Dienstag, 9. Dezember 2014

Ist ein niedriger Ölpreis gut oder schlecht für die Wirtschaft?

In der letzten Woche konnten wir aus den Medien hören, dass ein fallender Ölpreis gut für Unternehmen und Privatleute sei. Er wirke sogar wie ein Konjunkturprogramm oder wie eine Steuersenkung. Anfang dieser Woche war jedoch dagegen zu hören, der fallende Ölpreises sei eine Belastung für den Aktienmarkt und deshalb würde es auch zu Kursrückgängen bei Aktien kommen. Als interessierter Zuhörer darf man da schon einmal fragen, was denn nun?

Rohstoffwerte weisen bereits seit einiger Zeit eine bescheidene bis miserable Performance auf. Einer der weltgrößten Rohstoffkonzerne, BHP Billiton (ISIN: AU000000BHP4) aus Australien verlor in den zurückliegenden drei Monaten 21 Prozent an Kurswert.

Der weltgrößte Erdgasversorger Gazprom (ISIN: US3682872078) aus Russland verlor im selben Zeitraum knapp 30 Prozent an Wert. Hier spielten sicherlich auch noch andere Gründe wie die Sanktion der EU und USA gegenüber Russland eine Rolle. Der Konzern betreibt ein Joint Venture mit BASF (ISIN: DE000BASF111), die in den letzten drei Monaten entgegen des Marktes rund 6 Prozent an Wert einbüßten. Das sind übrigens alles Konzerne, die aktuell eher günstig bis extrem günstig bewertet sind und gute Dividendenzahler.

Ölpreis seit Herbst 2013. Ab Sommer 2014 ging es kräftig
abwärts - Quelle: investing.com
Den Vogel schoss sicherlich der norwegische Ölkonzern SeaDrill (ISIN: BMG7945E1057) ab mit fast 65 Prozent Kursverlust alleine in den vergangenen drei Monaten. Hier gibt es aber noch andere Probleme und die einst üppige Dividende wurde komplett gestrichen.

Also zusammenfassend sind Unternehmen, deren Handel mit Rohstoffen zum Kerngeschäft gehören, sicherlich nicht besonders glücklich über die Entwicklung des aktuell fallenden Ölpreises.

Denn der Preisrückgang von Öl war kernig. Von Sommer 2014 ging es bis aktuell von etwa 115 US-Dollar auf unter 70 US-Dollar zurück. Das ist ein Rückgang von mehr als 40 Prozent in 6 Monaten.

Natürlich ist derzeit einiges günstiger zu bekommen. Kraftstoffe wie Benzin oder Diesel sind nun an den Tankstellen preiswert zu erhalten. Ähnliches gilt für Heizöl für den privaten Gebrauch. Auch Unternehmen, die auf Kraftstoffe oder Öl angewiesen sind, haben nun unerwartet niedrige Kosten in ihren Bilanzen.

Leser des Monatlichen Marktberichtes haben allerdings bereits in der letzten Ausgabe erfahren, dass der stark fallende Ölpreis ein Zeichen abnehmender Nachfrage nach Öl ist und dieser Preisverfall von über 40 Prozent nicht gerade auf eine global florierende Wirtschaft hindeutet. Eine hohe Nachfrage nach Öl und damit ein steigender Ölpreis wäre ein Zeichen für eine brummende Welt-Wirtschaft, nicht aber dieser dramatische Preisrückgang.

Auch für die Handlungen der Notenbanken hat die Ölpreisentwicklung Konsequenzen. Während sich Mario Draghi von der Europäischen Zentralbank EZB nun erst recht Sorgen über Deflation in der Eurozone machen muss, wird selbst die US-Notenbank ihre eigentlich vom Markt schon fast eingepreiste Leitzinserhöhung im Jahr 2015 noch einmal überdenken.

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Hallo Lars,
    allein schon aus den aktuell niedrigen Inflationszahlen heraus, ist der extrem deflationär wirkende Ölpreisverfall als sehr schlecht für die Wirtschaft zu bezeichnen.
    Ich habe vor einiger Zeit schon einen Beitrag auf meiner Seite dazu geschrieben http://www.passives-einkommen-verdienen.de/deflation-in-europa-insbesondere-dem-euro-raum/
    Außerdem dürfte der niedrige Ölpreis die Russland Krise aus wirtschaftlicher Sicht bald explodieren lassen.
    Von Versorgern und Ölkonzernen halte ich momentan die Finger weg.

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  2. Was bei dem Thema am spannendsten sein wird ist wie die ölproduzierenden Länder damit klarkommen werden, sollte der Ölpreis länger so im Keller bleiben (oder gehalten werden....).
    Bis auf ein paar ausgewählte Golfstaaten können die sich eigentlich alle die aktuellen Preise nicht leisten, um profitabel zu wirtschaften, und bei Staatshaushalten die ja größtenteils nur von Rohstoffen abhängig sind wird daraus auch schnell politisches Krisenpotential. Russland, Iran, Venezuela, Nigeria, etc, die Instabilität auf der Welt wird zunehmen, da stehen uns noch ein paar volatile Entwicklungen in Zukunft vor.

    In den USA wird auch noch zu schauen sein, wie die Shale/Fracking Branche mit den Preisverfall umgeht. Die Firmen sind ja alle bis unters Dach durch das billige Geld mit Krediten und Anleihen hochgehebelt worden, und der niedrige Ölpreis bringt deren (eh schon fragwürdige) Kalkulation nun endgültig zum platzen. Je nachdem wie "systemisch" sich ein eventueller Schock an dieser stelle fürs allgemeine Finanzsystem ausbreitend wirken kann, steht uns womöglich bald ein Replay von 2008 bevor, so ala Housing Bubble 2.0. Ich sag jetzt nicht das dass so ganz schlimm kommen MUSS, kann ja auch sein das alles einigermaßen geordnet abgewickelt wird, aber blind verlassen sollte man sich auch nicht drauf und zumindest schonmal einen K-Plan zurechtlegen. Und sei es auch nur, wenigstens mal den Cashbestand zu überprüfen, falls sich danach Opportunities ergeben.

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  3. Da der Ölpreis gerne mal schwankt, ändern sich ja auch die Spritkosten an der Tankstelle. Inwieweit das zusammenhängt oder auch mal willkürlich gemacht wird, ist schwierig zu sagen. Als Kunde ist man auf jeden Fall dazu aufgerufen die Kosten (z.B. mit dem Benzinrechner zu vergleichen und nicht unnötig Geld herauszuwerfen.

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