Donnerstag, 12. März 2015

Überlegungen zur Liquiditätsaufbewahrung - Artikelserie Teil 3: Möglichkeiten der Geldreserve

Im ersten Teil der Artikelserie "Überlegungen zur Liquiditätsaufbewahrung" hatten wir uns Gedanken über eine Geldreserve für Notfälle gemacht. Im zweiten Teil schauten wir darauf, ob man eine Geldreserve für mögliche Investments halten sollte. Bei der Höhe der Liquiditätsreserve - ja sogar bei der Frage ob überhaupt - gab es bei den Kommentaren der beiden vorherigen Artikeln sehr unterschiedliche Ansichten.
Im nun folgenden dritten und letzten Teil dieser Artikelserie blicken wir darauf, welche Möglichkeiten zur Aufbewahrung einer Geldreserve überhaupt bestehen.

Bevor wir dazu kommen, noch kurz die Frage, warum ich bei der Geldreserve überhaupt die Trennung zwischen Notfällen und Investments vornehme.

Warum Trennung zwischen Notfälle und Investments?
Eine Geldreserve für Notfälle und für Investments betrachte ich tatsächlich getrennt. In Phasen wie diesen aktuell kann es tatsächlich vorkommen, dass man einen Teil des Geldes nicht investiert verfügbar hat und sich gleichzeitig fragt, warum es sich nicht gerade am Aktienmarkt deutlich vermehren kann, statt irgendwo herumzuliegen? Zum Beispiel ist der DAX seit Mitte Oktober 2014 bis heute fast 3.500 Punkte angestiegen.

In solchen Phasen eines steigenden Aktienmarktes geht oft auch nichts Unvorhergesehenes kaputt und schon stellt sich der Sinn einer Geldreserve.
Es gab Kommentare, dass daher keine Reserve vorgehalten wird und im Notfall auf einen verfügbaren Wertpapierkredit zurückgegriffen wird. Das ist durchaus eine interessante Möglichkeit. Aktuell liegt der Zinssatz für einen derartigen Wertpapierkredit zwischen 5,5 und 6 Prozent, zum Beispiel für ein Depot bei der Comdirect mit mindestens 3.000 Euro Volumen. Und wenn man in einem Zeitraum von 2 bis 3 Monaten durch hohe Einkünfte oder hohe Dividendenzahlungen das eigene Liquiditätspolster wieder aufgefüllt werden kann, kann man dieses Vorgehen tatsächlich wagen.

Aber eine Liquiditätsreserve kann auch als eine Art Versicherung angesehen werden und die entgangene Rendite ist der Preis der Versicherung.
Und spätestens wenn der nächste Aktiencrash - mit hervorragenden Kaufgelegenheiten - gleichzeitig mit dem notwendigen Erwerb eines neuen Fahrzeugs und Kühlschranks zusammentreffen, gerät man in Konfliktsituationen.
Nicht so, wenn die Notfallreserve und verfügbare Liquidität für weitere Investments getrennt betrachtet werden. Daher ist mein Vorschlag als Richtwert für beide "Becken der Geldreserve" jeweils 5 Prozent vom Gesamtvermögen vorzuhalten. Damit beträgt das gesamte zur Verfügung stehende Liquiditätspolster etwa 10 Prozent.

Letztendlich ist es eine eigene Risikoabschätzung wie wahrscheinlich es ist, dass ein Börsencrash und eine teure, aber notwendige Anschaffung zeitgleich aufeinander fallen.

Was gibt es noch außer Tagesgeld?
Jetzt kommen wir zum eigentlichen Thema dieses dritten Teils der Artikelserie. Und zwar stellt sich die Frage, auf welche Weise die Liquidität aufbewahrt werden kann. Das Tagesgeldkonto ist sicher die bekannteste Möglichkeit. Dort ist das Geld sicher, flexibel, also rasch verfügbar, aber in einem Niedrigzinsumfeld wenig rentabel. An dieser Stelle möchte ich die Frage in den Raum werfen, wie rentierlich ein Tagesgeldkonto mit 3 Prozent Zinsen jährlich bei einer Inflation von 3,5 Prozent ist? So gewesen im Jahr 2007 und Anfang/Mitte 2008. Der Blick auf die absolute Verzinsung täuscht da den Blick auf die Rendite.

