Freitag, 9. Januar 2015

Dividenden-Aktien oder Wachstums-Aktien?

Abgesehen von kurzfristigen Handel, dem Trading, macht der Kauf von Aktien nur Sinn, wenn man diese mindestens 5, besser länger als 10 Jahre behält. Oder wie Warren Buffett einst sagte: "Eine Aktie, die man nicht 10 Jahre zu halten bereit ist, darf man auch nicht 10 Minuten besitzen".
Selbst wenn bis hierhin noch viel Einigkeit besteht, gibt es letztendlich doch unterschiedliche Motivation am globalen Produktivkapital teilzuhaben. Die einen möchten mit dem Kauf möglichst hohe Kursgewinne erzielen, andere möchten Aktien dazu nutzen, um eine regelmäßige Dividendenausschüttungen zu kassieren. Oder sogar beides. In diesem Artikel möchte ich der Frage nachgehen, ob man als Dividenden-Investor auch Wachstums-Aktien halten sollte.

Zunächst einmal gilt es zu überlegen, welche Motivation jemand hat sich auf "Dividenden-"Aktien zu konzentrieren. Eine regelmäßige Dividendenzahlung einer Investition in Aktien sorgt für Ertrag, für ein passives Einkommen. Nahe liegend ist der Wunsch nach regelmäßigem Ertrag, sofern sich jemand bereits im Ruhestand befindet oder schon frühzeitig keiner Tätigkeit zum Geld verdienen nachgeht und Privatier ist. Aber bereits während des üblichen Arbeitslebens hat es schon gewichtige Vorteile sein Einkommen mit regelmäßigen Dividendenausschüttungen aufzubessern.

Wer gerade einmal 1.000 Euro investiert hat und einmal pro Jahr netto 30 Euro erhält, wird die Vorteile weniger sehen als jemand, der bereits 500 oder 1000 Euro netto pro Monat an Dividenden erhält. Zur Erinnerung, im Artikel "Merken Sie sich den Wert 3,50 Euro" hatten wir gesehen, dass man diese monatlichen Zahlungen bereits mit einem angelegten Vermögen von 150.000 bis 300.000 erzielen kann. Das ist viel Geld, denken einiger Leser nun. Nicht unbedingt, wenn man bedenkt, wie viele Menschen sich für diesen Betrag oder noch mehr ein Eigenheim abzahlen.

Noch anders ist die Situation für einen Millionär. Dieser kann auf diese Weise rund 3.500 Euro netto monatlich auf sein Konto fließen sehen. Ich denke, spätestens jetzt wird klar, warum das Investieren in Dividenden-Aktien oder Dividenden-ETFs insgesamt so beliebt ist.

Auf der anderen Seite ist häufig der Wunsch vorhanden im Laufe der Jahre Vermögen aufzubauen. Das ließe sich damit umsetzen, indem die ausgezahlten Dividenden gleich wieder reinvestiert werden (also neue Aktien oder ETF-Anteile gekauft werden). Der Vorteil liegt auf der Hand, denn selbst ohne frisches eigenes Geld erhält der Aktionär auf diese Weise immer mehr Aktien, die anschließend auch einen immer höheren Ertrag ausschütten. Wer sein Depot regelmäßig mit frischem Geld nährt und die ausgeschütteten Dividenden gleich wieder reinvestiert, bringt einen regelrechten Schneeball-Effekt ins Rollen. Je länger diese Phase andauert, desto stärker wirkt der Zinsenszins.

Allerdings fallen bei jedem Neukauf von ETF-Anteilen oder Aktien Gebühren an und bei Dividendenzahlungen gegebenenfalls auch Steuern, sobald man sich über der Freigrenze befindet.

