Samstag, 14. März 2015

Nur wer am Aktienmarkt dabei ist, verdient Geld

Die letzten Wochen und Monate waren für Bewohner der Eurozone schon ziemlich bemerkenswert. Nein, gemeint ist nicht das Vorgehen der neugewählten griechischen Regierung, was sicherlich ebenfalls als bemerkenswert eingestuft werden kann. Sondern die unglaublich starke Hausse am europäischen Aktienmarkt. Dass man mit Aktien 8 Prozent Rendite im Durchschnitt pro Jahr erzielen kann, hatten wir bereits früher besprochen. Aber nur wer diversifiziert dauerhaft in Aktien investiert ist, kann von den Vorteilen profitieren und schönes Geld verdienen.

In den Jahren 2013 und 2014 waren es die US-Börsen, welche eine unglaublich gute Performance hinlegten. Was auch immer geschah, Dow Jones, S&P 500 sowie Nasdaq bewegten sich letztendlich immer weiter nach oben.

Anders war es im Jahr 2014 an den europäischen Aktienmärkten. Diese bewegten sich insgesamt eher seitwärts und erst mit der Jahresendrally wurde noch eine positive Jahresbilanz erzielt. Seit dem Jahreswechsel scheint sich die Situation umgekehrt zu haben. Nun läuft der US-Markt eher seitwärts und die europäischen Aktienmärkte erleben eine dynamische Hausse. Der EuroStoxx 50 hat seit Jahresbeginn 16 Prozent, der DAX 21 Prozent zugelegt. Diese Aufwärtsbewegungen bei europäischen und deutschen Indizes hatte im Vorfeld kaum jemand erwartet, zumindest nicht in dieser Größenordnung.

Das ist alles ziemlich typisch für den Aktienmarkt. Einerseits größere Kursschwankungen innerhalb weniger Tage, auf der anderen Seite längere Seitwärtsphasen, um dann binnen weniger Wochen einen beachtlichen Kursgewinn zu vollziehen. Im nächsten Monatlichen Marktbericht schauen wir uns den Wechsel von Seitwärtsbewegungen und Aufwärtstrends in der langfristigen Zeitskala konkreter an.

Das alles genau zu timen ist ziemlich schwierig. Meine Erfahrung ist: Mal gelingt es, aber mindestens ebenso oft auch nicht. Daher ist meine Devise einfach dauerhaft im Aktienmarkt investiert zu bleiben. Und zwar möglichst global diversifiziert. Nur dann verdient man mit hoher Wahrscheinlichkeit gutes Geld, nämlich die oben genannten 8 Prozent im Durchschnitt mit Kursveränderungen und Dividenden. Nur dann ist man mit bei der Partie, wenn Aktien innerhalb weniger Wochen um 15 bis 20 Prozent an Kurswert gewinnen.
Selbst wenn die Börse sehr lange und deutlich angestiegen ist, bin ich kein Fan davon im großen Stil Gewinne mitzunehmen und Aktien zu verkaufen. Was ist, wenn der Markt weiter steigt? Über eine alternative Möglichkeit, bei einem stark angestiegenen Markt die entstandenen Gewinne abzusichern, hatten wir im Artikel über Puts und short-ETFs gesprochen.

A propos Dividenden. Wer seinen Fokus - wie hier auf diesem Blog oft besprochen - auf den regelmäßigen Ertrag durch Dividendenzahlungen legt, kann die Sache noch entspannter angehen. Denn bei breiten Aktien-Indizes bleibt die jährliche Dividendenzahlung ziemlich stabil, kaum abhängig von den wiederkehrenden Marktbewegungen. Aber auch hier gilt, nur wer investiert ist, kann auf diese Weise Geld verdienen.

In der Abbildung ist der DAX von September 2014 bis März 2015 zu sehen. Alleine in diesem halben Jahr sind zu mir zu verschiedenen Zeitpunkten von anderen Leuten direkt oder indirekt als Kommentare und Äußerungen zu anderen Finanz- und Wirtschafts-Artikeln sehr unterschiedliche Stimmungen gelangt. Diese 5 Zeitpunkte sind mir deutlich in Erinnerung geblieben und ich möchte sie hier teils wortwörtlich, teils sinngemäß wiedergeben. Alle hatten aber eines gemeinsam und zwar gab es immer irgendwelche Gründe keine Aktien zu kaufen. Aber lesen Sie selbst, vielleicht entdeckt sich der eine oder andere Leser wieder.

