Donnerstag, 7. August 2014

Hat die kurze Korrektur die Überbewertungen am Aktienmarkt bereits abgebaut?

Seit Ende Juli gab es am Aktienmarkt den lange erwarteten Kursrutsch. Und schon waren die düsteren Nachrichten kurzzeitig wieder da. In der Tat gibt es derzeit einige Faktoren, die nicht gerade positiv auf den Kapitalmarkt wirken. Die hohe Bewertungen von Unternehmen, die Sanktionen der Industrienationen gegen Russland, die Unruheherde in nahen Osten, um nur einige zu nennen.
Die Frage bleibt, ob es bereits das "reinigende Gewitter" war, was nun für einen Abbau der vor einiger Zeit noch vorhandenen Überbewertung am Aktienmarkt gesorgt hat oder nicht? Oder anders gefragt, ist der aktuelle Markt gerade preisgünstig oder weiterhin eher teuer?

Im Artikel "Gibt es noch attraktive Investments" oder auf der Seite "Kennzahlen für Aktien" hatten wir uns Möglichkeiten angeschaut, um günstige Investments ausfindig zu machen. Hier möchte ich jetzt auf den Durchschnitt des Kurs-Gewinn-Verhältnisses (KGV) einiger Indizes blicken.

Die Technologiebörse Nasdaq 100 in den USA lasse ich bei der Betrachtung außen vor. Dieser Index ist eher mit Wachstumsunternehmen bestückt, bei denen häufig noch kein nachhaltiges Geschäftsmodell vorhanden ist. Oft steckt viel Phantasie in den Berwertungen und Kursen. Daher auch das hohe durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 35.

Der breite US-Aktienmarkt S&P 500 wies im Durchschnitt der letzten fast 150 Jahre ein KGV von etwas über 16 auf. Wobei die zurückliegenden 25 Jahren mit den maßlosen Überbewertungen der Technologieblase zum Jahrtausendwechsel für ein durchschnittliches KGV von über 20 sorgten. Ließe man die letzten 25 Jahre unberücksichtigt, käme man auf ein mittleres KGV von etwas unter 14.

Der kleinere Bruder des S&P 500 (von der Anzahl der Unternehmen her) in den USA Dow Jones Industrial Average, der Index mit den 30 größten US-Konzerne, hatte seit dem letzten Hochpunkt um rund 5 Prozent korrigiert. Das KGV liegt aktuell bei 15,4 und die durchschnittliche Dividendentrendite bei 2,6 Prozent. Also vom KGV her befinden wir uns auf durchschnittlichem Niveau, da man das mittlere KGV vom S&P 500 von der Größenordnung her durchaus mit den Dow Jones-Index vergleichen kann.

Der Deutsche Aktien-Index DAX verlor seit seinem kurzen Abstecher über die 10.000 Punkte-Marke immerhin rund 10 Prozent. Dennoch liegt das mittlere KGV derzeit noch bei fast 16. Im langjährigen Durchschnitt wurden Werte um 15 festgestellt. Die Dividendenrendite aller DAX-Titel liegt aktuell bei 2,5 Prozent. Damit ist auch der DAX etwa durchschnittlich bis leicht ambitioniert bewertet.

Der Euro Stoxx 50 korrigierte bislang um fast 9 Prozent und das KGV liegt aktuell bei 15,5. Die Dividendenrendite ist traditionell recht hoch mit einem Wert von 3,6 Prozent. Bei den breiten Aktienindizes der Industrienation gilt ein Kurs-Gewinn-Verhältnis um 15 als langjähriger Durchschnitt. Also ist auch der Euro Stoxx in der Breite trotz der jüngsten Verluste noch kein ausgesprochen günstiges Investment.

Fazit
Was sagt uns das jetzt? Die prominenten Aktienindizes aus den USA und Europa korrigierten bislang zwischen 5 und 10 Prozent, wobei die europäischen Werte einen schwächeren Eindruck hinterlassen als der US-Markt. Trotz der - bislang eher moderaten - Korrektur sind die mittleren Werte des KGV noch immer im durchschnittlichen oder sogar noch leicht überdurchschnittlichen Bereich. Das heißt, besonders preisgünstig sind die Aktienmärkte noch nicht. Wer derzeit billig am Kapitalmarkt shoppen gehen möchte, muss weiterhin genauer hinschauen oder auf eine Fortsetzung der Abwärtsbewegung hoffen.
Oder um die bereits oben benutzte Metapher zu verwenden: Ein reinigendes Gewitter waren die Ereignisse in den letzten Tagen noch nicht, sondern bislang eher ein moderater Regenschauer.

