Sonntag, 17. November 2013

Afrika, Südamerika, Schwellenländer - Aktien-ETFs aus Kontinenten dieser Welt - Teil 5

In der Artikelserie "Aktien-ETFs aus Kontinenten dieser Welt" hatten wir Möglichkeiten betrachtet, um in Nordamerika, Europa und in der Region Asien/Australien/Pazifik sein Geld anzulegen, um damit passive Einkommensströme zu generieren.
Im fünften und letzten Teil dieser Artikelserie schauen wir uns nun einige Exchange Trade Funds an, die in Unternehmen aus den Schwellenländern - auch als Emerging Markets bekannt - investieren. Zudem wird die Möglichkeit geprüft, ob man spezielle Regionen wie Südamerika oder Afrika direkt mit Wertpapieren abdecken kann.

Wie bereits im ersten Teil der Artikelserie angekündigt legen wir hier den Fokus auf ausschüttende Dividenden-ETFs. Gerne können Sie jedoch weitere interessante Wertpapiere hier als Kommentar ergänzen, die nicht in diese Kategorie fallen.

Das erste Jahrzehnt dieses neuen Jahrtausends wird oft auch das Jahrzehnt der Emerging Markets genannt. Zwischen den Jahren 2003 bis 2007 hat sich der Index für Schwellenländer-Aktien nahezu vervierfacht und am Ende dieser Zeit ist die für eine Übertreibungsphase typische Fahnenstange zu erkennen. Wie am Chart des MSCI Emerging Markets schön zu sehen ist, bewegte sich der Leit-Index - nach einem Turnaround im Anschluss der Verwerfungen aufgrund der Finanzkrise - eher seitwärts mit einer leichten Abwärtsbewegung.

MSCI Emerging Markets Price Index seit 1986
Quelle: msci.com
Das Allzeithoch aus dem Oktober 2007 konnte - im Gegensatz zu den US-Indizes - noch längst nicht erreicht oder übertroffen werden.

Diese eher schwächere Performance läuft auffallend parallel zur Abwärtsentwicklung der meisten Rohstoffe seit dem 2011. Ein Phänomen, was wir bereits in der Region Asien/Pazifik feststellten. Hinzu kommt, das einige Schwellenländer mit einer recht hohen Inflation zu kämpfen haben. Die jeweiligen Zentralbanken mussten die Leitzinsen daraufhin teilweise deutlich anheben. Hohe Leitzinsen wirken sich auf den Aktienmarkt bremsend aus.

Wie am Chart schön zu sehen ist, fand eine ähnliche Entwicklung bereits vor dem mächtigen Aufschwung statt. Damals dauerte die Seitwärtsbewegung mit Abwärtstendenz rund 10 Jahre.

Hier nun einige Dividenden-ETFs, die entweder kontinental oder weltweit in Unternehmen aus den Schwellenländern investieren. Da wir ständig auf der Suche nach einem ordentlichen passivem Einkommen sind, betrachten wir lediglich ausschüttende Wertpapiere. Noch ein Hinweis vorweg. Die meisten genannten ETFs sind von iShares, was aber lediglich den Grund hat, dass ich von diesem ETF-Anbieter die meisten Wertpapiere gefunden habe. Wer von anderen Emittenten vergleichbare ETFs findet, darf sie gerne als Kommentar ergänzen.


ETF aus der Region "Schwellenländer"
ISIN: IE00B6YX5B26
aufgelegt seit: Februar 2011
vorauss. Ausschüttungsrendite 2013: 5,3%
Ausschüttungsintervall: 2-mal pro Jahr
jährliche Kosten (TER): 0,65%

Dieser ETF versucht Preis und Ertragsentwicklung des S&P Emerging Markets Dividend Opportunities Index (Ticker: SPGTEDUN) möglichst genau abzubilden. Über den SPDR S&P Emerging Markets Dividend ETF hatte ich früher bereits einmal geschrieben. Mit diesem Wertpapier hat man als Anleger die Chance an globalen Schwellenländermärkten teilzuhaben. So sind derzeit Länder wie Polen, Tschechien und Südafrika zu fast ein Viertel im Portfolio vertreten. Aktuell weist der ETF folgende Länder-Allocation (über 3% Gewicht) auf:

Brasilien 21,8%
China 13,7%
Taiwan 13,5%
Polen 10,5%
Südafrika 9,2%
Türkei 7,7%
Thailand 5,0%
Tschechien 3,2%
Russland 3,1%

Der ETF litt 2013 ziemlich stark unter der schwachen Performance der Emerging Markets und der Verlust beträgt in diesem Jahr noch knapp 15%. Bei über 5% Dividendenrendite bieten sich die derzeit niedrigen Kurse möglicherweise zum Kauf an. Denn anderes als zum Beispiel in den USA sind hier neue Höchstkurse in weiter Ferne.

