem Einkommen erfahren?
  • Sie möchten sich über den aktuellen Status der Aktienmärkte informieren?

Falls Sie mindestens eine Frage mit "Ja" beantworten konnten, tragen Sie sich rechts oben in den kostenlosen Newsletter von finanziell umdenken ein. Holen Sie sich mit der Anmeldung in den Newsletter zusätzlich das gratis eBook "Wie nahe sind Sie bereits Ihrer finanziellen Unabhängigkeit?"

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Super Zusammenfassung, Lars! Ich halte als Langfristanleger auch überhaupt nichts von Stopp-Losses und kann Deine Argumente nur unterstreichen!

    Ein Stop--Loss bringt mir gar nichts. Wenn ein Aktienkurs einbricht, muss ich nichts als erstes ans Verkaufen denken, sondern mir Gedanken darüber machen, was geschehen ist. Und mich damit auseinandersetzen. Und DANN eine Entscheidung treffen. Ein Stop--Loss setzt Entscheiden vor Wissen. Wie dumm!

    Sollte der Kurs eines hervorragenden Unternehmens, in dem ich investiert bin, einbrechen, dann will ich doch nicht zum Niedrigstkurs verkaufen, sondern kaufen!!! Genau, ich will MEHR Aktien von dem Unternehmen haben!

    Mehr dazu: Verbilligen oder Verluste begrenzen?

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  2. "Wie wir in früheren Artikeln gesehen haben werden in Crashsituationen oder sogar Bärenmärkten Dividendenzahlungen längst nicht so stark gekürzt wie der zwischenzeitliche Kursverlust ausfällt."

    Nun ja, das mit den Dividenden ist oft ein beliebtes Argument. Aber wenn ich bei 100€ gekauft habe, die Dividende 5€ beträgt, der Kurs auf 50€ fällt und die Dividende bei 2,5€ liegt, dann liegt die Dividende bezogen auf 50€ immer noch bei 5%, aber meine Ausgangsbasis sind 100€. D.h. 50€ (nicht realisierte) Verluste und Dividendenrendite von 2,5%....

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    1. Hier handelt es sich wohl um ein Missverständnis. Im verlinkten Artikel hatte ich anhand eines halbwegs repräsentativen Beispiels gezeigt, dass die Dividendenkürzung deutlich geringer als der Kursverlust ist.
      Während der Kurs um 45% eingebrochen ist, sank die Dividende (nicht die Dividendenrendite) um lediglich 9% und zwar von 2,90 auf 2,65 Euro pro Fondsanteil.
      Das ist weit entfernt vom dem im Kommentar angeführten Beispiel 5€ oder 2,50€ Dividendenzahlung.

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  3. Sowohl als auch...

    Grundsätzlich setze auch ich keinen SL bei Dividenden-Aktien. Allerdings ist die Verlockung doch sehr groß, Kursgewinne mitzunehmen...

    Daher bin ich dazu übergegangen, bei Dividenden-Aktien einen SL zu setzen, bei denen die HV (sprich Dividendenzahlung) vorbei ist und die deutlich im Plus liegen (ab ca. 20%). Bei Aktien im Minus setzte ich keinen SL und „re-balanace“, wenn die Rahmenbedingungen stimmen (Kapital habe ich ja aus den Verkäufen der Aktien im Plus).

    Wenn ich mit ALLEN Aktien im Minus sein sollte (was bisher noch nicht passiert ist), kann ich zwar nichts verkaufen, hätte dann aber immer noch die Dividendeneinnahmen.

    Darüber hinaus beginnt im September wieder meine "Einkaufssaison", in der ich Aktien mit entsprechenden Dividendenrenditen kaufe, die ja meistens in den ersten beiden Quartalen des Folgejahres gezahlt werden. Dabei nehme ich natürlich auch gerne Aktien, die ich einige Zeit vorher verkauft habe und deren Kurs zwischenzeitlich gesunken ist (bzw. die Dividendenrendite gestiegen).

    Ist zwar ein bisschen Aufwand und kostet Gebühren, aber bei einem Roundturn pro Aktie hält sich das ja in Grenzen. Für mich ist dieses Vorgehen jedenfalls ein guter Mittelweg zwischen Investieren und Trading.

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