Mittwoch, 13. März 2013

Global High Dividend Wikifolio-Zertifikat ab sofort eingestellt

Das Global High Dividend Zertifikat von Wikifolio empfand ich für einige Wochen als eine gute Idee. Zum einen für Anleger, die selbst mit wenig Kapital in der Lagen waren, breit diversifiziert Vermögen aufzubauen. Denn von den Investments bin ich überzeugt, dass diese mittel- und langfristig gut performen werden.
Zum anderen hat es mir Spaß bereitet, zahlreiche Investments zu einem profitablen Portfolio für Anleger zusammenzustellen und zu managen. Nun habe ich die Entscheidung gefällt, das Zertifikat mit sofortiger Wirkung einzustellen.

Bei dem Entschluss ein Projekt zu beginnen gilt es immer Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen. Die Vorteile aus meiner Sicht habe ich eben genannt. Zwei Sachverhalte haben mich aber von vorneherein gestört.

Keine Dividendenausschüttung
Eine Hauptfokussierung hier auf dem Blog von finanziell umdenken ist passives Einkommen durch Zinsen und Dividenden zu erzielen. Im Wikifolio-Zertifikat werden diese nicht ausgeschüttet, sondern bleiben im Zertifikat enthalten. Immerhin, möchte ich sagen, denn es gibt auf dem Wertpapier-Markt nicht wenige Zertifikate - selbst mit Dividenden-Aktien - bei denen die ausgeschütteten Dividenden quasi als Gebühr an den Emittenten gehen. Der Anleger partizipiert lediglich an der Kursentwicklung. Somit empfand ich das Wikifolio-Zertifikat vergleichsweise nicht überteuert.
Mit der einbehaltenen Dividenden konnte ich mich aber noch anfreunden. Denn die Ausschüttung stand als Liquidität für weitere Investments zur Verfügung. Also gibt es keine große Änderungen als wenn man selbst die Dividende jeweils wieder reinvestiert.

Emittentenrisiko
Das Emittentenrisiko lag mir von Anfang an am schwersten im Magen. Daher hatte ich gleich im ersten Beitrag diese Thematik angesprochen und an verschiedenen Stellen darauf hingewiesen, eher kleinere Beträge zu investieren. Einige Leser des Blogs haben als Kommentar ebenfalls auf das Risiko eines Totalverlustes hingewiesen.
Da die Anlagedauer der hier genannten Investments mittel- bis langfristig ist, ist diese Gefahr nicht mehr zu vernachlässigen. Nach reiflicher Überlegung habe ich daher heute entschieden, das gesamte Projekt einzustellen.

Was ist mit den Leuten, die bereits investiert sind?
Sämtliche im Wikifolio enthaltende Wertpapiere habe ich heute verkauft, das heißt ab sofort besteht kein Kursrisiko mehr. Es gibt ab sofort auch nicht mehr die Möglichkeit dieses Zertifikat zu kaufen. Die Inhaber der Zertifikate können diese weiterhin jederzeit verkaufen. Sollte dies bis Ende des Jahres nicht geschehen, werden die noch vorhandenen Zertifikate automatisch verkauft und das liquidierte Kapital den Anlegern auf ihrem Konto gutgeschrieben.
Da die Performance derzeit leicht positiv war, sollte selbst nach Berücksichtigung der Ordergebühren kein Anleger mit einem Verlust herauskommen, sondern mindestens mit einer schwarzen Null.
Damit keine Bedenken aufkommen irgendeinen Vorteil mit der Schließung des Zertifikates anzustreben, verkaufe ich meinen kleinen investierten Anteil erst zum Beginn der kommenden Woche.

Fazit
Nicht jedes Projekt verläuft erfolgreich. Aber ich hätte mich überhaupt nicht gut gefühlt, wenn es tatsächlich in einiger Zeit zu einer Insolvenz des Emittenten gekommen wäre.
Die anderen "Projekte" wie die Seite "Ausschüttungsquoten von ETFs" und das "High Yield/Dividend Depot" bleiben allen Lesern dieses Blogs weiter erhalten!
Ich freue mich übrigens sehr, dass auch kritische Leser dieses Blog aufsuchen und sich zu Wort melden, wenn ihnen etwas nicht gefällt oder sie anderer Meinung sind.

Kommentare:

  1. Ein mutiger Schritt! Ich stimme dir aber in jedem Fall zu, dass ein Zertifikat niemals als Basis für eine langfristige Anlage über mehrere Jahrzehnte dienen kann. Das wäre wie die Wette auf eine einzige Aktie.

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  2. Finde ich gut das du so konsequent gehandelt hast und die Anleger im Grunde vor dem Emittenten schützt.
    Wer deine Strategie folgen möchte kann auch mit relativ wenig Kapital anfangen in ETFs zu sparen.

    VG
    Chart

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  3. Die Risiko-Gegebenheiten waren eigentlich schon vorher klar. Aber besser spät als nie die Notbremse ziehen, bevor es dann später Ärger gibt.

    Was mich vor allem gestört hat, war die Thesaurierung. Das hat ja auch irgendwie so gar nicht zu deiner Grundausrichtung auf Ausschüttungen gepasst.

    Gruß
    Ulrich

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  4. Sehr gute Entscheidung Lars! Auch ich habe den Antrag auf eine ISIN für mein Wikifolio zurückgenommen. Es handelt sich eben um ein Zertifikat was ein Dividenden Depot nachbildet und mit Derivaten möchte ich nicht mehr handeln!

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  5. super... ich bin froh... mein Wunsch wäre fokus auf dein Dividenten Depot mit Berichten.

