Samstag, 7. Juni 2014

Der Kampf der EZB gegen die Deflation in Europa

In den letzten Jahren hat die Europäische Zentral-Bank EZB unter der Leitung von Mario Draghi neben Leitzinssenkungen vor allem verbal von sich hören lassen, ohne letztendlich wirklich größere Handlungen folgen zu lassen. Bekannt sind die markigen Worte des EZB-Chefs: "Wir werden alles tun, um den Euro zu retten".
In der zurückliegenden Woche hat die EZB tatsächlich auch unkonventionelle Maßnahmen angekündigt, um die bereits seit längerer Zeit niedrigen Inflationsraten in der Eurozone zu bekämpfen. Aus meiner Sicht ist das ein klares Zeichen, dass sich die Europäische Zentralbank große Sorgen macht, in die Deflation zu rutschen. Der DAX konnte derweil kurzzeitig die 10.000 Punkte-Marke überschreiten.
Wie sollte man sich als Anleger jetzt verhalten?

Die Inflationsrate lag in der Eurozone im Mai 2014 bei 0,5 Prozent und befindet sich damit bereits seit dem Herbst 2013 dauerhaft unter 1 Prozent. Die EZB hat als Zielmarke eine Inflationsrate von rund 2 Prozent erklärt. Auch unser Inflationsbarometer zeigt keine Anzeichen einer zunehmenden Inflation. Selbst die 10-jährigen Zinsen für Staatsanleihen aus den USA war zuletzt wieder leicht rückläufig. Eine moderate Preissteigerungsrate ist gewünscht, damit Banken, Unternehmen und Privatleute einen Anreiz haben das verfügbare Geld in den Wirtschaftskreislauf zu bringen, weil es ja langsam aber sicher an Wert verliert.

Folgende Maßnahmen wurden seitens der EZB konkret beschlossen:
  • Senkung der Leitzinssenkung von 0,25 auf 0,15 Prozent
  • Senkung des sogenannten Einlagenzins für Geld, das Geschäftsbanken bei der Notenbank deponieren, auf minus 0,1 Prozent
  • Verabreichung von billigen zweckgebundenen Krediten an Geschäftsbanken im Volumen von 400 Milliarden Euro über vier Jahre
Die meisten Berichte über die angekündigten Maßnahmen der EZB konzentrieren sich darauf, dass Sparer nun auf ihren Konten noch weniger Zinsen erhalten würden. Aus meiner Sicht wird damit die Dramatik der EZB-Aktionen nicht erkannt. Die Zinsen auf Bankeneinlagen wie Tagesgeld und festverzinslichen Anlagen waren zuletzt eh schon extrem niedrig. Die weiteren ein bis zwei Zehntel, die jetzt noch als Folge der Leitzinssenkung weniger zu erwarten sind, bedeuten keinen signifikanten Unterschied.

Große Sorgen vor Deflation
Die wahre Dramatik liegt woanders. Durch den negativen Einlagenzins versucht die EZB viele Banken endlich zu mehr Investitionsfreudigkeit zu bringen. Doch anstatt Unternehmen mit frischer Liquidität für Investitionen zu versorgen, horten sie das Geld bei der EZB oder kaufen Staatsanleihen von Ländern in der Eurozone. Mit dem negativen Einlagenzins wird aus der bisherigen Stimulation zur Liquiditätsvergabe (niedrige Zinsen) nun versucht das Geld mit Gewalt in den dafür vorgesehenen Wirtschaftskreislauf zu befördern ("Strafzinsen").
Ob dieses Vorgehen von durchschlagendem Erfolg gekrönt sein wird, zeigt uns erst die Zukunft. Denn wahrscheinlich werden die entsprechenden Banken den Negativzins hinnehmen und sich das Geld in irgendeiner Form von Gebühren von den Privatkunden wieder zurückholen.


