Montag, 8. April 2013

Buchrezension: Ulrich Horstmann, "Womit wir morgen zahlen werden"

Es gibt etliche Finanzbücher, die über negative Zukunftsszenarien berichten. Themen, die Ängste und Befürchtungen bei Menschen berühren, erwecken eine größere Aufmerksamkeit und lassen sich somit auch besser verkaufen. Allerdings beim - im Sommer 2012 erschienenen - Buch vom Finanzbuchverlag "Womit wir morgen zahlen werden: Warum die Währungsreform schneller kommt, als Sie denken" von Ulrich Horstmann wurde ich neugierig. Denn bereits ein Jahr zuvor hatte der Autor in einem Buch angekündigt: "Die Währungsreform kommt!"


Der Titel des Buches lässt vermuten eine Antwort darauf zu finden, mit welcher Währung wir uns zukünftig anfreunden oder abfinden dürfen. Doch diese gibt es nicht. Denn aus heutiger Sicht steht noch nicht fest womit wir zukünftig bezahlen werden. Allerdings bezweifelt der Autor ziemlich stark, dass der Euro in der heutigen Form noch lange Bestand haben wird.
Die Beschreibung der sogenannten "Rettung des Euro" und der damit verbundenen ökonomisch fragwürdigen Aktivitäten der Politiker bildet den eigentlichen Inhalt des Buches.

Sämtliche früheren Ziele, die mit dem Euro verbunden waren wurden deutlich nicht erreicht. Dazu gehören vor allem das Zusammenwachsen der europäischen Völker, die Stabilität des Euro und die Unabhängigkeit der Notenbank EZB.
Dagegen wurden staatlich Insolvenzen verzögert und die Schuldenkrise mit immer neuen Schulden und Bürgschaften zu bekämpfen versucht. Zudem bringe man die Völker eher gegeneinander auf als dass sie näher zusammenrücken.

Erstes Kapitel
Das erste der insgesamt drei Kapitel behandelt den Verfall der Ordnungspolitik und der von Politikern fehlgeleitete Finanzinstitutionen. Dabei geht der Autor auf typische Verhaltensmerkmale von Bundeskanzlerin Merkel ein, die Stück für Stück Grenzen deutscher Politik aufgibt und kritisiert die deutlich zu hohen Steuerlasten.

Zweites Kapitel
Im zweiten Kapitel werden die Ereignisse bezüglich der Eurokrisenbewältigung bis Anfang 2012 beschrieben. Gleichzeitig wird eine Argumentationskette aufgebaut, warum die Währungsreform noch schneller kommen wird als von ihm im letzten Buch: "Die Währungsreform kommt!" ursprünglich angenommen. Er rechne damit noch im Jahr 2013 oder 2014. Allerdings betonte er, dass dies keine Prognose sei, sondern eine von ihm als wahrscheinlich angenommenes Szenario ist. Wörtlich heißt es auf Seite 141: "Wenn die Politiker es trotz zunehmender Vertrauensprobleme in der Bevölkerung durch repressive Maßnahmen schaffen, weiter gegen die Marktkräfte und die Bürgerinteressen weiterzuregieren, und die EZB zum Gelddrucken veranlassen, kann es natürlich länger halten."

"Womit wird morgen zahlen
werden" von Ulrich Horstmann
Drittes Kapitel
Im dritten Kapitel macht der Autor Vorschläge, wie man ein vorhandenes Vermögen einigermaßen glimpflich durch die bevorstehenden Veränderungen bringen könnte. Seine Vorschläge fußen auf den Erfahrungen von früheren Währungsreformen oder solche, die in anderen Ländern stattgefunden haben. Da dieses Thema für Geldanleger am meisten relevant ist, werde ich darüber etwas konkreter berichten.

Seiner Meinung nach würden Aktien eher wenig oder nur vorübergehend unter einer Währungsreform leiden. Nicht auszuschließen ist jedoch, dass es seitens des Staates zu Zwangsmaßnahmen kommt, wie zum Beispiel eine höhere Besteuerung auf Erträge und Kursgewinne als 25% wie derzeit.