DAX-Performance-Index von Mitte September 2014 bis März 2015 - Quelle: comdirect.de


Zeitpunkt 1 (Mitte Oktober 2014)
Hui, was geht das runter beim DAX, Gründe dafür gibt es ja genug. Ein Sprichwort sagt: "Greife nie in ein fallendes Messer", daher warte ich erst einmal ab.

Zeitpunkt 2 (Ende November 2014)
Puh, da ist der DAX aber schnell wieder auf 10.000 Punkte angestiegen, ich wollte doch eigentlich kaufen. Bei der nächsten Korrektur steige ich aber ein.

Zeitpunkt 3 (Mitte Dezember 2014)
Aha, die nächste Korrektur hat begonnen. Aber ein bisschen warte ich noch, denn wir sind ja noch weit vom letzten Tiefpunkt im Oktober entfernt.

Zeitpunkt 4 (um den 20.Januar 2015)
Hm, jetzt sind wir beim DAX fast bei 11.000 Punkten, zum Kaufen ist es nun viel zu spät. Wegen der aufkeimenden Grexit-Debatte könnte man vielleicht jetzt Aktien verkaufen, um sie bei der nächsten Korrektur wieder günstiger neu zu kaufen?

Zeitpunkt 5 (Mitte März 2015)
Unglaublich, der DAX läuft unaufhaltsam Richtung 12.000 Punkte. An einen Kauf im Aktienmarkt ist jetzt überhaupt nicht mehr zu denken. Ist das vielleicht das letzte Aufbäumen vor einem großen Crash?

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. So schlecht sind die US-Indizes in den letzten Monaten nun auch nicht gelaufen, zumindest für uns als Euro-Anleger ;) Weichmacher-Draghi sei "Dank".

    Deinem immer wiederkehrenden Pladoyer für die Aktie ist eigentlich fast nichts hinzuzufügen, allerdings mit einer wichtigen Einschränkung!

    Nehmen wir mal an, der normale (also finanziell ungebildete) Durchschnittsdeutsche liest jetzt hier deinen Artikel und ist nun voll überzeugt (oder hat einfach nur genug von seinen sonstigen Mickerzinsen).... und so blöd wie er eben nunmal ist, räumt er sofort sein ganzes Sparkonto leer und schmeißt alles komplett auf einmal in den Aktienmarkt.... zu den Höchstständen. Ende der Geschichte ist ja bekannt. Und beim nächsten Crash schwört er wieder Aktien ab... bis zum Ende der nächsten Rallye... repeat.

    Es ist immer wieder wichtig darauf hinzuweisen (machst du ja auch an einigen Stellen) dass es, gerade für Einsteiger, besser ist lieber in kleineren Summen intervallisch zu investieren. Ja, man verpasst vllt ein paar Prozentpunkte Rendite wenns einfach weiter schön bergauf geht, aber spätestens beim nächsten zwangsläufigen Hänger wird man froher sein noch genügend Cash parat zu haben, die billigeren Kurse zum Nachkaufen zu nutzen.

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  2. Hi,
    glaube den richtigen Zeitpunkt um Kaufen finden die wenigsten. Wenn man langfristig investiert spielt der Kaufzeitpunkt ja eh eine untergeordnete Rolle.

    Das Thema Medien ist so eine Sache. Wenn z.B. der DAX steigt werden bestimmt Gründe genannt. Würde er stattdessen sinken, würde man andere Gründe finden. Oftmals machen die Kurse die Nachrichten, und dabei lassen sich immer Gründe für`s Steigen als auch für sinkende Kurse finden. Ich persönlich gebe nicht (mehr) so viel auf die Presse. Stattdessen versuche ich mir meine eigene Meinung zu bilden.