Das Zurückhalten von Liquidität über einen längeren Zeitraum ist ein typisches Zeichen für eine Deflation. Richtig gefährlich würde es, wenn die Konsumenten im großen Stil eine ähnliches Verhalten zeigen würden. Also, das Geld wird zurückbehalten, anstatt es auszugeben, weil die breite Masse keine steigenden, sondern sogar fallende Preise erwartet. Als Folge würde es von Unternehmen einen Preiskampf auf breiter Front geben, worauf potenzielle Käufer das Horten von Geld in Erwartung weiterer Preissenkungen fortsetzen würden. An dieser Stelle beginnt die gefährliche Deflationsspirale.

Für die breite Bevölkerungsschicht wäre dieser Vorgang zunächst ganz angenehm, denn das verfügbare Geld würde immer mehr wert. Es triebe aber zunehmend Firmen in die Insolvenz, was wiederum eine Kündigungswelle und zunehmende Arbeitslosigkeit bedeutete.
Zu diesem Zeitpunkt würde sich der Wert von Aktien insgesamt abwärts bewegen, mit einer nicht unerheblichen Crashgefahr.

Aber soweit sind wir noch nicht. Aber das könnte passieren, wenn es nicht gelingt mehr Wachstum in der Eurozone herbeizuführen, wenn die Schuldenrate weiter ausgebaut würde, die Arbeitslosigkeit in einigen Ländern sehr hoch bliebe und wir keine zunehmenden Preissteigerungsraten bekämen. Im hier neulich besprochenen Buch "Die Krise" werden für diese Problematik gut nachvollziehbare Zukunftsszenarien gezeigt.

Was tun als Anleger?
Die EZB hat sich mit ihren Maßnahmen ebenfalls zu den Zentralbanken eingereiht, die ein großes Geldexperiment wagen - mit einem bis dato völlig offenen Ausgang. Denn die US-Notenbank FED praktiziert schon seit Jahren "unkonventionelle Maßnahmen" wie Staatsanleihenkäufe und erst recht tut dies die japanische Notenbank (BoJ).
Solange die Notenbanken ihren Geldhahn derart weit geöffnet haben, kann ich mir einen regelrechten Crash am Aktienmarkt nicht so recht vorstellen. Für meinen Geschmack wird darüber auch schon seit Monaten viel zu oft gesprochen. So titelt der Focus Money in der derzeitigen Ausgabe mit diesem Thema in Form von Marc Faber.

Mehr Geld als für Notfälle, würde ich auch weiterhin nicht als Bargeld auf dem Tagesgeldkonto, erst recht nicht zu Hause herumliegen haben wollen. Wer sein gespartes Geld mehrere Jahre nicht benötigt, kann meiner Meinung nach weiterhin in Aktien anlegen. Trotz der gestiegenen Kurse habe ich in den letzten Wochen und Monaten noch genügend interessante Aktien und Aktien-ETFs gefunden, die ich für mein Depot gekauft habe. Selbst bei stagnierenden Aktienkursen entschädigen hier lukrative Dividendenzahlungen. Die Dividenden-Rendite liegt mit 2,5 bis 8 Prozent deutlich über der aktuellen Inflationsrate.

Neben Aktien bieten sich auch ETFs mit Hochzinsanleihen oder Staatsanleihen aus Ländern an, deren Leitzinsen nicht bei annähernd 0 Prozent liegen. Hier ist derzeit eine Ausschüttungsrendite von 4 bis 7 Prozent in Aussicht.

Egal ob regelmäßig frisches Geld hereinkommt oder aber bereits eine größere Geldsumme zur Verfügung steht. Ich investiere immer in regelmäßigen Intervallen. So ist man einerseits bereits gut im Aktienmarkt investiert, andererseits steht jedoch weiterhin genug Liquidität für nachfolgende Kaufgelegenheiten zur Verfügung.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Was halten Sie von den Maßnahmen der EZB? Machen Sie sich Sorgen um eine Deflation in Europa? Investieren Sie derzeit in Aktien?

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Natürlich kaufe ich weiterhin Aktien von international tätigen Gesellschaften - breit gestreut. Firmen wie Nestlé, P&G, McDo oder andere sind in fast allen Ländern und Erdteilen aktiv und wenn es in D. oder in der Eurozone eine Deflation geben sollte, wird man in anderen Ländern erfolgreich sein.