Unternehmen mit Sitz in den USA, Kanada, der Schweiz oder Norwegen wären in einem derartigen Szenario zu bevorzugen.

Leute mit einer eigenen Immobilie sollten die Veränderungen eher unbeschadet überstehen, obgleich seitens des Staates Zwangsabgaben nicht auszuschließen seien. Diese würden nach Meinung des Autors eher Personen betreffen, die eine Immobilie zur Weitervermietung anbieten und nicht zum Eigenbedarf. Immobilien - in welcher Form auch immer - seien jedoch in diesem Szenario weniger sicher als Aktien.

Auch der Edelmetallbesitz - besonders Gold und Silber - sollte den Wert des Geldes nach einer Währungsreform weitgehend erhalten. Allerdings könnte in schlimmsten Szenarien der Besitz von Gold zumindest vorübergehend verboten werden.

Selbst Unternehmensanleihen höchster Qualität und Bonität sollten unterm Strich gut durch die Krise kommen.

Zu meiden wären generell Staatsanleihen aus der Eurozone, Lebensversicherungen und Spareinlagen.

Auf der Seite 168 findet der Leser eine schöne Übersicht von Indizien wie die Bevölkerung eines Landes schon im Vorfeld bemerken kann, ob eine Währungsreform droht oder nicht. Diese ist meiner Meinung nach - neben zahlreichen anderen sinnvollen Tabellen und Zusammenstellungen - ein echter Mehrwert dieses Buches.

Nachschlagewerk
Zahlreiche Behauptungen und aufgestellte Szenarien sind mit Zitaten oder Quellenangaben versehen. Dies ist natürlich vorteilhaft zum Untermauern der Aussagen, erschwert jedoch das Lesen ein wenig. Überhaupt ist dies kein Buch, welches man schnell in einer überschaubaren Zugfahrt durchliest. Dafür liefert das Werk einen schönen Überblick über die Geschehnisse der Eurokrise. Wer es ganz genau wissen möchte, findet viele Quellen zum Nachlesen, insofern eignet sich das Buch auch als Nachschlagewerk.

Fazit
Insgesamt ist das Buch "Womit wir morgen zahlen werden: Warum die Währungsreform schneller kommt, als Sie denken" von Ulrich Horstmann ein interessanter Überblick über die Versuche die Eurokrise einzudämmen. Als Leser erfährt man auch einige Details über Politiker und Verhandlungen, die zeitlich erst später - abseits des medialen Interesses - an die Öffentlichkeit kamen. Selbst als Nachschlagewerk mit zahlreichen Verweisen und einigen Tabellen eignet es sich sehr gut.
Für Geldanleger empfiehlt er vor allem Aktien, zudem eine eigene Immobilie mit geringer oder keiner Verschuldung und Edelmetallbesitz. Bei den Anlagen geht er jedoch nicht zu sehr in die Tiefe, zum Beispiel werden ETFs überhaupt nicht genannt.
Meiner Meinung nach ist dies ein Buch, welches aus der Rubrik der "negativen zukünftigen Wirtschaftsszenarien" auf jeden Fall eines der besseren ist.

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Wirklich sehr schade, daß der Autor in seinem Buch nicht wie im Titel angegeben beschreibt, wie wir in Zukunft zahlen werden. Wahrscheinlich gibt es eine Währungsreform mit Abwertung und es geht wieder weiter mit der neuen Währung. Am besten man schützt sich vor der Währungsreform mit Sachwerten, darum baue ich mir schon nachhaltig ein Dividenden Depot seit 2 Jahren auf.

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    1. Ich fand es wirklich spannend, dass Qualitäts-Aktien bei einer Währungsreform als eine der sicherste Anlageformen angesehen werden. Dies bestätigte offenbar auch die Vergangenheit bei früheren Währungsreformen oder solche in anderen Ländern.

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  2. @Finanzielle Freiheit mit Dividenden-Blog
    Dabei liegt der Schwepunkt bei qualitativ hochwertigen Dividendentiteln und nicht bei Titeln mit hoher Dividende, die fast dein ganzes Depot ausmachen.

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