    VG

    Sparfuchs

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    1. Die "Medien" kannst du wirklich komplett in die Tonne treten. Ich habe ein paar Finanzseiten gebookmarkt, aber nur um die Kurse zu checken - die ganzen "Analysen" und Prognose-Artikel darüber, warum die Kurse nun so sind wie sind und wie sie werden, sind zu nichts zu gebrauchen und lenken vom wesentlichen ab: eine einmal festgelegte Strategie konsequent zu verfolgen, ohne andauernd hin- und herzuspringen zwischen dem was die Zeitungen grad bejubeln oder verteufeln. Wer ein bischen Hirn hat merkt auch schnell das der Großteil der Artikel mehr oder weniger "Werbung" ist, also wo der Autor ein gewisses Eigeninteresse daran hat eine bestimmte Meinung zu vertreten. Die Finanzbranche gibt uns ja nicht uneingennützig so tolle Ratschläge weil sie uns nur helfen will ;)

      Das Grundproblem ist, dass man sich eingestehen muss dass die Aktienkurse bis zu einem gewissen Zeitrahmen mehr oder weniger zufällig und nicht vorhersehbar sind. Menschen können aber psychisch mit solchen Situationen des Kontrollverlusts nicht gut umgehen und neigen zum "rationalisieren", d.h. Erklärungen suchen - egal ob die stimmen oder nicht, hauptsache irgendetwas um zumindest nur das Gefühl zu haben man ist dem ganzen nicht hilflos ausgeliefert (so entsteht zb. auch Aberglaube). Gründe lassen sich für alles hinterher finden (und bei den tausenden Meinungen da draussen wird es auch immer einige geben die vorher schon alles wußten), aber ihre Beliebigkeit zeigt doch wie sinnlos das ist.
      Grad haben wir politische Krisen überall und die (Real)Wirtschaftsdaten sehen auch ziemlich mau aus, na und die Börse macht trotzdem Höchststände. Hat das vor 6 Monaten jemand geahnt ? Nein - der DAX z.B. hat bereits im jetzt März die optimistischsten JahresENDprognosen der Banken"analysten" übertroffen. Auch die studierten Herren im Anzug sind also im Grunde genauso ratlos wie der Rest.

      Abschalten - langfristig Investieren - Dividenden sammeln!

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    2. Hi,

      in vielen Punkte stimme ich dir uneingeschränkt zu. Als kleiner Anleger sollte man meiner Meinung nach auch nicht hauptsächlich auf den Stand eines Indizes schauen. Sondern wenn man am Aktienmarkt investieren möchte sollte man sich auf einzelne Unternehmen konzentrieren und sich die Fakten ansehen. Das heißt die wichtigsten Kennzahlen und sich sein eigenes Bild machen. Darüber hinaus auch vielleicht seinen Kopf einschalten und mit gesunden Menschenverstand handeln :)

      VG

      Sparfuchs

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  3. Richtig, den richtigen Zeitpunkt zum Ein- bzw. Ausstieg kann man nur per Zufall treffen. Ich habe einige Aktien im Dezember 2008 gekauft, weil ich mir noch steuerfreie Veräußerungsgewinne sichern wollte. Es war ein Zufall, daß damals die Aktien auch niedrig standen. Einige stellten sich später als Treffer heraus (z.B. BASF < 30), andere, wie die Versorger, als Nieten.

    Man muß mit der Unsicherheit leben können. Deswegen setze ich auch lieber auf Dividendenpapiere als auf Kursgewinne. Dividenden lassen sich sicherer vorhersagen, obwohl es da natürlich auch den falschen Einschätzungen (s. Versorger) gibt.

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  4. Der Begriff "Medien" scheint hier etwas missverständlich angekommen zu sein. Die Aussagen zu den 5 Zeitpunkten waren alles Meinungen von Anlegern oder potenziellen Anlegern, die entweder direkt zu mir kamen oder die ich "in den Medien" zum Beispiel als Kommentar unter diversen anderen Artikeln über Finanzen und Wirtschaft gelesen hatte.
    Ich werde die Formulierung im obigen Text etwas modifizieren.

    @Anonym, 14.03. um 18:19: Richtig, sämtliches Geld auf einmal zu investieren ist auch nicht mein Vorgehen. Das habe ich an vielen anderen Stellen auch dazu geschrieben, nur hier jetzt - ausnahmsweise - mal nicht.