Einige Menschen betreiben regelrechtes "Tagesgeldhopping", um als Neukunden für 6 Monaten einen etwas höheren Zinssatz zu erhalten als dies Stammkunden angeboten wird. Mittlerweile gibt es ein Unternehmen, welches einem dieses Springen zu verschiedenen Tagesgeldanbietern sogar schon abnimmt. Aber dazu mehr in der kommenden Newsletterausgabe.

Allerdings kann es neben einem Tagesgeldkonto mitunter auch Sinn machen einen gewissen - eher kleinen Anteil - zu Hause aufzubewahren. Ein Tresor ist wirklich nur dann halbwegs sicher vor Diebstahl, wenn er im Boden oder in die Wand fest eingearbeitet wurde und schwer genug ist, um nicht ohne Probleme abtransportiert zu werden.
Große Summen würde ich zu Hause jedoch nicht aufbewahren. Erst recht nicht in Scheinen, denn dann kann bei einem Wasserschaden oder Feuer nicht nur die Einrichtung und das Heim beschädigt sein, sondern das aufbewahrte Geld gleich dazu.

Pfandbriefe als Liquiditätsaufbewahrung
Jetzt haben wir Bargeld und Tagesgeld als Möglichkeiten zur Aufbewahrung einer Liquiditätsreserve betrachtet. Nun wird man vielleicht nicht die komplette Reserve immer unverzüglich benötigen - es ist wie gesagt eine Risikoabschätzung - und es gibt noch eine andere Möglichkeit und zwar Pfandbriefe.

Kurs-Chart des ETF
iShares Pfandbriefe - 
Quelle: comdirect.de
In einem früheren Artikel wurde näher erläutert, was ein Pfandbrief überhaupt ist. Zudem hatten wir in den Kommentaren des Artikels über Deflation in der Eurozone kurz über diese Möglichkeit der "Geldaufbewahrung" gesprochen.
Blicken wir nun auf die Kursentwicklung des genannten iShares Pfandbriefe UCITS ETF (DE) (ISIN: DE0002635265), der Jumbo Pfandbriefe aus Deutschland im Portfolio hat. Jumbo-Pfandbriefe haben ein Mindestemissionsvolumen von mehr als einer Milliarde Euro und gelten als besonders liquide. Das heißt, man bekommt immer einen fairen Wert zum Kauf und Verkauf.

Performance-Chart des ETF
iShares Pfandbriefe -
Quelle: comdirect.de
In der ersten Abbildung ist die Kursentwicklung dieses ETFs zu sehen. Einige werden nun erwidern, dass für eine Geldreserve eine Schwankungsbreite von rund 12 Prozent in zehn Jahren nicht unbedingt gewünscht ist.

Jedoch sind in der Kursentwicklung nicht die Zinsausschüttungen enthalten, die selbst im aktuellen Nullzinsumfeld immerhin noch über 2 Prozent bringen. Daher ist darunter der Performance-Chart des ETF mit deutschen Pfandbriefen zu sehen. Man kann sich das ähnlich vorstellen wie beim Performance-Chart des DAX vorstellen, bei dem die Dividendenzahlungen einbehalten werden.

Neben dem genannten ETF mit deutschen Pfandbriefen, gibt es auch einen ETF in Euro mit Pfandbriefen aus aller Welt - iShares Euro Covered Bond UCITS ETF (ISIN DE000A0RFEE5).

Jetzt stellt sich natürlich wieder die Frage der Höhe der einzelnen Segmente Bargeld, Tagesgeld und Pfandbriefe? Bargeld dürfte den kleinsten Anteil ausmachen, da wie oben gesagt die Gefahr des Diebstahls oder der Beschädigung bzw. Verrottung besteht. Die Höhe des Pfandbrief-Anteils setze ich persönlich auf ein Fünftel bis ein Drittel an. Mehr als 50 Prozent sollten es meiner Meinung jedoch nicht sein.

Wie sieht es bei Ihnen aus, welche Formen der Geldreserve nutzen Sie außer Bargeld, Tagesgeld oder Pfandbriefe noch?

Das war der dritte und letzte Teil der Artikelserie "Überlegungen zur Geldreserve". Die gesamte Serie besteht aus drei Teilen:
Teil 1: Liquidität für Notfälle
Teil 2: Liquidität für Investments
Teil 3: Möglichkeiten zur Aufbewahrung einer Geldreserve

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Immer wieder ließt man auch wieder von Geldmarktfonds als Tagesgeld Ersatz. Was ist Ihre Meinung dazu?