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  6. Hallo Lars,

    spannendes Projekt, nachvollziehbare Entscheidung. Was mich interessieren würde: Wie stehst Du denn nun zu Wikifolio insgesamt?

    Viele Grüße
    Holger

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    1. Hallo Holger,

      grundsätzlich finde ich Wikifolio eine schöne Einrichtung für Leute, die ihre Investments im Stil eines Fondsmanagers ausprobieren möchten. Allerdings ist dies mehr eine Plattform für kurzfristige Anlagen mit gehebelten Instrumenten. Dabei spielt das Emittentenrisiko weniger stark eine Rolle als beim langfristigen Vermögensaufbau.
      Für letzteres halt ich es mittlerweile - leider - für nicht so geeignet.

      VG
      Lars

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  7. Hallo Lars,
    ausgebezahlte Dividenden sind sicherlich die bessere Alternative.
    Bei dem ganzen Dividendenhype sollten wir aber die jüngsten Entwicklungen an der europäischen Zwangsenteignungs-Front nicht ausklinken.
    Die Staatsabzocke in Form von knallharten Abgeltungssteuern, so wie diese sich in den letzten Jahren bereits innerhalb der europäischen Staaten eingebürgert hat, wäre vor einigen Jahren undenkbar gewesen.
    Kein Mensch regt sich über diese staatlichen Beutezüge noch auf!
    Nun kommt der nächste Schritt in Form eines weiteren Versuchsballons als Konto-Zwangsenteignungen, beginnend beim Zwergenstaat Zypern mit bis zu 10 %, je nach Kontoguthaben!
    Spätestens jetzt sollten bei jedem mündigen Staatsbürger alle Alarmglocken schrillen, zumal Frau Merkel von der neuen Maßnahme hellauf begeistert scheint!
    Die Frage ist doch nur noch, wie können wir unsere Spargroschen vor der europäischen Raub-Krake schnellstmöglich in Sicherheit bringen, bevor dieses Beispiel Schule macht und weitere Zwangsenteigungen in Nacht & Nebelaktionen durchgepeitscht werden!
    Welche Vorgehensweisen sind empfehlenswert und praktikabel?
    Das ist doch für jeden Sparer ein weiterer Schlag in`s Gesicht und die Nichtsparer werden Freudensprünge machen!
    Beste Grüße
    Konrad

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    1. Hallo Konrad,

      zunächst einmal finde ich nicht, dass derzeit ein Hype um Dividenden-Aktien stattfindet. Dafür sind mir noch immer viel zu wenige Privatleute in Aktien investiert.

      Zur Zwangsenteignung. Im Augenblick wird von den Verantwortlichen eher wieder etwas zurückgerudert und man versucht Schadensbegrenzung zu betreiben. Wenn ich das richtig mitbekommen habe, ist lediglich Bargeldvermögen davon betroffen, keine Investments in Vermögenswerte wie Aktien.

      Dennoch, ich möchte nichts beschönigen und das Vorhaben ist aus meiner Sicht völlig inakzeptabel. Es ist auch ein völlig kontraproduktives Signal für den Kleinanleger, der nach der Banken- und Eurokrise gerade wieder ein wenig Vertrauen zurückgewonnen hat.

      Aber in Ländern wie Deutschland kann ich mir eine derartige offensichtliche Zwangsenteignung nicht vorstellen. Die findet seit einiger Zeit auf einem anderen Weg statt, nämlich mit der finanziellen Repression.

      VG
      Lars

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  8. Hallo Lars,

    Ihre Zuversicht in die deutschen Politiker kann ich leider überhaupt nicht teilen.

    Denken Sie nur daran, welche Intelligenzbolzen diese unsägliche Abgeltungssteuer in ganz Europa angestoßen haben!

    Diese fehlgesteuerten Abzocker sind zu allem fähig und auch in Deutschland läßt sich so ein Kontenzugriff jederzeit über Nacht realisieren!

    Die deutschen Michel sind sehr leidensfähig, das kann man problemlos nachvollziehen.

    Wir sollten uns ernsthaft Gedanken darüber machen, wie wir unsere mühsam ersparten Groschen aus dem Dunstkreis der europäischen Abzockpiraten in sicherere Tücher bringen!

    Hierzu wären die richtigen Anleitungen dringend von nöten.

    Was nutzt eine schöne Dividende, wenn Schäuble und Konsorten Ihre Stielaugen darauf werfen und in Ihrem Elfenbeinturm in Brüssel Wege erfinden, wie man uns diese Dividenden wieder abnimmt.

    Was muß noch alles passieren, bis die Leute endlich aufwachen und diesen Halsabschneidern die rote Karte zeigen?

    Beste Grüße
    Konrad

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    1. Hallo Konrad,

      mitnichten begrüße ich die Vorgehensweise vieler deutscher Politiker. Ich schrieb es ja oben, dass seit längerem zumindest die Sparer mit Bargeld auf den Konten schleichend enteignet werden. Das ist nicht so offensichtlich wie 6,5 oder 10% offen abzuknapsen, daher regt sich darüber kaum jemand auf.

      Wohin mit dem Geld? In jedem Staat können sich Gesetze und Besteuerung rasch ändern. Daher gibt es in keinem Land eine wirkliche Sicherheit. Das beste ist wahrscheinlich die Geldanlage global zu verteilen, um eine gewisse Diversifizierung zu erreichen.

      Wer eine Erhöhung der Abgeltungssteuer verhindern möchte, sollte Parteien ab der SPD weiter links nicht wählen. Wobei ich im früheren Artikel SPD plant Erhöhung der Abgeltungssteuer bereits schrieb, dass sich auch CDU/CSU im Zweifelsfall nicht gegen eine Erhöhung sträuben würden.

      VG
      Lars

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