Steuern zahlen muss man ebenfalls für sogenannte thesaurierende ETFs, obwohl die ausgezahlten Dividenden im ETF verbleiben. Lediglich die Gebühren fallen im Vergleich zu einem ausschüttendem Investments mit anschließender Reinvestition weg.
Noch einmal zur Erinnerung, weil das manchmal missverstanden wird. Die Anteile des thesaurierenden ETFs bleiben gleich und die Reinvestition äußert sich für den Anleger, dass mit dem ETF-Wert und ETF-Anteilen scheinbar nichts geschieht, außer das er die Steuern dafür zahlen muss. Hier gibt es mehr zur Besteuerung von thesaurierenden ETFs.

Aktien, die keine Dividende zahlen
Es gibt auch Aktien, die überhaupt keine Dividende auszahlen. Die erzielten Gewinne verbleiben im Unternehmen und werden dort investiert, zum Beispiel in Entwicklungsarbeit oder neue Standorte. Diese Art von Unternehmensanteilen werden auch Wachstums-Aktien genannt. Hier wird das Augenmerk auf Kursgewinne gelegt, die der Anleger mit dem Kauf dieser Aktien erhofft.
Prominente Beispiele sind Google, Facebook, Amazon oder Alibaba. Früher gehörte auch noch Apple dazu, aber der geldschwergewichtige Konzern zahlt mittlerweile eine regelmäßige Dividenden.

So hat sich der Wert der Aktie von Google von 50 US-Dollar im Jahr 2004 auf rund 600 US-Dollar im Sommer 2014 entwickelt. Oder Tesla Motors konnte in den letzten drei Jahren einen Kursgewinn von über 730 Prozent vorweisen.

Auch die wohl prominenteste Beteiligungsgesellschaft weltweit, nämlich Warren Buffets Berkshire Hathaway, investiert anfallende Gewinne und Dividendenzahlungen im eigenen Unternehmen. So sehr Warren Buffet selbst Dividendenzahlungen liebt, an seine Anleger zahlt er keine.

In Haussephasen performt der Technologie-Index Nasdaq
häufig besser als der breite Gesamtmarkt. In schwarz der
S&P 500 gleichgewichtet. Quelle: comdirect.de
Für Anleger ergeben sich mit dem deutschen TecDAX und erst recht mit dem US-amerikanischen Nasdaq-Index die Möglichkeiten sich ganze Indizes von Wachstums-Aktien, die vorwiegend im Technologie-Sektor zu finden sind, ins Depot zu holen. In Hausse-Zeiten - wie aktuell - können Anleger mit Wachtums-Aktien höhere Gewinne erwarten. In schwierigeren Zeiten performen oft die sogenannten Dividenden-Aktien besser.
Allerdings bedeutet nicht, dass ein Unternehmen, welches keine Dividende zahlt automatisch ein Wachstumsunternehmen ist. Eine fehlende Dividendenzahlung kann auch eine Folge von wirtschaftlichen Schwierigkeiten sein. Anleger von zum Beispiel SeaDrill oder langfristige Fans der Commerzbank-Aktien wissen, was ich meine.

Was bekommt der Dividenden-Investor nicht?
Er wird nicht den Wert seiner Aktien in einem halben Jahr verdoppelt oder gar verdreifacht haben. Der Dividenden-Investor wird auch nicht mit einem Startkapital von 50.000 Euro in zehn Jahren ein millionenschweres Depot haben. Beides ist durchaus mit sogenannten "Wachstumsraketen" möglich.

Jedoch verändert sich die Welt der Technologie sehr schnell, weshalb es so schwierig ist, einen so genannten finanziellen Burggraben aufzubauen, der über mehrere Jahrzehnte halten wird.
Der Versuch die nächste Google, Apple oder Microsoft sehr frühzeitig ausfindig zu machen, wird oft scheitern. Die Chance den zukünftigen Konzern zu finden, dem die Welt zu Füßen liegen wird, ist gering und die Träume kosten am Ende etlichen Anlegern viele Euro oder Dollar.

