Montag, 21. Mai 2012

Wie sollte man sich bei starken Kursrückgängen verhalten?

In den letzten Wochen sind die weltweiten Aktienmärkte insgesamt nicht mehr angestiegen. Im Mai gaben selbst die zuletzt so starken US-amerikanischen Indizes deutlich nach. Ich werde derzeit gelegentlich gefragt, wie man sich in solch einer Phase verhalten sollte. Aktienanteile verkaufen, lieber die Füße stillhalten oder ins "fallende Messer greifen" und jetzt neue Anteile ins Depot holen?

Was bei den Autofahrern bezüglich der Kraftstoffpreise gut klappt, das funktioniert an den Aktienmärkten oft genug nicht. Nämlich dann zu kaufen, wenn die Preise niedrig sind. Noch immer steigen viele Anleger erst ein, wenn es einen längeren Anstieg an den Aktienmärkten gab, die Kurse also teuer sind und verkaufen entnervt, wenn die Kurse nahe eines Tiefpunktes sind.
Andere Anleger schauen erst wochen- und monatelang den steigenden Kursen hinterher und bleiben untätig, da der Markt schon eine Weile gut gelaufen ist. Dann kommt es zu Kursrücksetzern und in den Medien hört man zahlreiche negative Nachrichten. Die Folge ist, die ersehnt erwarteten Kursrückgänge werden auch nicht zum Kauf von neuen Investmentanteilen genutzt.

Kurse erzeugen Nachrichten, nicht umgekehrt
Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass in der Masse nicht die Nachrichten Kursbewegungen auslösen, sondern umgekehrt. Steigen die Notierungen von Aktien eine längere Zeit an, dann wird oft von einer Erholung der Wirtschaft und guten Aussichten gesprochen. Wenn die Aktienkurse plötzlich stark oder längere Zeit zurückgehen, dann werden alle möglichen Probleme ausgekramt, die dem "Markt" im Grunde längst bekannt sind. Daher registrieren Sie die Medien-Nachrichten, aber lassen Sie sich davon nicht beeinflussen, ob Sie Aktien kaufen oder verkaufen.

Hier auf dem Blog finanziell umdenken geht es u.a. darum, wie man den Aktienmarkt möglichst profitabel und stressfrei für sich nutzt. Bei Händlern und Anlegern mit kurzfristigem Zeithorizont findet das hektische Treiben statt, welches aus der Werbung bekannt ist. Hier möchten wir jedoch passives Einkommen erzielen, mit dem wir weitgehend stress- und sorgenfrei leben können.

Aktien schwanken mitunter sehr stark
Schauen wir uns den globalen Index des Dow Jones Global Index seit 1992 an. Insgesamt ist er seit dieser Zeit angestiegen und notiert derzeit bei einem Plus von rund 130%. Gleichzeitig gab es allerdings erhebliche Kursschwankungen. Das Platzen der Internetblase und die Finanzkrise haben den Index zwischenzeitlich immer wieder in die Tiefe gerissen, was als Bärenmarkt bezeichnet wird. Als Vergleich habe ich ein Investment mit einer jährlichen Verzinsung von 5% gegenübergestellt, welches im Moment ein etwas höheres Plus von 170% erzielt hätte. Aber die Größenordnung beider Gewinne ist vergleichbar. Welche Kurve hätten Sie lieber? Die meisten würden sicher auf die stetig ansteigende Kurve des 5% p.a.-Investments zurückgreifen. Nur die wenigsten möchten eine derart unruhige Kursbewegung im Depot haben wie es beim Aktienmarkt vorkommt, oder? Aber trotz der teilweise martialischen Verluste in Bärenmärkten, erholt sich der Kurs langfristig immer wieder. Dann - wenn die Medien voll von Weltuntergangsszenarien sind - geht es fast ebenso schnell auch wieder aufwärts. Zudem bieten niedrige Kurse gute Chancen für die Zukunft.