Im nächsten Newsletter, der am kommenden Wochenende erscheint, blicken wir auf einen Markt, der bislang von der Korrektur weitgehend verschont geblieben ist. Melden Sie sich rechts oben auf der Seite rechtzeitig an!

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Ich weiß nicht, wie es mit den Finanzmärkten weitergeht. Ich investiere deshalb kontinuierlich Monat für Monat. Bei einem Kursrutsch von momentan 10 Prozent investiere ich noch etwas mehr. Einige große deutsche Titel sind deutlich im Kurs gefallen und meiner Meinung nach jetzt wieder kaufenswert. Dass sich der amerikanische Markt bisher stabiler zeigte liegt meiner Einschätzung nach an den zuletzt guten Wachstumszahlen aus den USA.
    Grüße

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    1. Stimmt , der Deka Daxplus MaxDiv ETF ist wieder recht günstig zu haben - mal sehen wie weit der Dax noch nach unten korrigiert .
      MfG

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  2. Aufgrund der vielen Krisen zur Zeit in Osteuropa und der Exportverbote nach Rußland gehe ich davon aus, dass die Korrektur noch nicht beendet ist. Viele deutsche und europäische Unternehmen leiden unter den Exportstops. Wäre doch schön wenn es endlich mal weiter bergab geht und man Schnäppchen machen kann. Nach 5 Jahren Hausse ist es endlich wieder an der Zeit, dass der Markt orderntlich korrigiert.

    Gruß Chris

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    1. eigentlich nur 3 Jahre Hausse. 2011 war kein Hausse Jahr.

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  3. Der Mathematiker9. August 2014 um 15:02

    Die Korrektur hält wahrscheinlich noch etwas an und zum Ende des Jahren geht es dann hoffentlich wieder aufwärts. Ich sehe diese Sommerzeit als günstigere Einstiegsmöglichkeit in den Aktienmarkt, die durch wöchentliche Investitionen ergriffen werden kann.

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    1. Wöchentliche Investitionen finde ich sportlich. :-) Das geht nur mit einem ausreichend hohen Liquiditätspolster.

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    2. Der Mathematiker13. August 2014 um 18:26

      Mit wöchentlichen Investitionen ist der Cost-Average-Effekt größer, also das Risiko durch die weitere Glättung noch geringer. Man muss nur seine monatlichen Investitionen, beispielsweise monatlicher Sparplan der Höhe X in 4 monatliche Sparpläne X_1, X_2, X_3, X_4 mit X_1 + X_2 + X_3 + X_4 = X zerlegen, falls von der Bank nur monatliche Sparpläne angeboten werden wie bei deiner Direktbank.

      Zum Liquiditätspolster: Das benötigt man sowieso bei regelmäßigen Investitionen und erhöht sich nicht durch die wöchentliche Methode. Streng genommen erweitert man sogar seine Liquidität durch den Übergang von monatlichen zu wöchentlichen Investitionen, da man ohne die Änderung des Zahlungsschwerpunktes die Standardabweichung erhöht und nicht alles auf einmal einzahlt. Jedoch erkauft man sich durch diesen Effekt natürlich bei einem positiven Drift des Marktes in dem man investiert die höhere Liquidität und das geringere Risiko durch etwas Rendite, wie es halt so ist.

      Viele Grüße

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  4. Ich denke auch, dass das reinigende Gewitter noch folgen wird. Die Frage ist nur, wie viel des Aktienmarktes künstlich aufgeblasen ist? Ich habe schon öfters Stimmen gehört, dass alles über 8.000 Punkte nur liquiditätsgetrieben ist. Dann dürfte uns doch noch einiges bevorstehen.

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    1. Oh wie schlimm - das wären ja satte 11% Korrektur. Peanuts

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  5. Die Volatilität ist zurück. Diese braucht man auch, um Kursgewinne zu haben. Wir sind in der Sommerflaute, die Volumina auch nicht so berauschend. Das Aktien-KGV ist kein verlässlicher Indikator. Man sollte immer das KGV am Anleihenmarkt zusätzlich ranziehen und in Verhältnis setzen. Die Ampeln der Weltwirtschaft stehen auf grün. Politische Störfaktoren werden wieder verschwinden. Als Investor handle ich langfristig, nicht tagesaktuell nach Laune. Kaufen, wenn die Kanonen donnern, sagte einst Kostolany.

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