Die einfachste Methode beides im Portfolio zu haben sind ganze Indizes zu kaufen, die es kostengünstig als ETFs gibt. Auf der Seite "Welt-Depot selbst zusammenstellen" gibt es ein Beispiel, wie man mit drei ETFs den weltweiten Aktienmarkt nahezu vollständig abbildet.

Fazit
Mit Wachstums-Aktien lassen sich die größeren Gewinne erzielen, wenn man vorher(!) die richtigen herausgepickt hat. Mit Indizes von Wachstums-Aktien (z.B. Nasdaq) erzielt man im häufigeren Fall in freundlichen Aktien-Zeiten die bessere Performance als mit Indizes, die den Gesamt-Markt abdecken. Wenn auch die extremen Gewinne von einzelnen "Wachstumsraketen" mit der Bündelung verloren geht. In Seitwärtsbewegungen oder Bärenmärkten sind die großen Dividenden-Zahler, die "Dickschiffe" oft die bessere Wahl.
Mit Dividenden-Aktien und Dividenden-ETFs baut man sich einen passiven Einkommensstrom auf, der einen der finanziellen Unabhängigkeit immer näher bringt. Auf der Seite der Profitablen Unternehmen sind zudem renditestarke, solide und dividendenfreudige Firmen zu finden.

Da der globale Aktienmarkt in der Mehrzahl der Jahre aufwärts tendiert, sollte jemand, dessen Anlage-Zeithorizont 10 Jahre und mehr umfasst, jedoch nicht komplett auf Wachstums-Aktien verzichten.
Diese hat man bereits im Portfolio, in dem in ETFs auf Indizes als Kern- oder Core-Investments angelegt werden. In noch stärkerem Maße, wenn bei Aktien-Indizes auf eine Gleichgewichtung geachtet wird. Oder indem man neben den Standard-Indizes auch auf Indizes mit sogenannten Smallcaps zurückgreift.

Wie sieht es bei Euch aus? Greift Ihr zusätzlich auch auf Wachstums-Aktien zurück oder sind diese tabu?
  • Sie wollen grundsätzlich mehr aus Ihrem Geld machen?
  • Die Zeiten einer knappen Kasse soll bei Ihnen der Vergangenheit angehören?
  • Ihr Geld soll endlich einmal hart für Sie arbeiten? 
  • Sie möchten langfristig Vermögen aufbauen?
  • Sie möchten mehr zu passivem Einkommen erfahren?
  • Sie möchten sich über den aktuellen Status der Aktienmärkte informieren?

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Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Ich bin ebenfalls ein großer Anhänger von Dividendenzahlungen und Ausschüttungen, Growth Werte mische ich meinem Privatdepot nur zu maximal 20 % bei und sichere diese teilweise in negativen Börsenphasen ab. Insbesondere in Crashphasen leiden diese stark gestiegenen Aktien oft genauso stark, wie sie vorher gestiegen sind. :-) Ich setze in großer Zahl mehr auf "langweilige" antizyklische Werte mit guter Dividendenrendite. Fonds kaufe ich ausschließlich in der Ausschüttenden Variante. Ansonsten hast Du Dir hier eine schöne Seite aufgebaut, die ich weiter verfolgen werde!
    Gruß
    Marco

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  2. Super interessantes Thema!
    Das Problem mit Wachstumsaktien ist der "Hindsight" Bias. Die genannten Unternehmen (Google, Baidu, Amazon etc.) sehen halt jetzt super gut als "Wachstumsaktien" aus, NACHDEM sie gestiegen sind. Das Problem ist aber die "nächste" Wachstumsaktie vor ihrem 10-jährigen Monster-Ritt zu identifizieren.
    Dafür gibt es sicherlich Analysemethoden, die einen aber auch nur auf einen "Korb" von Aktien führen werden. Und interessant wäre nun die Rendite dieses gesamten Korbes in die Zukunft zu verfolgen.
    Das Problem mit Wachstums-Indizes ist, das hier eventuell im Laufe der Zeit Aktien rausgefallen sind, die zu schlecht performt haben (Survivorship-Bias), d.h. diese sind wenn man sie heute betrachtet nicht wirklich repräsentativ für den Status Quo von vor 10 Jahren.