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  2. Kann mir mal jemand erklären warum die Banken überhaupt Geld für 0,1% bei der EZB parken sollten?
    Bevor ich jemanden bezahle, dass er mein Geld nimmt, dann behalte ich es zur Not eben selbst.
    Mir ist schon klar, dass dies wohl nicht so einfach möglich ist, nur kenne ich den Grund nicht warrum die Banken ihr Geld nicht einfach selbst bunkern.

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  3. @kaunlaran: Breite Diversifikation über global agierende Konzerne, das ist eine gute Strategie!


    Zur Frage. Die Banken "parken" oft über Nacht ziemlich hohe Geldbeträge bei der EZB, weil das Geld dort als "absolut sicher" gilt. Überschüssiges Geld wird in Phasen ohne größere Sorgen auch bei anderen Banken "geparkt".
    Warum überhaupt Liquidität sehr kurzfristig woanders hingeben?Vielleicht vertraut sich die Bank im Falle eines Falles selbst nicht? ;-)

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    1. guten tag,ich persdönlich verfüge ca über 50.000 euro was ich mir in meinem leben erspart habe.10.000 euro sind seit oktober in aktien und etf s investiert.ich muss dazu sagen dass mir irgendwie der mut fehlt nach dem ich damals am neuen markt in euro umgerechnet fast 25.000 euro verloren habe und 12 jahre mit aktien nichts mehr zu tun haben wollte.warum ich wieder in aktien investiert habe kann ich ganz ehrlich sagen sind die berichte von herrrn lars die mir wieder mut gemacht haben in substanzwerte zu invistieren.ich verfolge und schua das ich mit nur werte kaufe die auch im finanzell umdenken musterdepot vorkommen,da ich zumindest besser schlafen kann.es ergibt sich allerdings trotzdem eine frage für mich.was würde bei diesen werten wie zb.coca cola,p&g,chevron usw dagegen sprechen so bei ca 10 % kurssteigerung gewinnmitnahmen zu tätigen?und dann wieder bei fallenden kursen wieder ein zu steigen?hab mir das buch von warren buffet gekauft der meint man sollte aktien mind.10 jahre oder ein leben lang behalten???es wäre doch vernünftiger wenn man den ganzen zig zack verlauf einer aktie mitmacht und dadurch viel höhere gewinne einfahren kann..oder lieg ich da falsch?mein schwellenländerfond ist mittlerweile ca.12% in plus..fällt der wieder ist alles weg..geht zwar nur um 200 euro aber immerhin.was meint ihr dazu..ist das unsinn?aja eine andere frage,da ich eben auch so eine art dividendenstrategie verfolge..wo erfahre ich wann genau die dividende ausgeschüttet wird..zb coca cola..seh zwar den hv tag aber die schüttet ja 4x pro jahr aus.würde mich freune wenn dazu jemand schreibt..noch was..kostet dieser newsletter von ihnen etwas herr lars?

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    2. Stell dir doch einfach, wie hier auch oft erwähnt, einmal eine Asset-Allokation zusammen. Also wieviel Prozent deines Vermögens du in bestimmte Anlageklassen investiert haben willst, und ab wieviel Prozent Verschiebung dazwischen du das ganze wieder rebalancierst (also eben Gewinnmitnahmen von einer gutgelaufenen Anlage umschichtest in eine die Nachschub braucht) um die gewollte Zielverteilung wieder herzustellen.
      Wenn du einmal so ein einfaches Regelsystem aufstellst, beruhigt das auch emotional, weil man nicht jeden Tag auf die Zitterkurse reagieren muss. Und die "perfekten" Ein- und Ausstiegszeitpunkte zu erwischen, schafft keiner wirklich auf Dauer - statt darauf zu spekulieren investiere ich lieber langfristig in regelmäßigen Intervallen meine Summen, so dass aus den ganzen Hochs und Tiefs am Ende ein vernünftiger Durchschnittskurs herauskommt.

      Ausschüttungstermine von ETFs findest du auf den Produktseiten der Anbieter, bei Einzelaktien helfen Dividendenkalender (einfach mal "dividend dates" googeln, evtl noch den jeweiligen Namen dazu), wie es sie massig im Netz gibt.

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      Gruß Chris

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