Samstag, 15. Februar 2014

Der Irrsinn der täglichen Börsennachrichten

Wer in den letzten Wochen die aktuellen Berichterstattungen zu den Ereignissen an den internationalen Börsen verfolgt hat, dürfte wieder so manches Mal den Kopf geschüttelt haben. Wir erinnern uns: Bis zum Jahreswechsel setzte sich der Aufwärtstrend aus dem Jahr 2013 am Aktienmarkt fort. Es herrschte allgemein Optimismus vor. Die Wirtschaftsaussichten seien verhalten positiv, was man auch an den Jahresprognosen für 2014 erkennen konnte. Mitte Januar 2014 kam sie dann, die Korrektur...

Im DAX ging es innerhalb weniger Tage von knapp 9.800 auf rund 9.100 Punkte zurück. Das sind 7%, für einen kurzen Zeitraum schon ziemlich ordentlich, aber nach einem langen Kursanstieg eine völlig normale Korrektur. Jedoch reichten diese Kursrückgänge dafür aus, die Stimmung bei den meisten Kommentatoren und Redakteuren um 180° drehen zu lassen.

Auf einmal war von einer Schwellenländerkrise zu hören, teilweise war von einem bevorstehenden Crash die Rede. Auslöser sollen die Währungsturbulenzen in Argentinien gewesen seien. Anmerkung: Über die schwächere Entwicklung der Schwellenländer konnten Leser dieses Blogs seit mindestens einem Jahr lesen. Außerdem sorgte man sich vor schwächeren Wachstumsraten in China. Ja, das mag sein, Wachstumsraten von 10% über mehrere Jahre hinweg sind allerdings utopisch. Aber Werte um 7% - was ja immer noch erheblich mehr als in den westlichen Industrienationen ist - sind lange bekannt und im Markt schon längst eingepreist.
Dann war noch das Zurückfahren der Käufe von Staatsanleihen der US-Notenbank FED. Dass auch dieses sogenannte Tapering der Öffentlichkeit schon lange bekannt war, blieb unerwähnt.

DAX von Dezember 2013 bis Februar 2014
Quelle: comdirect.de
Anfang Februar 2014 kam die Kehrtwende und der DAX stieg bis Mitte des Monats wieder über 9.600 Punkte. Gerade in den letzten Tagen waren die "Sorgen" bei denselben Kommentatoren und Redakteuren scheinbar wieder verschwunden. Ja, wo war er denn plötzlich hin, der Crash in den Emerging Markets? Und die Rede der neuen Notenbankchefin der USA Janet Yellen - die nichts neues brachte - wurde als Grund für die aktuellen Kursanstiege genannt.

Was für ein unglaublicher Irrsinn, der dort verbreitet wurde!

Daran sieht man, nicht Nachrichten erzeugen Kurse, sondern in den weitaus allermeisten Fällen erzeugen Kurse die Nachrichten. Da gehen Journalisten, Börsenkommentatoren, Redakteure tagtäglich zur Arbeit und müssen eben permanent etwas zu berichten haben. In früheren Artikel "Blenden Sie tägliche Börsennachrichten aus" hatten wir bereits gesehen, dass nahezu alle diese Nachrichten nicht dazu geeignet sind Handelsentscheidungen zu fällen. Wer danach handelt, kommt erstens immer zu spät und macht die Banken und Broker mit den zu zahlenden Gebühren reich.

Ein Bekannter, der durch mich erst zum Aktienmarkt gelangte, erzählte mir neulich sein Vorgehen. Einmal im Monat (zur Monatsmitte) prüft er, ob es aktuell günstige Kaufgelegenheiten gibt und wird nur dann aktiv. Den Rest des Monats kümmert er sich nicht weiter um das aktuelle Börsengeschehen.
Ich finde das eine gute Möglichkeit, um sich selbst dahingehend zu disziplinieren, um nicht aufgrund der aktuellen Nachrichtenlage in die Gefahr läuft unüberlegte Handlungen zu begehen.