ISIN: DE000A1JXDN6
aufgelegt seit: November 2011
vorauss. Ausschüttungsrendite 2013: um 4%
Ausschüttungsintervall: 4-mal pro Jahr
jährliche Kosten (TER): 0,65%

Dieser ETF versucht möglichst genau die Wertentwicklung vom Dow Jones Emerging Markets Select Dividend IndexSM abbildet. Der ETF investiert direkt in die im Index enthaltenen Wertpapiere. Die ausgewählten Unternehmen müssen einen Gewinn je Aktie (ein Indikator für die Ertragskraft eines Unternehmens) aufweisen, der in den letzten 12 Monaten nicht gesunken ist, und in den letzten drei Jahren regelmäßig Dividenden gezahlt haben.

Aktuell weist der ETF folgende Länder-Allocation auf:
Taiwan     28,2%
Brasilien   14,3%
China         9,2%
Südafrika   8,0%
Türkei        7,0%
Malaysia    6,8%
Thailand     6,3%
Tschechien 3,3%
Polen         3,3%

Daneben sind mit einer aktuellen Gewichtung um 1% mit Marokko und Ägypten noch zwei weitere Länder aus Afrika im Portfolio.
Auch dieser ETF hat 2013 keine gute Performance (-11%) hingelegt. Die Dividendenrendite dürfte in diesem Jahr mit rund 4% etwas geringer ausfallen als im Jahr 2012. Analog zum SPDR könnte man sich die derzeit günstigen Kurse als mögliche Investment-Chance näher anschauen.

Das Online-Depotkonto der DAB bank

ISIN: DE000A0HGZT7
aufgelegt seit: November 2005
vorauss. Ausschüttungsrendite 2013: 1,5 bis 2,0%
Ausschüttungsintervall: 4-mal pro Jahr
jährliche Kosten (TER): 0,75%

Dieser ETF bildet möglichst genau die Wertentwicklung vom MSCI Emerging Markets Index ab. Der ETF investiert zwar direkt in die im Index enthaltenen Wertpapiere. Wobei aufgrund der hohen Anzahl von derzeit über 750 Unternehmen lediglich eine repräsentative Auswahl von Aktien im Portfolio sind. Der Index bietet somit Zugang zu Aktien aus Schwellenländern der ganzen Welt, die den Kriterien von MSCI für Größe, Liquidität und Freefloat-Marktkapitalisierung entsprechen. Der Index ist entsprechend der Freefloat- Marktkapitalisierung gewichtet.

Samsung ist mit einem 4%-Anteil das Schwergewicht und kommt zusammen mit den anderen prominenten Unternehmen China Mobile, China Construction Bank und Gazprom schon auf fast 10% im Portfolio. Die Ländergewichtung sieht aktuell folgendermaßen aus:

China       18,8%
Südkorea 15,4%
Brasilien 11,0%
Taiwan     10,9%
Südafrika   7,1%
Russland    6,2%
Indien         5,4%
Mexiko      4,8%
Malaysia    3,7%
Thailand     2,4%

Dort sind die bekannten Länder vertreten, mit denen sich die Modewörter "BRIC" oder "MIST" zusammenstellen lassen.
Die aktuelle Jahresperformance ist mit -6% nicht ganz so schlecht wie bei den beiden oben genannten Emerging Markets - Investments, die den Schwerpunkt auf Dividenden-Aktien legen. Diesen Umstand konnten wir bereits bei einigen europäischen ETFs beobachten. Über Gründe lässt sich nur spekulieren. Möglicherweise ist ein Grund, dass viele Marktteilnehmer von einer allgemeine Zinswende in diesem Jahr ausgingen. In einem früheren Artikel hatten wir eine Untersuchung betrachtet, welche Folgen steigende Zinsen für Dividenden-Aktien haben könnten.

