Samstag, 17. Mai 2014

Ein Blick auf den S&P 500 der zurückliegenden zehn Jahre

Seit dem Jahreswechsel bewegen sich die meisten europäischen und US-amerikanischen Aktien-Indizes mehr oder weniger seitwärts. Daher finde ich den Zeitpunkt gekommen, einmal einen Blick auf den Leitindex des Aktienmarktes der Vereinigten Staaten von Amerika, nämlich dem S&P 500, der zurückliegenden 10 Jahre zu werfen.
Der S&P 500 enthält Aktien von 500 börsennotierten Unternehmen, die zu den führenden Industrien der USA gehören. Dabei gilt für die Zusammensetzung, dass 400 Industrie-Titel, Werte von 40 Versorgern und 40 Finanzinstitutionen sowie 20 Verkehrsunternehmen im Index enthalten sein müssen. Aufgrund seiner Marktbreite und der noch immer wirtschaftlich dominanten Rolle der USA, gilt der S&P 500 vorläufig weiterhin als globaler Leit-Index für den Aktienmarkt.

Die Marktkapitalisierung, auch Börsenwert genannt, ist der Gesamtwert aller börsennotierten Aktien einer Aktiengesellschaft. Dieser Wert wird berechnet, indem man den aktuellen Kurswert mit der Anzahl der frei im Umlauf befindlichen Aktien multipliziert. Häufig sitzen Unternehmen mit einer sehr hohen Marktkapitalisierung auf größeren Geldbeständen, die wiederum für Anleger interessant werden könnten. Hier die zehn Konzerne im S&P 500 mit der derzeit größten Marktkapitalisierung:
Die Marktkapitalisierung beträgt bei Apple derzeit 384 Milliarden Euro, der zehntplatzierte Procter & Gamble kommt immerhin noch auf 234 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Die derzeit größten Gewichte im DAX Bayer und Siemens kommen "lediglich" auf eine Marktkapitalisierung von rund 85 Milliarden Euro.

S&P 500 in den letzten 10 Jahren - Quelle: comdirect.de
Schauen wir uns den Index der letzten zehn Jahre an. Schön zu sehen ist der kurze, aber heftige Bärenmarkt zur Zeit der Finanzkrise. Er dauerte nur etwas mehr als 1 Jahr. Diese Umstand führte jedoch dazu, dass vorübergehend ein Wertverlust von mehr als 50% beim S&P 500 auftrat. Dieser Wertverlust wurde in der Folgezeit aber schnell wieder aufgeholt und seit Anfang des Jahres 2013 erreichte der S&P 500 neue Allzeithochs. In der weitaus größten Zeit dieser zehn Jahre konnte man sich als Aktieninvestor an einem Bullenmarkt erfreuen.
Die Eurokrise ist im US-Leitindex lediglich als Korrektur zu sehen. Bei den europäischen Aktien-Indizes sah dieser Kursrückgang im Spätsommer 2011 schon deutlich martialischer aus.

In den betrachteten zehn Jahren betrug der Wertzuwachs beim S&P 500 rund 70%. Das entspricht einer Rendite von 5,4% pro Jahr. Da es sich hier um einen Kursindex handelt, sind die jeweiligen Dividendenzahlungen herausgerechnet. Für die Gesamtrendite müssen noch rund 2,5% Dividendenrendite berücksichtigt werden. In den zurückliegenden Jahrzehnten konnte am Aktienmarkt häufig eine Rendite von rund 8% pro Jahr erzielt werden. Wichtig ist jedoch den Zeithorizont von mindestens zehn Jahren und den Anteil der Dividende an der gesamten Entwicklung eines Aktien-Indizes zu berücksichtigen.

Interessant ist, dass der Kursindex immer wieder den gleitenden Durchschnitt der 100 Wochen-Linie aufsucht. Diese Phasen sind in der Abbildung mit Ovalen markiert. Selbst in längeren Trendphasen wie die Bullenmärkte bis 2007 und von 2009 bis aktuell gibt es immer wieder Korrekturen, die bis zur 100 Wochen-Linie reichen.
Bemerkenswert ist da schon die lange Zeit von Ende 2012 bis zum aktuellen Spätfrühling (Mai 2014) ohne eine solch enge Annäherung. Rein von der Wahrscheinlichkeit her müsste diese Annäherung also bald erfolgen. Dies könnte entweder dadurch geschehen, dass sich die Seitwärtsbewegung noch eine Weile fortsetzt und dadurch die 100 Wochen-Linie von unten auf den stagnierenden Kurse zusteuert. Oder aber "klassisch" durch eine Abwärtskorrektur, die derzeit durchaus bis 1.650 Indexpunkten gehen könnte. Das wäre ein Rückgang vom aktuellen Stand von rund 12%.