Hier fünf Punkte, wie man an der Börse vorgehen sollte:
  • Tägliche Nachrichten über Finanzmärkte und Aktien-Indizes sind quasi ein "Rauschen", das man gedanklich ausblenden sollte, um die wirklich relevanten Meldungen zu erkennen.
  • Möglichst in festgelegten Intervallen investieren. Nur bei Tiefstkursen kaufen zu wollen, gelingt den meisten Menschen nicht, daher einmal pro Monat (oder pro Quartal) Ersparnisse im Markt investieren.
  • Wenn in den Medien neue Höchststände von DAX und Dow Jones gefeiert werden, überdurchschnittliche neue Engagements im Aktienmarkt vermeiden.
  • Besser auf Bewertungs-Kennzahlen von Investments als auf tägliche Marktnachrichten blicken.
  • Investments in verschiedene Sektoren und Anlageklassen gut diversifizieren und eher weniger gut gelaufene Wertpapiere für den Kauf in Betracht ziehen. Gleichzeitig Anlagen mit steil ansteigenden Kursen besser meiden.

Wie sieht es bei Ihnen aus? Haben Sie persönliche Tipps, um möglichst erfolgreich mit schwankungsfreudigen Wertpapieren umzugehen?

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Die 5 Punkte sehe ich genauso!
    1) Als Trader war ich geeicht auf jede Meldung - das kostet Kraft, Nerven und am Ende dann doch Geld! Jetzt sage ich mir: Mal sehen wie es in 1 o der 2 Wochen aussieht - und nicht wie in 1 oder 2 Stunden...

    2) Mache ich auch - 1 x pro Monat nach dem Gehaltseingang. Regelmäßigkeit ist Trumpf!

    3) Durch die Regelmäßigkeit ist es mir egal, wo der DAX steht

    4) Ja

    5) Anlageklasse nein: Alles in Aktien / Sektoren ja -10 oder 15 diverse Branchen können es bei mir werden, kein Problem - lässt mich ruhiger Schlafen!

    Beste Grüße
    D-S

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    1. Ich denke, diesen Werdegang macht fast jeder Marktteilnehmer durch. Erst versucht man das schnelle Geld zu machen und nach einer Weile stellt man fest, dass nicht viel dabei herum kommt. Vor allem kostet es Zeit und eine Menge Nerven!
      Das hatte ich vor etlichen Jahren mit Calls, Puts und CFDs ebenfalls durch. Doch irgendwann kommt die Erkenntnis, dass langfristiges Investieren erfolgreicher als Trading ist. Letzteres mache ich heutzutage zwar auch noch gelegentlich, aber das nimmt lediglich einen winzigen Bruchteil meiner Zeit und vor allem meines Portfolios ein.

      Viel Erfolg beim Einsammeln der Dividenden! :-)

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  2. Zum Glück verfolge ich auch nicht mehr die aktuellen Nachrichten Tag für Tag an der Börse. Solide Dividenden Aktien (Aristokraten) die Jahr für Jahr seit über 40 Jahren ihre Dividendenzahlungen anheben, verfolge ich auch nicht mehr, sondern protokolliere nur in meiner Excel Datei Quartal für Quartal die Dividendenzahlungen.

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  3. Ich kann den Tenor Ihres Artikels nur unterstreichen. Es gibt wichtigeres im Leben als Artikel über die Entwicklung von Börsenkursen. Ich verfolge ebenfalls eine Monatsstrategie, die aber auf einer einfachen Einstiegs- und einer simplen Ausstiegsregel auf den DAX basiert. Falls ich investiert bin, wird am Monatsende geschaut, ob die Ausstiegsregel greift oder nicht und umgekehrt. Auf diese Weise kommt es durchschnittlich zu ein- bis zwei Käufen und Verkäufen pro Jahr. Aufgrund des immer mit einer Aktienanlage verbundenen Risikos stellt diese Anlageform nur ca. 20 % der langfristigen Geldanlage dar, der Löwenanteil ist für sichere festverzinsliche Wertpapiere reserviert (s.a. "10 Mythen der Geldanlage")

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