ISIN: DE000A0NA0K7
aufgelegt seit: Oktober 2007
vorauss. Ausschüttungsrendite 2013: 2,0 bis 2,5%
Ausschüttungsintervall: 2-mal pro Jahr
jährliche Kosten (TER): 0,74%

Mit quasi denselben Kriterien wird dieser ETF mit Unternehmen aus Mittel- und Südamerika bestückt wie der eben besprochene globale Emerging Markets - ETF. Hier muss man sich jedoch bewusst sein, dass 80 bis 85% Brasilien und Mexiko im ETF enthalten sind.
Hier die aktuelle Länder-Allokation:

Brasilien    58,0%
Mexiko  25,5%
Chile           8,5%
Kolumbien  5,6%
Peru           2,2%

Das heißt, wer zum Beispiel bereits einen höheren Anteil asiatischer Wertpapiere im Depot hat, der könnte auf diese Art und Weise seinen Lateinamerika-Anteil selbstständig wie gewünscht erhöhen.
Mit 14% im Minus bislang in 2013 liegt die negative Performance ähnlich hoch wie beim oben besprochenen SPDR.

ISIN: DE000A0HGZV3
aufgelegt seit: November 2005
vorauss. Ausschüttungsrendite 2013: 2,5 bis 3,0%
Ausschüttungsintervall: 4-mal pro Jahr
jährliche Kosten (TER): 0,74%

Bei diesem ETF, der lediglich vier Ländern im Portfolio hat, liegt eine Besonderheit vor. Es gibt eine sogenannte 10/40 Regel, die sicher stellt, dass die Gewichtung eines einzelnen Unternehmens auf 10% des Index begrenzt ist. Gleichzeitig beträgt die Summe aller Unternehmen mit einer Gewichtung zwischen 5 und 10% maximal 40%.
Auch bei diesem Osteuropa-ETF von iShares herrscht eine Konzentration auf zwei dominante Ländern vor. Im Grunde ist dies ein Russland-Polen ETF, da die beiden Länder bereits über 90% Gewicht haben und durch Tschechien und Ungarn komplettiert werden. Hier die aktuelle Verteilung der Länder im Portfolio.

Russland   68,5%
Polen        24,9%
Tschechien 3,7%
Ungarn       2,9%

Die Ausschüttungen erfolgen 4-mal jährlich, wobei im März meistens kein oder lediglich ein sehr geringer Betrag zum Investor gelangte. Die Performance ist mit -2,5% im Jahr 2013 von den Schwellenländer-ETFs noch mit am besten, aber im Vergleich zum übrigen Europa doch deutlich schwächer.

Von der Diversifikation her gefällt mir der im Europa-Artikel besprochene SPDR MSCI EM Europe UCITS ETF besser. Dort ist noch die Türkei enthalten, der Russland-Anteil etwas geringer und die Ausschüttungsrendite rund 1% höher. Gleichzeitig ist die jährlich Gebühr (TER) günstiger.

Globaler ETF mit Schwellenländer-Anteil
Zur Erinnerung an dieser Stelle, wer bereits einen beträchtlichen Anteil an Aktien aus den USA hat, für den könnte der SPDR S&P International Dividend ETF interessant sein. Denn dieser ETF hat dividendenstarke Unternehmen aus aller Welt, also auch aus den Emerging Markets, außer den USA. Die Dividendenrendite liegt in diesem Jahr zwischen satten 6 und 7%. Wir hatten ihn bereits im Artikel "Sechs globale Aktien-ETFs mit regelmäßiger Dividenden-Ausschüttung im Vergleich" betrachtet.

Investments in Afrika
Der Kontinent mit mittel- und langfristig enormem Wachstumspotenzial ist sicherlich Afrika. Die Schwierigkeit bei direkten Investments in Unternehmen mit Sitz in Afrika sind die häufig noch anzutreffenden politisch instabilen Verhältnisse. Die Gefahr eines Militärputsches oder Bürgerkrieges ist ungleich höher als in anderen Regionen der Welt. Daher ist es insgesamt eine Herausforderung Wertpapiere zu finden, mit denen sich ein solides passives Einkommen aufbauen lässt.
Wer wirklich direkt in viele in Afrika ansässige Unternehmen investieren möchte, für den gibt es einen aktiv gemanagten Fonds, den African Lions Fund mit der ISIN: LU0389403337, der allerdings thesaurierend ist. Das TER liegt bei üppigen 3% und das Fondsvolumen lediglich bei rund 5 Millionen Euro. Da das Volumen im Vergleich zu den letzten Jahren rückläufig ist, bleibt die Frage, wie lange sich dieser Fonds für den Emittenten überhaupt noch lohnt.
Auch aus dem Hause DWS wird ein thesaurierender Fonds angeboten, aber mit derzeit nur sechs afrikanischen Ländern und ein Viertel sind Investments außerhalb dieses Kontinents. Die TER liegt bei knapp 2% und das Fondsvolumen liegt bei knapp 150 Millionen Euro.