    Wobei das intervallweise Investieren längst nicht überall Konsens ist und nicht wenige den Weg bevorzugen, immer alles sofort zu investieren, weil der Aktienmarkt ja langfristig steigt.
    Zuletzt hatten wir die unterschiedlichen Ansichten in der Artikelserie über die Liquiditätsreserve, dass zum Beispiel einige Leute überhaupt keine Geldreserve halten.

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  5. Ich glaube nicht, dass wir aktuell das Ende der steigenden Kurse gesehen haben. Das Niedrigzinsumfeld sowie die aktuelle Geldpolitik der EZB sorgen für wenig Alternativen zu Aktien. Auch in den USA wird es wohl so schnell keine Zinserhöhung geben. Die Gründe liegen auf der Hand: Jede Zinserhöhung würde das Ziel der USA das Haushaltsdefizit zu verringern zerstören. Gleichzeitig würde der Dollar noch mehr gestärkt werden, was für die Wirtschaft kontraproduktiv ist. Die Aktiennachfrage im Euroraum wird durch den schwächeren Euro ebenso angeheizt. Europäische Aktientitel sind für Investoren aus dem Dollarraum interessant und daher wird auch hier der Trend weitergehen. Der Euro wird weiter sinken und in den nächsten 4 Wochen mit dem Dollar Parität erreichen. Der Ölpreis gibt mir Rätsel auf - eigentlich rechnete ich mit einer Fortsetzung der Erholung.
    China könnte die nächste Baustelle werden, eine Krise könnte für eine kurze Korrektur am Aktienmarkt sorgen. Sollte dies eintreiten und sich die Rahmenbedingungen nicht ändern, wäre es ein guter Einstiegspunkt. Also ist es ratsam, noch etwas Cash auf Reserve zu halten. Gold dürfte 2016 auch wieder steigen - dafür dürfte die Crash-Angst und der Euroverfall sorgen. Ich bin gespannt, ob die Annahmen eintreten werden. Ich werde auf gute Einstiegsmomente warten.

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  6. Ich hätte mir gewünscht, daß so ein Beitrag nach einer starken Korrektur geschrieben worden wäre und nicht nachdem der Dax in zwei Monaten 20% steigt. Man kann durchaus argumentieren, daß das die letzte Phase des Bullenmarktes ist. Ich weiß auch nicht wo der endet, aber ich springe jetzt nicht mehr auf.

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    1. Also viel mehr als mich hier seit Jahren für den Erwerb von Aktien einzusetzen, die Artikel bei Facebook und Google+ zu verbreiten, kann ich leider auch nicht machen. ;-)

      Hier nur eine kleine Auswahl von Blog-Artikeln seit 2012, die ich auf die Schnelle gefunden habe. Nach jedem dieser Artikel hätte man jedes Mal gutes Geld verdienen können.

      01.August 2012: Warum gerade jetzt Aktien kaufen?

      15.Mai 2013: Vier Jahre Aktienhausse, waren Sie wirklich dabei?

      03.August 2014: Es lassen sich immer Gründe finden keine Aktien zu kaufen

      14.Oktober 2014: Aktueller Kursrutsch an der Börse - was ist bislang eigentlich passiert?

      14.Dezember 2014: Global Wealth Report: Wir verschenken in Deutschland zu viel Geld

      28.Dezember 2014: Aktien sollten dauerhaft gehalten werden

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    2. Die Antwort ist recht einfach, die Hausse oder der Bullenmarkt stirbt in der Euphorie. Wie das sich anfühlt, wissen wir noch von 2001 her.
      Natürlich wünschte ich mir bald mal eine Woche mit 3.000 Minuspunkten im Dax, um die zittrigen Hände loszuwerden, aber sowas kommt, wenn man es nicht erwartet, nicht wenn alle aufs Laufband starren.

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    3. Wenn ich was gelernt habe, dann das an der Börse nichts einfach ist. Im nachhinein kann man sich immer hinstellen und sagen: Das war eine Euphorie und das Top. In Wirklichkeit weiss man es nämlich nicht.

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  7. Börse ist einfach, das versteht jedes Kind. Billig kaufen und streuen, geduldig sein.
    Kurzfristige Anlage: Alles unter zehn Jahren. mittelfristige 10-25 Jahre, langfristig darüber hinaus. Investieren, nicht spekulieren.

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