    Dennoch denke ich kann man auch als Dividendeninvestor und die finanzielle Freiheit "Suchender" in Nicht-Dividenden-Titel investieren. Interessant finde ich z.B. "Konglomerate" wie Berkshire Hathaway oder Danaher. Dort werden die Gewinne in weitere potentiell profitable Übernahmen gesteckt und nicht ausgeschüttet. Dadurch hat man als Investor einen Steuerstundungseffekt, da man seine "virtuelle Dividende" ohne Steuern direkt wieder in profitable Business-Ideen investiert und erst wenn man die Aktien nach X-Jahren verkauft fallen einmalig Steuern an.
    Klasse Artikel Lars!
    Beste Grüße

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  3. Eine schöne Betrachtung mal wieder hier!

    Auch ich gehe gemeinsam mit meiner Frau den gemischten Weg. Awilco Drilling und SandRidge Permian Trust sind ebenso im Depot wie Tesla und Google als typische No-Payer. Niemand weiß, was die Zukunft bringt. Vielleicht zahlt Berkshire (auch im Depot) ja irgendwann mal Dividende. Ist mir momentan relativ egal, da wir unsere Aktien lieber an die Kinder vererben als irgendwann verkaufen wollen.
    Es lebe der Schneeball!

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  4. Früher war es interessant auf Aktien und ihre Kurssteigerung zu setzen. Der Gewinn war nach einem Jahr steuerfrei, während die Dividende versteuert werden mußte. Seit der Änderung in 2009 ist dieser Vorteil der Wachstumsaktien weggefallen.
    Es ist mE leichter die "richtigen" Dividenden-Aktien auszusuchen, die Historie kann da als Anhaltspunkt dienen. Bei Aktien, die seit 20 - 30 Jahren kontinuierlich steigende Dividenden ausschütten, kann man eigentlich davon ausgehen, daß sie das auch weiterhin tun werden. Dagegen ist mE die Chance, auf die "richtige " Wachstumsaktie zu setzen geringer. Natürlich kann man auch böse überrascht werden (z.B. europ. Telekomwerte, dt. Energiewerte). Dagegen hilft dann nur eine breite Streuung.
    Ich setze daher lieber auf Dividendenaktien, zumal ich bei jeder Auszahlung selbst entscheiden kann, was ich mit dem Geld mache.

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    1. Stimmt, die Kursgewinne müssen versteuert werden, man erhält eigentlich "nur" eine Steuerstundung bis zum Verkauf. Dann fällt aber ein enormer Abschlag an. Insofern sollte man auf Unternehmen setzen, die eine hohe Eigenkapitalrendite aufweisen, hohe operative Cashflows generieren und gleichzeitig eine attraktive Dividende zahlen. 30% vom erzielten Jahresgewinn sollten schon mindestens ausgekehrt werden - und wenn das Unternehmen noch zusätzlich eigene Aktien zurückkauft und eine solide Bewertung nach KGV, EV/EBITDA und Verschuldungsgrad aufweist, dann gibt es wenig, was noch gegen ein langfristiges Engagement in diesem Unternehmen spricht.

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  5. Sehr guter Artikel. Neben dem Dividenden-Akkumulieren favorisiere ich das Trading/Investieren in Trendaktien.

    Zwischen Value- und Trendaktien würde ich für mich unterscheiden, weil ich bei Trendaktien mit einem definierten Kurs-Stopp einsteige. Mit nachlaufenden Stopps werden die Gewinne gesichert.

    Fazit: Ich liebe beides. Dividenden Akkumulieren als Dividendenhamster sowie Trendaktien mit aktiven Traden/Investieren als Trendfolge.

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