Welche Möglichkeiten gibt es sonst noch?
Wie wir bei den oben genannten Schwellenländer-ETFs gesehen haben, erfüllen offenbar einige Unternehmen aus zwei bis drei Ländern gewisse Qualitätsstandards, um in das Portfolio aufgenommen zu werden. Sollten zukünftig noch mehr Länder aus Afrika die Kriterien erfüllen, dann wird der Anteil von Unternehmen mit Sitz auf diesem großen Kontinent sicherlich zunehmen.

Zum anderen profitieren von der Entwicklung in Afrika auch viele Konzerne aus der "westlichen" Welt. Beim Thema Wasser sind zum Beispiel Nestlé oder Coca Cola, bei Rohstoffen unter anderem BHP Billiton involviert. Wer also in global agierende Konzernen investiert, die oft sogar zu den Dividenden-Aristokraten gehören, ist indirekt auch am Aufschwung Afrikas beteiligt.

comdirect

Noch einige Hinweise
Die Problematik der replizierenden ETFs mit einer hohen Aktienanzahl hatten wir im Artikel "Was ist ein ETF? - Teil 2" betrachtet.

Wichtig für Anleger aus Deutschland: Einige hier gelisteten ETFs sind (möglicherweise) nicht im Bundesanzeiger aufgeführt. Damit gelten sie in Deutschland als intransparent und es besteht die Gefahr einer pauschalen Schätzungsteuer. Mehr zu diesem Thema in dem gesonderten Artikel über die Besteuerung von intransparenten Fonds/ETFs.
Einige Wertpapiere sind möglicherweise nur über ausländischen Handelsplätzen zu erwerben. In einem Artikel hatte ich beschrieben wie man aus Deutschland Wertpapiere an ausländischen Börsen kauft.

Eine Vielzahl von ETFs mit einer möglichst hohen Ertragsausschüttung sind auf der Seite "Ausschüttungsquoten von ETFs" zu sehen. In der ausführlichen Liste "ETF Rendite Premium" finden Sie von derzeit fast 50 ETFs die - teilweise monatlichen - Zins- und Dividendenausschüttungen (in Euro umgerechnet) seit 2011.

Das war der letzte Teil der Serie "Aktien-ETFs aus Kontinenten dieser Welt":
Teil 1: Ankündigung einer neuen Artikelserie
Teil 2: Nordamerika
Teil 3: Europa
Teil 4: Asien/Australien/Pazifik
Teil 5: Afrika, Südamerika, Schwellenländer

Wenn Sie noch weitere interessante ETFs kennen, dann teilen Sie uns dies am besten gleich als Kommentar mit. Auf diese Weise haben wir alle etwas davon, die passives Einkommen generieren möchten. :-)

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Der LU0480133098 ist mit einer TER von 0.4% einiges günstiger als der iShares. Anstatt Afrika lieber einen Frontier Market ETF ( z. Bsp.LU0328476410). Das lohnt aber nur bei großen Depots.

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    1. Danke für die beiden ETFs. Kostet der erstgenannte wirklich 76.000 Euro pro ETF-Anteil oder habe ich mich irgendwie vertan oder vertippt?

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    2. Oh, da hab ich mich vertan. Der ETF für Privatkunden hat 0.45% LU0480132876

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  2. Wie würdest du bei diesen ETF´s das Risiko beurteilen, das sie eingestellt werden? Beispielsweise hat der Erste ein Volumen von nur 75 Millionen Dollar. Die Ausschüttungsquote lockt mich schon sehr stark um es als langfrist Investment aufzunehmen, aber ein bisschen Bammel habe ich da schon...

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    1. Gute Frage. Das Thema hatten wir neulich auch schon im Newsletter oder im Monatlichen Marktbericht. Wenn ich mich recht erinnere, sind die Abflüsse aus diesem ETF zurückgegangen bzw. das Fondsvolumen hat sich stabilisiert.

      Der ETF ist bzgl. KGV um 10 und einer ordentlichen Dividendenrendite sicherlich günstig bewertet. Das Geld bei einer Auflösung wäre ja nicht weg, sondern man würde zum aktuellen Kurs ausgezahlt. Man könnte vielleicht mit einem kleinen Geldvolumen dort erste Anteile erwerben und dann das Fondsvolumen weiter beobachten. Sollte es wieder ansteigen, wird der Anbieter diesen ETF wohl nicht auflösen.

      Oder man versucht sich alternativ am ETF von iShares, dessen Volumen derzeit 265 Millionen US-Dollar beträgt.

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