Dow Jones Global Index (schwarz) / 5%-Verzinsung (blau) (Quelle: www.comdirect.de)

Zurück zur Eingangsfrage, wie sollte man sich verhalten, wenn die Kurse am Aktienmarkt deutlich oder längere Zeit zurückgehen? Zur Beantwortung dieser Frage möchte ich schon unterscheiden, ob es sich lediglich um ein einzelnes Unternehmen handelt oder ob wir das Risiko auf mehrere Dutzend Unternehmen verteilen möchten. Starke Kursrückgänge eines Aktien-Unternehmens entgegen des allgemeinen Trends sind in aller Regel ein Warnsignal. Wenn Sie jetzt bei immer weiter zurückgehenden Kursen regelmäßig Anteile kaufen würden, kann es passieren, dass Sie zum einen bald kein Geld mehr haben und dennoch das Unternehmen in die Insolvenz gehen muss. Enron war zur Jahrtausendwende ein trauriges Beispiel dafür, Q-Cells ein aktuelles Beispiel.

Bei Dividenden-ETFs Kursrückgänge zum Nachkaufen nutzen!
Das ist ein großer Vorteil bei ETFs mit zahlreichen und vor allem global diversifizierten Aktien. Die schwachen Unternehmen werden gegen andere ausgetauscht. Gegen eine lediglich geringe Gebühr wird Ihnen die Arbeit abgenommen, die Bilanzzahlen von möglicherweise 100 Unternehmen im Blick zu behalten. Daher nutzen Sie bei ETFs mit einer regelmäßigen Dividendenzahlung Kursrückgänge zum Nachkaufen!
Dabei ist zudem wichtig, die von Otto Rehhagel vielzitierte "kontrollierte Offensive" einzuhalten. D.h. investieren Sie bei fallenden Kursen nur "häppchenweise" und halten Sie immer genügend Cashreserven zurück. Einige Investoren empfehlen immer "voll investiert" zu sein. D.h. Sie haben keine oder nur eine vernachlässigbar kleine Cashreserve. Davon halte ich aus dem eben genannten Grund nichts. Wenn Sie kein Geld zum Investieren mehr haben, dann müssen Sie tatenlos den möglicherweise noch weiter fallenden Kursen nachschauen.


Zum Weiterlesen:

Kommentare:

  1. Schöner Post.

    "Grundsätzlich ist es wichtig zu wissen, dass in der Masse nicht die Nachrichten Kursbewegungen auslösen, sondern umgekehrt." - Das ist ein wichtiger Fakt.

    Also Aktien zum günstigsten Zeitpunkt zu kaufen oder am höchsten Punkt zu verkaufen schafft keiner.

    Selber mache ich es ja selber. Das ich eine größere Cashereserve habe, falls es wirklich mal super Chancen ala 2009 gibt. Sonst habe ich viele US Werte (mit quartalsweißer Ausschüttung) so kommt immer wieder ein neuer Betrag. Der dann in momentan günstige Werte reinvestiert wird. Ist der Markt gerade übertrieben hoch, sammelt sich dieser eben an.

    Gruß Ulrich

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  2. Hallo Ulrich,
    ganz genau, gerade nach starken Kursrückgängen bieten sich gute Möglichkeiten für zusätzliche Investitionen. Allerdings kann der Kurs auch nach Crash-Phasen noch weiter nachgeben, daher sollte nur häppchenweise nachgekauft werden.

    Nach längeren Phasen mit steigenden Kursen bin ich im Gegenzug eher zurückhaltend, was den Kauf von neuen Investmentanteilen betrifft. Dann weitet sich die Cash-Reserve weiter aus oder ich investiere in andere Assets.

    VG
    Lars

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  3. Hallo Ulrich,

    sehr guter Beitrag! Das ist eben die Crux, unten den Einstieg zu finden. Kaum jemand schafft das.