Längere Seitwärtsbewegungen sind oft vor neuen und dann auch meist stärkeren Trends zu beobachten. Allerdings gibt es bekanntlich zwei Richtungen, in denen sich ein Trend bilden kann :-) Seitwärtsbewegungen in größeren Trends sind mit höherer Wahrscheinlichkeit trendbestätigend. Das heißt, die Chance einer mittelfristigen weiteren deutlichen Aufwärtsbewegung sind höher als ein längerer Abschwung.

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Ganz früher, wo ich noch in (Einzel)Aktien Kursprofite gehandelt hatte, hab ich auch eine recht simple "kaufe/verkaufe wenn der Kurs den gleitenden Durchschnitt nach oben/unten durchkreuzt" -Strategie benutzt. Hatte damit auch eine recht ordentliche Rendite eingefahren - aber das kann auch nur Zufall gewesen sein, da bin ich lieber bescheiden anstatt zu glauben ich wär der große Checker.

    Was ich sehr interessant finde, allein von der Makro-Sicht her, ist mal eher der 20-Jahres Chart des SP500. Mitte der Neunziger bis zum Jahrtausendwechsel gings hoch bis auf 1500 Pkt, danach Dotcom-Crash und 2 Jahre Baisse runter auf -50%. Bis 2008 klettert er wieder schön rauf auf 1500+Pkt, dann Finanzkrise und nach nem Jahr war er wieder um die Hälfte runtergekracht. Tja und seit dann die mittlerweile 5 Jahre andauernde Hausse, inzwischen haben wir fast 1900 Pkt...

    Ich will ja nicht direkt sagen, Geschichte wiederholt sich, von mir aus kann der Zyklus diesmal ja auch durchbrochen werden, aber mein Bauch sieht den rauf-runter-rauf-runter-rauf Makro-Chart und sagt, mittelfristig ist mal wieder ein "runter" an, und zwar mehr als nur ne normale Korrektur.
    Keine Ahnung was diesmal wieder der Grund für die große Krise sein wird (das haben diese Sachen ja an sich, man sieht sie so schlecht voraus ;-) nur hinterher wars wieder jedem offensichtlich, tjaja)... vielleicht ist diesmal irgend ne dumme Sache in Asien dran an der Reihe.

    Was ist eure Meinung zur großen Gesamtlage grad ?

    Seht ihr das ähnlich, oder glaubt ihr es geht noch signifikant lange weiter nach oben gut und kloppt jetzt noch fette Summen rein ? Ich verliere ja auch keinen Schlaf direkt drüber, im Gegenteil, in gewisser weise "freu" ich mich schon drauf, die letzte "Krise" hatte ich nämlich weitgehend den Einstieg verpasst (war nicht signifikant liquide genug, grad Haus gekauft etc).

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    1. Hier ein Chart des S&P 500 über 25 Jahre mit dem Anteil der Dividendenerträge in den letzten Jahrzehnten.

      Solange die Leitzinsen von FED und EZB unweit von 0% liegen, halte ich einen Crash oder längeren Bärenmarkt für ziemlich unwahrscheinlich. Allerdings stimme ich zu, dass die Anlässe von Crashphasen erst im Nachhinein einleuchtend sind.

      Hier übrigens noch eine extrem düstere Prognose.

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    2. Ja Geld wird noch erstmal massiv reingepumpt. Und die EZB will jetzt dabei auch die gleichen QE-Maßnahmen einführen, die schon Fed und BoJ machen, das wird die Kurse sicher nochmal etwas weiter anblasen. Irgendwann stellen sich allerdings auch da mal diminishing returns ein, endlos Party auf Pump gibts nicht.

      Ich sage ja auch nicht das ich grad garnicht weiter investiere. Ich lass einfach weiter meine Dividendenerträge weiter reinlaufen, aber eher antizyklisch, also ja auch gerade eben in die Sachen die "günstig(er)" geworden sind - im Gegensatz zum S&P haben ja die EMs zum Beispiel im letzten Jahr schon vorweggenommen stärkere Kursrückschläge eingesteckt - dann bau ich mir lieber erstmal da billiger die bessre Rendite aus.
      Halt ein paar verschiedene ETFs im Portfolio diversifiziert, die unterschiedliche Sachen abdecken und so nicht auch immer im Gleichschritt synchron laufen. Aber ja, wenns mal wieder richtig kracht, kracht alles.

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  2. Hallo,
    Ich habe einen Artikel in "Der Welt" gelesen, wobei Warren Buffet seinen Nachfolgern empfiehlt genau den S&P 500 per Indexfonds nachzubilden.
    Wie mache ich das am besten, per Indexfonds oder besser ein kostengünstiger ETF. Wie finde ich einen der ihn genau 1:1 nachbildet.
    Danke

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    1. Wie wäre es z.B. mit diesem hier?
      https://www.spdrseurope.com/product/fund.seam?ticker=SPY5%20GY

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