Mittwoch, 26. Dezember 2012

E.ON und RWE weiterhin im übergeordneten Bärenmarkt

Die beiden größten Versorger im Deutschen Aktienindex DAX, nämlich E.ON und RWE, hatten in den letzten Jahren wirklich mit etlichen Problemen zu kämpfen. In den Medien war zu hören, dass die Gründe für die Schwierigkeiten hauptsächlich der Kurswechsel der Bundesregierung im Jahr 2011 bei der Atompolitik nach den Ereignissen im japanischen Fukushima war. Doch schauen wir einmal genauer hin.

Man kann noch soviel spekulieren und argumentieren, ein Chart eines Aktien-Unternehmens zeigt das Ergebnis des Kenntnisstandes aller Marktteilnehmer an. Zu jedem Zeitpunkt gibt es einen Preis-Konsens zwischen den Marktteilnehmern, die den aktuellen Kurs zu günstig und denen, die ihn für zu hoch halten.
Wenn man die täglichen Fluktuationen des Preises von Wertpapieren unterordnet und sich die Entwicklung der Preise über Monate und Jahre anschaut, erhält man ein übergeordnetes Bild der Preisfindung.

Die Aktien-Charts von E.ON und RWE, die neben der Deutschen Telekom zu den zuverlässigsten Zahlern einer hohen Dividenden waren, sind ziemlich ähnlich, daher betrachten wir hier als Beispiel den Kursverlauf von E.ON.

Aktien-Chart von E.ON - Quelle: www.comdirect.de

Seit der Finanzkrise im Jahr 2008 haben die Aktien-Charts von E.ON und RWE ihre jeweilige 100 Wochen-Linie nach unten überquert. Das ist in der Chart-Technik ein mittelfristiges Verkaufssignal und mit dem einhergehenden Abwärtstrend befindet sich die Aktien dieser Unternehmen in einem übergeordneten Bärenmarkt. Trendbestätigend ist in der Chart-Technik, wenn die 100 Wochen-Linie trotz mehrmaligen Versuchs nicht nach oben überwunden werden kann (die drei Versuche sind im Chartbild markiert).
Richtig ist, seit Bekanntgabe der Änderung in der Atompolitik seitens der Bundesregierung beschleunigte sich der Abwärtstrend vorübergehend. Aber, im übergeordneten Abwärtstrend und damit im Bärenmarkt befanden sich die Aktien beider Unternehmen bereits seit 2008. Ganz im Gegensatz zum DAX, der seit März 2009 eine beeindruckende Rally hingelegt hat.

Fazit
E.ON und RWE gehören nicht nur zu den Underperformern im DAX, sondern befinden sich beide (noch) in einem langfristigen Bärenmarkt. Wer auf der Suche nach guten Dividendenzahlern diese nicht über ETFs bezieht, sondern die Titel einzeln ins Depot holt, sollte:
1.) sich die Fundamentaldaten genauer anschauen, ob das wirtschaftliche Gesamtumfeld zukünftig wieder steigende Gewinnmargen in Aussicht stellt.
2.) beobachten, ob der Chart die 100 Wochen-Linie nach oben überqueren kann (nachhaltig).

Positiv bleibt anzumerken, die Tiefpunkte aus 2011 wurden nicht mehr unterboten und besonders bei RWE hat sich zuletzt ein zaghafter Aufwärtstrend seit Spätsommer 2011 abgezeichnet. Auch bei E.ON läuft der Aktienchart zuletzt eher seitwärts und nicht mehr abwärts.

Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Der Absturz von EON und RWE war kernig. Der Atomausstieg hat seine Spuren hinterlassen. Was ich ehrlich gesagt unfair fand, war das Verhalten der Bundesregierung. Neben Fukushima schlug die Bundesregierung mit der neuen Brennelementesteuer zu. Da kam ein Problem zum nächsten.

    Zur gleichen Zeit hat Schwarz-Gelb die Automobilwirtschaft, als es denen nicht gut ging in der Finanzkrise, mit der Abwrack-Prämie Milliarden-Zuschüsse genehmigt.

    Fazit: Die Lobbyisten der Autoindustrie sind offenbar mächtiger als jene der Atomindustrie.

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  2. Hi Tim,

    in der Tat, da wurde zweierlei Maß angesetzt und der Einfluss der Lobbyisten ist nicht zu unterschätzen.

    Persönlich bin ich grundsätzlich gegen Subventionen, da sie Probleme in der Regel nicht bekämpfen, sondern den Abstieg lediglich verzögern. Aber das ist ein anderes Thema.

    Allerdings wäre es im Sinne der Gleichberechtigung schon gut, wenn von der Bundesregierung eine Linie gefahren wird. Nicht einmal zu helfen und andere, die möglicherweise sogar unverschuldet in Schwierigkeiten kamen, hängen zu lassen.

    VG
    Lars

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  3. RWE beabsichtigt die Dividende wohl auf 1 Euro zu senken. Beim jetzigen Kurs eine Dividendenrendite von rund 4%.

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  4. Beinahe ein Jahr nach Erscheinen dieses Artikels ist nun dieser Bericht im manager-magazin erschienen.

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