Samstag, 26. Oktober 2013

Wenn der Abstand zur 100 Wochen-Linie zu groß wird

Wir beschäftigen uns hier auf diesem Blog nicht mit kurzfristigem Trading. Bei diesem versucht man die vielen Kursbewegungen im Stunden- oder Tagesniveau gewinnbringend auszunutzen. Hier haben wir dagegen eine langfristige Sichtweise von Jahren bis hin zu Jahrzehnten. Dennoch stellt sich gelegentlich die Frage, ob man zu einem gewissen Zeitpunkt überdurchschnittlich viel verfügbares Kapital investieren möchte. Sei es weil man gerade ein besonders gut gefülltes Konto hat oder weil die "Gelegenheit" gerade günstig erscheint. Für solche Fälle gibt es tatsächlich einen Indikator, den man meiner Meinung gut gebrauchen kann.



In früheren Artikeln haben wir bereits gesehen, dass die 100 Wochen-Linie (gleitender Durchschnitt des Kurses der zurückliegenden 100 Wochen) eine gute Möglichkeit ist, ob sich ein Markt in einer Trendphase befindet. Grob gesagt: notiert der Kurs eines Wertpapieres unter dem gleitenden Durchschnitt, liegt ein Abwärtstrend vor, wird dagegen ein Kurs darüber registriert, befindet sich das Investment in einem Aufwärtstrend.
Schauen wir uns dazu einmal den Deutschen Aktien-Index DAX während der zurückliegenden 10 Jahre an.

Kurs des DAX seit Ende 2003 und die zugehörige 100 Wochen-Linie (rot)
- Quelle: Comdirect
Wir sehen, es gibt immer mal wieder Zeiträume, in denen sich der Kurs mehr oder weniger deutlich von der 100 Wochen-Linie entfernt. Interessant erscheinen die Phasen, in denen der DAX 20 bis 30% höher notierte als der zeitlich zugehörige gleitende Durchschnitt. In diesen Zeiten fühlten sich Aktionäre gut, denn man befand sich jeweils in einem ordentlichen Aufwärtrend. Allerdings sieht man auch, sobald die 20%-Marke überschritten wurde, gab es keine besonders ausgeprägte Aufwärtsbewegung mehr. Das bedeutete nicht zwingend ein Ende der Aktienhausse, aber es erfolgte wenige Wochen später zumindest eine deutliche Korrektur. Zuletzt gab es eine Korrektur im Mai/Juni 2013 als der DAX innerhalb von vier Wochen vorübergehend rund 850 Punkte verlor.

Am Ende der zurückliegenden Woche überschritt der DAX erstmals die 9000 Punkte-Marke und damit befindet er sich 22% über der 100 Wochen-Linie. Nun müssen deshalb am Aktienmarkt keine besonders negativen Ereignisse wie ein Crash oder langer Bärenmarkt bevorstehen. Aber das Aufwärtspotenzial in den nächsten Wochen und Monaten scheint vorläufig begrenzt zu sein. Das ist ein Grund, warum ich vor ein paar Tagen im Statusbericht des Muster-Depots sagte, ich sei im Moment nicht besonders investitionsfreudig.
Natürlich kann der Markt trotzdem noch weiter nach oben laufen. Bei einem DAX-Stand von 10.000 Punkte würde der Abstand zur 100 Wochen-Linie rund 35% betragen. Diese Größenordnung hatten wir beinahe in den Haussejahren 2006 und 2007.

Am Rande erwähnt kann eine Panik offenbar noch größere Extremwerte annehmen als die Gier. Denn in der Finanzkrise erreichte der Abstand zwischen Kurs und gleitendem 100 Wochen Durchschnitt fast 50 %. Gleichzeitig sieht man sehr schön, dass Crashzeiten - die übrigens weniger oft stattfinden als gemeinhin geglaubt wird - langfristig betrachtet außergewöhnlich gute Investitions-Chancen darstellen.



Wer sich mit aktuellen Marktsituationen im Grunde nicht beschäftigen möchte, der investiert einfach in regelmäßigen Abständen (monatlich oder pro Quartal) diszipliniert eine festgelegte Geldmenge. Damit agiert man automatisch antizyklisch, denn in Boomphasen erhält man weniger Aktien oder Investmentanteile als in Bärenmärkten oder Crashzeiten, bei denen man automatisch mehr fürs Geld bekommt.

Wie gehen Sie vor? Investieren Sie - ohne Berücksichtigung des Marktes - in festen Zeitintervallen?

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Hi,

    ich investiere monatlich in ETF´s bevorzugt als Sparplan zum 0€ Tarif

    Dabei ist mein Ziel, monatlich so viel zu investieren wie möglich.
    Nicht indem ich möglichst viel von meinem jetzigen Einkommen spare, sondern in dem ich immer wieder neue Einkommensquellen generiere und hiervon ein Teil investiere!

    Da ist mir der Markt, Wirtschaftslage, Aktuelle Stimmung völlig egal.

    Ich konzentriere mich zu 100% auf meine Geschäfte und sehe zu wie die monatlichen Ausschüttungen (die natürlich reinvestiert werden ) immer weiter ansteigen.

    Was der Kurs macht ist da wirklich sehr unwichtig. Ich sag mir immer: Jetzt kaufe ich günstiger als in 10-20 Jahren (bin erst 23)
    Bei einem Crash natürlich umso besser/günstiger ! :)

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    1. Gratulation für das im Leben frühe Interesse an Geld und Investition! Damit hast Du noch alle Zeit der Welt und wirst mit der bereits erworbenen finanziellen Bildung wahrscheinlich recht flott die finanzielle Freiheit erreichen.
      Bleib weiter dran!

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  2. Hallo Lars Hattwig, sehr interessant woher kommt die Begründung für diese 100 Wochen (also ca. 2 Jahre) Linie? 200 Tages oder 30 Tages Linien waren mir geläufig. VG Svenglückspilz

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    1. Es gibt auch die 100 Tage-Linie, die gelegentlich verwendet wird. In dem obigen Chart verwende ich Wochenkerzen, daher auch der langfristige gleitende Durchschnitt von 100 Wochen. Damit habe ich bzgl. Trends oder extreme Unterschiede zum Kurs gute Erfahrung gemacht. Andere möglich vielleicht mit der 50- oder 200-Wochenkurve besser zurechtkommen. Für Leute, die häufiger Traden und damit ihre Investments zwischendurch verkaufen mag die 100 Wochen-Linie zu träge sein. Zum Entdecken von explizit günstigen Nachkaufgelegenheiten finde ich ihn prima.

      VG
      Lars

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  3. Hallo Investor, wenn es Einkommensquellen (auch mehr oder weniger passiv) sind, die optimalerweise auch noch wenig mit Aktien korrelieren, dann würde es ja vielleicht Sinn machen die hier mal vorzustellen um Erfahrungen auszutauschen.
    VG Svenglückspilz

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