    Wenn man sich mal anschaut, zu welchem Zeitpunkt Unternehmen ihr Aktienrückkaufprogramm starten, dann kriege ich das Grauen. Sie kaufen am liebsten auf dem Kurs-Höhepunkt die eigene Aktie zu. Wenn es dann zu einem Kurssturz (aus welchem Grund auch immer) kommen sollte, legen sie das Aktienrückkaufprogramm auf Eis. Siehe JPMorgan Chase!

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  4. @Tim

    Ja das hat mich auch schon geärgert. Bin bei Union Pacific investiert und auch dort wurde ausgerechnet im Jahr 2009 der Rückkauf gestoppt :( . Also manche Firmenlenker könnten mit ein bischen Nachdenken echt noch einiges rausholen. Deutsche Firmen sind da aber meist noch schlimmer ...

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  5. Hallo Ulrich,

    eine Nachfrage zum Thema Cashreserve hätte ich, zumal ich bei mir selbst auch immer mit dieser Frage hadere. Die Frage: In welchen Situationen würdest Du die Cashreserve denn nun einsetzen, d.h. verringern oder sogar auflösen?

    Denn eine Cashreserve, die man trotz fallender Kurse hält, nützt einem ja nie etwas (die bekannte "eiserne Geldreserve" von 6-12 Monaten Nettogehalt meine ich damit natürlich nicht).

    So geht es mir dann oft so, dass die Märkte extrem fallen und ich mich trotzdem nicht traue, die Cashreserve einzusetzen, da die Kurse ja immer noch weiter fallen könnten.

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    1. Ich sehe gerade eine noch unbeantwortete Frage.
      Bei Abwärtstrends mache ich es so, dass gerade nach impulsartigen Rückgängen, also regelrechten "Ausverkaufs-Tagen", einen Teil (10 bis 15%) der Cashreserve nutze um nachzukaufen.

      Wenn der Abwärtstrend sichtbar vorbei ist, ist man hinterher immer schlauer und ärgert sich mitunter nicht mehr investiert zu haben. Andererseits kann ein Bärenmarkt auch mal 2-3 dauern bis es wieder nennenswert nach oben geht (siehe 2000 bis 2003).

      Je nach Risiko-Neigung würde ich daher vorschlagen 10% (oder geringfügig mehr) von der Cashreserve bei großen Kursrückgängen zu investieren. So hat man die niedrigen Kurse genutzt, aber hat anderseits noch ein genügende Geldpolster zum weiteren "Nachschießen".

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  6. Vielen Dank an die Teilnehmer der Umfrage: "Wie lange dauert der aktuelle Kursrückgang an den Aktienmärkten?"

    Wenn ich die mit "sonstiges" abgegebenen Stimmen so werte, dass es zumindest nicht weiter abwärts geht, dann ist derzeit nur rund ein Viertel der Teilnehmer "bullisch" für die aktuellen Aktienmärkte.

    Immerhin ca. 30% erwarten einen Bärenmarkt bis zum Ende des Jahres oder sogar noch länger.

    Hier die Ergebnisse

    der Boden ist erreicht: 13%

    nur noch ein paar Tage: 4%

    noch Wochen/Monate: 43%

    bis Ende 2012: 8%

    ein langer Bärenmarkt beginnt: 21%

    sonstiges: 8%

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    1. Na, wenn das mal kein Kontra-Indikator war. :-) Über 70% waren bis Mitte Juni bärisch für Aktien eingestellt. Bis heute ist der DAX stattdessen um über 1000 Punkte angestiegen.

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  7. Hätte Hätte Fahradkette , Ja , immer etwas Cash halten , aber notfalls auch zu früh investieren ( In das Messer greifen ) , und die Durstsrecke durchhalten , wie versuchen den Kursen hinterherzulaufen . Andererseits , gibt es immer wieder gute Unternehmen , die immer gekauft werden können und ggf. dann auch noch mal nachgekauft werden können.

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