Freitag, 16. Januar 2015

Mario Draghi bringt globalen Aktienanlegern mehr Geld

In den letzten Monaten war häufiger die Schlagzeile zu lesen, dass EZB-Präsident Mario Draghi den deutschen Sparern Geld wegnimmt, weil er die Leitzinsen für den Euro auf nahe 0 Prozent gesenkt hat, zum Beispiel hier und hier. Die Rede ist von 300 Milliarden, die Menschen von sogenannten eher konservativen Geldanlagen nun insgesamt weniger zur Verfügung haben. Wie so oft, ist dies lediglich eine unvollständige Betrachtung der Vorgänge, denn es gibt aufgrund dieser Finanzpolitik der europäischen Zentralbank durchaus auch Gewinner. Und zwar Besitzer von globalen Aktien, die sich in der Eurozone aufhalten.

Die meist extrem niedrigen Leitzinsen, in der Eurozone, in den USA und in Japan haben in der Summe mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu geführt, dass die weltweiten Aktienmärkte gut gelaufen sind in den letzten knapp sechs Jahren. Nicht wenige vermuteten hinter der haussierenden Börse sogar eine Vermögensinflation (oder auch Asset Inflation). Statt der erwarteten Inflation für Preise, blieben diese einigermaßen stabil und die mehr verfügbare Liquidität floss vermeintlich in Aktien.

Das heißt, wer wegen der niedrigen Zinsen sein Geld in global anlegenden Aktien-ETFs oder Aktien-Fonds angelegt hat, steht aktuell mit einem schönen Gewinn da.
Nun wird für die USA bereits mit einer baldigen Zinsanhebung gerechnet (ob und - falls ja - wann dies überhaupt möglich ist, untersuchen wir im kommenden Monatlichen Marktbericht), während EZB-Präsident Mario Draghi kaum etwas anderes übrig bleibt, als die Zinsen weiter bei 0 Prozent zu halten und gleichzeitig den Euro zu schwächen.

Höhere Dividendenzahlung aus den USA
Ein Kernthema dieses Blogs ist das Erzielen von passiven Einkommensströmen, was sich unter anderem mit ausschüttenden Aktien-ETFs oder dividendenzahlenden Aktien-Unternehmen umsetzen lässt. So gibt es die Übersicht der Ausschüttungsrendite von ETFs, das High Yield/Dividend Depot und das Dividenden-Aristokraten Depot, bei denen sich Leser kostenfrei Anregungen über eigene Investments machen können.

Gerade in den USA ist die Aktienkultur und Aktien als zuverlässige Dividendenzahler zu betrachten eine deutlich andere als zum Beispiel in Deutschland. Nicht nur, dass in den Vereinigten Staaten mehr Unternehmen auf eine stetige Dividendenzahlung achten, die Auszahlung erfolgt hier sogar quartalsweise. Mit geschickter Zusammenstellung von Aktien oder Aktien-ETFs lässt sich somit eine regelmäßige monatliche Dividende erzielen.

Daher sind selbst in Europa viele Aktien mit dem Unternehmenssitz in den USA als Anlage interessant. Wenn nun ein Großteil des Geschäftes in Nordamerika abgewickelt wird und gleichzeitig der Euro gegenüber dem US-Dollar an Wert verliert, erhalten Anleger in der Eurozone eine höhere Dividendenzahlung, ohne dass das Unternehmen die Dividende erhöht.

Beispiel: Angenommen Aktie XY zahlt pro Quartal 1,00 US-Dollar. Im ersten Quartal war der Euro noch 1,40 US-Dollar wert. Also bekam der Anleger aus der Eurozone 0,71 Euro. Nun fällt der Euro im vierten Quartal und ist nur noch 1,20 US-Dollar wert. Dann erhält der Eurozonen-Anleger 0,83 Euro pro Aktie ausgezahlt. Eine satte Steigerung von 17 Prozent in einem Jahr.

Da der Euro in den letzten Monaten auch gegenüber anderen Währungen wie dem Kanadischen Dollar oder Chinesischen Yuan abgewertet hat, erhalten Eigentümer von Aktien außerhalb der Eurozone häufig eine höhere Dividendenzahlung. Sie haben letztendlich mehr Ertrag im Portemonnaie.

Vorteile beim Export
Mittlerweile hat der niedrige Euro ein Niveau erreicht, bei dem etliche Unternehmen aus der Eurozone und erst recht aus Deutschland ihre Waren und Dienstleistungen außerhalb der Eurozone recht günstig anbieten können und damit beim Export Vorteile genießen können.

Jetzt wurde kürzlich erst bekannt, dass die Schweizer Zentralbank den Schweizer Franken nicht mehr zu einem Wechselkurs von 1,20 an den Euro koppelt. Grundsätzlich begrüße ich, wenn derartige künstliche Marktregulierungen aufgehoben oder erst gar nicht eingeführt werden. Allerdings kam dieses Maßnahme für die meisten Marktteilnehmer überraschend, so dass es zu großen Schwankungen und Anpassungen bei einigen Währungspaaren und einem Kursrutsch von fast 10 Prozent am Schweizer Aktienmarkt kam.

Fazit
Die etwas plakative Überschrift möge man mir verzeihen, aber ähnliche Schlagzeilen mit dem angeblichen Verlust für die Deutschen habe ich einfach zu oft gelesen. Bevor man sich über einen Umstand beschwert, sollte man zunächst einmal prüfen, ob man selbst eigenverantwortlich etwas verändern kann. Denn es gibt kein Anrecht auf eine hohe Verzinsung.
Die niedrigen Zinsen und der neulich auch recht schwache Euro führen meist zu freundlichen Ergebnissen bei denen, die in globale Aktien investiert sind. Dass sich breit gestreute Aktieninvestments generell als längerfristige Geldanlagen für Privatanleger zum Vermögensaufbau oder als zusätzliches Standbein zur Altersvorsorge lohnen, habe ich hier häufig dargelegt. Aktienbesitzer gehören meiner Meinung nach klar zu den Profiteuren der Geldpolitik der europäischen Zentralbank.

Zum Abschluss wegen der Vollständigkeit noch der Hinweis, dass Aktien lediglich Teil eines gut diversifizierten Depots sind.

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Es sollte sich angesichts der vermutlichen weiteren Schwächetendenz des Euro lohnen, in ausländische Aktien zu investieren, die ihre Umsätze überwiegend in ihrem Heimatmarkt erzielen, also nicht in die Eurozone exportieren. Diese haben operativ wenig(er) unter dem Euroverfall zu leiden und gleichzeitig steigert sich für deutsche Anleger die Dividendenhöhe und -rendite, wie Du es beschrieben hast, Lars.

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  2. Globale Aktien eigenen sich nicht nur für den Vermögensaufbau - sie können auch den Konsum verbilligen.

    Ein Beispiel:
    Ich habe meine US-Wertpapiere bei einem online-broker, die Dividenden werden auf einem US-Dollar-Konto gutgeschrieben. Da wir Verwandte in den USA haben und ich mindestens einmal im Jahr dorthin fahre, wirkt der Wertverfall des Euros für mich nur beschränkt.

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