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    1. Für "normale" Menschen reicht eher ein Tagesgeldkonto eigentlich schon völlig aus. Erst ab wenn die Summen mehr als sechstellig werden und die Banken beginnen rumzuzicken , wird sowas relevant (betrifft also z.B. größere Firmen etc).

      Man bedenke ja, dass Geldmarktfonds ja auch (Order- und Verwaltungs)Gebühren kosten, sich ihre "Rendite" aber am gerade allgemein niedrigen Zinsniveau orientiert.

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    2. Ok danke,
      Mein Gedanke kam daher, da meine Tg-Bank grade angekündigt hat die Zinsen mal wieder zu senken (jetzt auf 0,6%). Und da ist man natürlich auf der suche nach Notgroschen fähigen Alternativen.

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    3. kein Problem. Kannst ja mal schauen ob hier was interessantes für dich dabei ist.

      http://www.finanzen.net/fonds/fondskategorie/geldmarktfonds@inSort_7

      Wie gesagt, Geldmarktfonds investieren entgegen ihrem Namen eigentlich hpts in kurzlaufende Anleihen, weniger in Bankeinlagen. Um eine Rendite wesentlich über dem Zinsniveau (ansonsten kann man ja gleich beim Tagesgeld bleiben) zu erwirtschaften, müssen sie natürlicherweise auch mehr ins Risiko gehen (z.B. Schuldverschreibungen niedrigerer Bonität, Währungsarbitrage). Sortierst du die Liste mal nach Jahresperformance sind da sicher einige Fonds mit >2-4% dabei... allerdings beim Blick auf den Chart sieht man dass das auch mit einigen Schwankungen verbunden ist und ich weiß nicht ob das ein gutes Gefühl beim "Notgroschen" ist. Achja, sortier auch mal die Rendite aufsteigend - da siehst du dass es auch viele Fonds mit gar negativer Rendite gibt.
      Achja und lass dich nicht von den Performances über 30% + verwirren - das ist schlicht Währungsgewinne. Der Dollar hat ggü dem Euro in einem Jahr ja genau um den selben Betrag aufgewertet. So eine Spekulation auf die Forexkurse ist ja ganz nett wenn man sich das zutraut und fremdländische Fonds kauft, wer aber eine Marktmeinung zu Währungen hat kann die auch noch mit anderen Mitteln effektiver benutzen. Und das hat auch nix mehr mit Notgroschen und Geldreserve zu tun.

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    4. Danke für den Link,
      Habe mich mal wie vorgeschlagen mit ein Paar Filtern durch die Liste gekämpft. (Goldrating, Aufschlag<1%,Rendite <5%, Mindestalter 10 Jahre) War amüsant. Der erste Fond den ich mir angesehen habe ist 2008 um 50% gefallen... (AXA Rosenberg Global Small Cap Alpha Fund A [WKN: 691332 / ISIN: IE0008366928]) definitiv ungeeignet für einen Notgroschen! Naja werde mich ein wenig weiter umsehen, aber tendenziell bleibts doch beim Tagesgeld.

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    5. Global Small Cap ist sicherlich kein Fond, der in den (Euro-) "Geldmarkt" investiert. Typischeres Beispiel evtl.
      ESPA RESERVE EURO PLUS (EUR) (A); ISIN AT0000858105. Ausschüttungsrendite geschätzte 1-3% (wohl gegenwärtig so grob um die 1,5%)

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  2. Als Notfallgroschen halte ich 1.000,- € in bar vor und 5.000,- € auf einem Tagesgeldkonto. Diese beiden Positionen betrachte ich nicht nach dem prozentualen Depotwert oder Gesamtvermögen, da ich bei größeren Notfällen den Wertpapierkredit der comdirect in Anspruch nehmen würde (der sich ja an der Depotgröße bemisst).
    Meine "Versicherungs"kosten (der entgangenen Zinsgewinn) der beiden Positionen ist entsprechend niedrig und würde erst im akuten Bedarfsdall (Wertpapierkredit) steigen.

    Mit Sicherheit ist meine Kriegskasse zum Investieren derzeit überdimensioniert (40% des Depotwertes, auch auf dem Tagesgeld). Das liegt aber an der Umschichtung meiner Investmentstruktur zum einen und zum anderen laden mich die Kurse gerade nicht zum Kauf ein. Ich investiere monatlich einen festen Betrag und die Kriegskasse bleibt dabei unangetastet.

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